Panama

1. Jänner - 24. März 2018

Wir sind nun schon 59 Stunden unterwegs und haben 265 Seemeilen zurückgelegt. Unmittelbar vor der Grenze zu Panama werden wir von der Armada Nacional Colombia (Schnellboot mit 6 Soldaten) gestoppt. Einer der Soldaten in Zivil kommt an Bord, prüft die Pässe und Schiffspapiere und inspiziert das Boot (schaut auch unter die Matratzen, etc.), ist dabei höflich. Ich bin ziemlich gestresst, Erwin findet das Ganze eher amüsant. Die Kontrolle hat mindestens eine halbe Stunde gekostet. Die Sicht beim Ankern in der Bucht von Puerto Obaldia ist schon recht schlecht und es wird wie immer in den Tropen sehr rasch finster. Wir finden nicht gleich die Q-Flagge, stattdessen "hissen" wir ein gelbes Plastiksackerl . Die Bucht ist ziemlich rollig und wir sind das einzige Segelboot hier.

Obaldia

1. - 3. Jänner 2018

Wir haben uns für Puerto Obaldia zum Einklarieren entschieden - es wäre noch Portobelo ganz im Westen möglich gewesen. Wir wollen aber die Küste von Osten nach Westen entlang segeln, um auch die ursprünglichen, vom Tourismus noch nicht bzw. kaum beeinflussten Inseln des San Blas Archipels zu sehen. Das Einklarieren dauert viele Stunden. Die Beamten sind höflich, aber alles ist extrem umständlich und dauert ewig. Der Ort ist klein und wirkt wie aus längst vergangener Zeit. Wir sehen erstaunlich viele junge Backpacker und fragen uns, was sie in diesen gottverlassenen Ort verschlägt. 

 

Die Grenzpolizei hat eine Inspektion des Bootes angesetzt. Sie haben kein eigenes Boot und wollen am nächsten Tag in der Früh mit dem Dinghy abgeholt werden. Also eine weitere Nacht in der rolligen Bucht. Ein heftiges Gewitter, wie wir es zuvor noch nie erlebt haben, weckt uns mitten in der Nacht. Die Blitze sind so grell und kurz hintereinander, dass es sekundenlang taghell ist, die sofort darauffolgenden Donner krachen so laut, dass wir Sorge haben, von einem Blitz getroffen zu werden. Wir geben schnell PC's und andere elektronische Geräte in das Backrohr. Es regnet extrem stark und lange - zumindest wird das Deck ordentlich gewaschen. Wir sind nach wie vor das einzige Boot und somit der einzige Mast in der Bucht.

San Blas Archipel

3. - 30. Jänner 2018

Puerto Perme


3. - 5. Jänner

Nachdem die Grenzpolizei in der Früh bei uns am Boot war, segeln wir in die nur ca. 10 sm entfernt gelegene sehr malerische Bucht. Auch hier sind wir das einzige Boot. Das Wasser ist sehr trüb, sodass und wir die Untiefen erst im allerletzten Moment erkennen können.

 

Hier haben wir den ersten Kontakt mit den Kuna Indianern. Kaum ist der Anker unten, kommt eine Familie in ihrem Einbaum zu unserem Boot und hebt die Ankergebühr von 10 USD ein.  

Wir besuchen das sehr traditionelle Dorf Anachucuna. Die Hütten haben nur einen Raum und keinerlei Einrichtung, lediglich Hängematten. Sie sind aus Palmenblättern, Bambus und Schilf gebaut. Es gibt kein Fernsehen, keine Handys und keinerlei Annehmlichkeiten des westlichen Lebensstils. Frauen verdecken sofort ihr Gesicht, wenn sie einen Fotoapparat sehen. Sie sind traditionell angezogen (farbenfrohe Molas, die Hand- und Fußgelenke mit bunten Perlenschnüren umwickelt). Kontakt im Dorf gibt es nur, wenn die Frauen ihre Molas zum Kauf anbieten. Was zählt ist money und Molas. Für ein Foto werden 5 $ verlangt, das ist uns zuviel und uns stört auch die Art und Weise, wie es verlangt wird.

 

Im Panama Cruising Guide von Bauhaus wird das tasty Kuna bread besonders erwähnt. Wir haben bis jetzt (Obaldia und hier) keines gefunden. Daher ist zum ersten Mal Brot selber backen angesagt. Es gelingt recht gut - kann natürlich nicht mit dem Urlaib von Joseph Brot mithalten.

Es ist jetzt Trockenzeit (Jänner bis März), trotzdem regnet es täglich, wenn auch nur kurz. Die no-see-ems (winzige Stechmücken) quälen uns Tag und Nacht. 

Isla Pinos

5. - 8. Jänner

Wir segeln 25 sm weiter zur Isla Pinos. Wir ankern in einer sehr schönen und ruhigen Bucht vor einem gepflegten Sandstrand mit einem einfachen, nicht uncharmanten Restaurant. Leider ist auch hier das Wasser ziemlich trüb und lädt nicht zum Schwimmen ein. Am Abend genießen wir unseren ersten Lobster auf den San Blas Inseln. 

 

Wir besuchen wieder ein Kuna-Dorf (Mamimulu), das am südwestlichen Ende der Bucht gelegen ist. Es ist zwar auch traditionell, wir sehen jedoch viele Satellitenschüsseln an den Hütten und sogar zwei Telefonzellen. Molas werden uns hier nicht angeboten. Die Bewohner wirken ebenfalls sehr verschlossen und scheu. 

Am 8. Jänner nach dem Frühstück segeln wir weiter Richtung Mono Island, wo wir am Nachmittag anlegen. Wir bleiben nur über Nacht und segeln am 9. Jänner nach Snug Harbor. 

 

Während die Ankerplätze auf Isla Pinos und Mono Island gut besucht waren, sind wir hier wieder ganz alleine. Das Wasser ist sauber und klar, sodass die Untiefen - davon gibt es hier viele - gut sichtbar sind. Der Ankerplatz macht einen - wie im Bauhaus Guide beschrieben - geschützten Eindruck, ist sehr schön gelegen. Zum ersten Mal wird keine Ankergebühr eingehoben. Es kommen freundliche Kuna Indianer mit ihren Einbäumen vorbei. Einer fragt nach einem Gummiband für seine Harpune, andere bieten fangfrische Fische an. Wir entscheiden uns für den Zackenbarsch, der sowohl uns als auch Felix herrlich schmeckt. 

Als es Nacht wird, kommt sehr starker, böiger Wind und Regen auf. Der Himmel ist pechschwarz, man sieht absolut nichts. Geschützt ist der Ankerplatz laut Bauhaus Guide, solange der Wind nicht aus Südost kommt, was nur für die Regenzeit beschrieben ist. Es ist zwar nicht Regenzeit, der Wind dreht aber trotzdem auf Südost. Wir sitzen im Salon und beobachten am iPad gebannt die Windanzeige, die Bootsbewegungen und wie der Tiefenmesser zwischen 1,5 und 20 m schwankt. Der Anker hält. An Schlaf ist nicht zu denken. Erst als gegen 3 Uhr früh der Wind nachlässt und der Tiefenmesser sich bei rund 4 m einpendelt, legen wir uns hin. Der Grund für die Schwankungen in der Tiefenanzeige ist sehr wahrscheinlich die Schichtung von Süßwasser (Regen) und Meerwasser, es macht uns aber ziemlich nervös, weil wir inmitten von echten Untiefen ankern.

Nargana Town

9. - 11. Jänner

Wir segeln weiter nach Nargana und verbringen zwei entspannte Tage und Nächte am Ankerplatz direkt vor dem Ort. Hier gibt es einige Geschäfte und wir kaufen viel Obst (Ananas, Papaya, Bananen) und etwas frisches Gemüse. Zum ersten Mal finden wir - dem Duft von frischem Brot folgend - das tasty Kuna bread. Es ist eigentlich kein Brot, sondern es sind kleine Weißbrot-Stangerln, die an der Längsseite miteinander verbunden sind. Für uns ist es ziemlich geschmacklos und fad, von tasty keine Spur. Wir sind bereits im Westen der San Blas Inseln angelangt. Hier haben die Kuna Indianer - mehr oder weniger - den traditionellen Lebensstil aufgegeben. Die Folge ist ein wildes Gemisch aus Baumaterialien und -formen, die Siedlung macht den Eindruck eines Slums. In den traditionellen Dörfern ist durch die einheitliche Bauweise und die natürlichen Baumaterialien ein harmonischer Eindruck gegeben. Die Kargheit der Lebensbedingungen wird dadurch für den Außenstehenden nicht so offensichtlich. Ganz anders hier in Nargana.

Green Island

11. - 14. Jänner

Unser nächstes Ziel (Green Island) liegt nur wenige Seemeilen von Nargana entfernt. Der Ankerplatz ist so, wie wir es uns auf den San Blas Inseln vorgestellt haben. Türkisfarbenes, glasklares Wasser, eine kleine Insel voll mit Palmen mit einem Sandstrand. Wir sind begeistert. 

Der Ankerplatz ist sehr gut besucht. Kuna Indianer kommen regelmäßig in ihren Einbäumen vorbei und bieten Lobster, Krebse und Molas an.

 

Bei Lisa - die eigentlich ein Mann ist - und durch ihre kunstvollen Molas bekannt ist, werden wir schwach und kaufen einige. Lebende Lobster zu kaufen lehnen wir vorerst ab. Uns tun die Tiere leid.  

 

Wir genießen das Schwimmen, bis uns erzählt wird, dass eine Französin von einem Krokodil angefallen und schwer verletzt ausgeflogen werden musste. Sollen wir die Geschichte glauben? Jedenfalls ist uns die Lust auf das Schwimmen vergangen. 

 

Leider quälen uns die no-see-ems, obwohl wir versuchen, alle Vorkehrungen zu treffen. Besonders die Unterschenkel jucken höllisch. Sämtliche Mittel gegen Juckreiz wirken nur vorübergehend. Wir, insbesondere Erwin, haben zwei schlaflose, qualvolle Nächte. Man möchte sich am liebsten die Haut abziehen. Blöderweise merkt man gar nicht, wenn man von diesen kaum sichtbaren Biestern gestochen wird, der Juckreiz kommt erst später und dann ganz intensiv.

östliche Holandes Cays

14. - 21. Jänner

Wir segeln 3,5 Stunden weiter und ankern im sogenannten Swimming Pool. Es ist traumhaft schön hier. Rundherum kleine Inseln mit Palmen und eine beeindruckende Brandungszone. Es liegen wieder viele Segelboote vor Anker. Platz ist aber kein Problem. Wir treffen Maria und Willy (Schweizer) wieder, die wir auf der Isla Pinos kennen gelernt haben. Sie haben eine weiß-schwarze Katze an Bord, von der Erwin ganz begeistert ist, weil sie so lieb und zutraulich ist.  

 

Die Versorgung mit frischem Obst und Gemüse durch die Kuna Indianer funktioniert auch hier ganz gut. Fisch wird zwar nicht angeboten, dafür jede Menge Lobster. Erst als Willy uns Tipps zum raschen Töten der Tiere gibt, kommt auch bei uns Lobster auf den Tisch.

Erwin sieht, dass der vor uns liegende Katamaran eine österreichische Fahne hat und schwimmt hin. So lernen wir Roman und Patrizia kennen, die schon viele Jahre in Panama leben und arbeiten. Roman erwähnt ebenfalls die Krokodilattacke von Green Island. Krokodile gibt es überall in Panama, besonders in den Flüssen. Attacken auf Menschen sind bislang auf den San Blas Inseln noch nicht vorgekommen. Von Roman und Patrizia bekommen wir sehr wertvolle Tipps für Colon und Panama City.

westliche Holandes Cays

21. - 26. Jänner

Roman hat uns die westlichsten zwei Inseln von den Holandes Cays empfohlen, die wir nun besuchen. Wir ankern vor Waisaladup. Es gefällt uns hier sehr gut.  Erfreulicherweise kommen die Kuna Indianer wieder mit mehr Fisch vorbei, was uns mehr zusagt als Lobster. Die Leute auf der Insel sind ausnehmend freundlich und hilfsbereit (Dinghy auf den Strand hinauf und hinunterziehen). 

 

Beim Frühstück sitzend sieht Erwin in der Ferne etwas Pinkfarbenes an der Wasseroberfläche schwimmen. Mit dem Fernglas bestätigt sich der Verdacht, dass es sich um eine portugiesische Galeere handelt. Da diese extrem selten sind, fahren wir mit dem Dinghy hin, um sie aus der Nähe zu sehen. Diese Nesselquallen sind ca. 20 cm groß, haben mehrere Meter lange Tentakel, schwimmen an der Wasseroberfläche, sind sehr schön anzusehen (pinkfarben und violett), leider auch sehr giftig.

Danach sehen wir noch mindestens 10 portugiesische Galeeren am Wasser schwimmen. Zumindest hier sind sie nicht selten. 

 

Am letzten Tag um ca. 3 Uhr früh - es ist noch stockfinster - hört Erwin eigenartige Geräusche von draußen. Wir gehen ins Cockpit und erleben ein unglaubliches Naturschauspiel. Etwa ein Dutzend großer Delphine jagt direkt vor unserem Heck. Sie schießen wie wild hin und her und zwischen den Rümpfen durch, stoßen im Jagdfieber fast zusammen, die Fische spritzen in Panik aus dem Wasser. Wir hören die Delphine aus nächster Nähe schnaufen, bevor sie wieder tauchen. Wir schalten eine starke Taschenlampe ein, was sie nicht zu stören scheint. Nach ca. einer Stunde werden die Delphine ruhiger und verschwinden langsam im Dunkeln. Phantastisch.

 

26. Jänner: Wir segeln nach dem Frühstück nach Porvenir, weil wir gehört haben, dass es dort Telefonkarten gibt und das Internet funktionieren soll. Der Ankerplatz vor der Insel sagt uns überhaupt nicht zu und das Internet ist auch Fehlanzeige, weshalb wir zur nahe gelegenen Insel Chichime segeln. Hier ist der Ankerplatz voll. Wir bleiben nur über Nacht und legen in der Früh Richtung östliche Lemmon Cays ab.  

östliche Lemmon Cays

27. - 30. Jänner

Die östlichen Lemmon Cays liegen nicht weit von Chichime entfernt, die letzten zwei Seemeilen dorthin haben es aber in sich. Wir sehen sowohl auf der Backbord- als auch auf der Steuerbordseite sich brechende Wellen, an manchen Stellen nur hin und wieder. Wir fahren langsam und mit Motor. Eine seitliche Strömung macht es nicht einfacher. Wir sind angespannt und passen auf wie die Haftelmacher. Der Kurs an den Untiefen vorbei gleicht einem Riesentorlauf. Belohnt werden wir mit einem Ankerplatz wie aus dem Bilderbuch.  

Mit dem Dinghy fahren wir zu einer kleinen Insel (Fregatt Island), die nur ein paar Minuten entfernt ist und ein Restaurant und einen attraktiven Sandstrand hat. Hier treffen wir einen Kuna Indianer, der schon am Hintertuxer Gletscher war und ganz passabel Deutsch spricht. Kleine Welt! Des Rätsels Lösung, er hat eine Urlauberin aus München geheiratet.

 

Es ist unser letzter Ankerplatz auf den San Blas Inseln, auf den wir sehr gerne länger geblieben wären. Wir sind aber für den 2. Februar in der Shelter Bay Marina angemeldet und wollen auf dem Weg dorthin nicht in der Nacht segeln, deshalb haben wir in der Linton Bay Marina einen Zwischenstopp eingeplant.

 

Am 30. Jänner um 8:30 Uhr legen wir Richtung Linton Bay Marina ab, um noch bei Tageslicht anzukommen. Bis zu 3 Meter hohe Wellen von der Seite machen die Fahrt recht unbequem. Unterwegs versuchen wir wiederholt, die Marina per Email, Telefon und dann per Funk zu erreichen. Leider vergeblich. Über VHF hören wir, dass noch zwei andere Boote versuchen, die Marina zu erreichen. Unmittelbar vor der Einfahrt bekommen wir endlich Funkkontakt, inzwischen ist es 17 Uhr. 

Linton Bay Marina

30. Jänner - 2. Februar

Obwohl wir die Breite unseres Bootes (7 Meter) durchgegeben haben, wird uns ein viel zu enger Platz zugewiesen. Für den neuen Platz müssen Fender und Festmacherleinen blitzartig auf die andere Seite, weil durch die Untiefen vor den Docks (mit Stecken im Wasser markiert) und einer engen Fahrrinne keine 'Ringerln' zum Zeitgewinnen gefahren werden können. 

Die Marina liegt zwar recht schön, aber im absoluten Nirgendwo. Es gibt weder in der Marina noch in der fußläufigen Umgebung Einkaufsmöglichkeiten oder ein Restaurant. Wenigstens funktioniert das Internet recht gut und die Leute im Office sind sehr freundlich. 

Shelter Bay Marina

2. Februar - 11. März

Gleich nach der Ankunft am Nachmittag genießen wir im Marina-Restaurant ein black pearl chicken mit french fries - wir fühlen uns sofort sehr wohl. Die Infrastruktur ist sehr gut (Minimarkt, Chandlery, Swimming Pool, Kleinbus nach Colon und Panama City, etc.). 

Wir hätten nie gedacht, dass wir hier 5 Wochen, davon fast drei am Trockendock, verbringen würden bzw. müssen (Details auf Home). 

 

10. März: Morgen ist es endlich so weit, wir haben den Kanaltransit. In der Früh sind wir noch mit Joachim (er wohnt auf seinem Boot in der Marina, hat einen Pickup und arbeitet als Prüfingenieur beim Bau der Amerika Brücke) nach Colon gefahren, um den letzten Einkauf - vor allem frisches Fleisch und Gemüse - zu erledigen, da ja während des Transit zusätzlich 4 Linehandler (auch über Nacht) und 1 - 2 Adviser (tagsüber) an Bord sein werden. 

Panamakanal - Transit mit Hindernissen

11. und 12. März

Am Sonntag zu Mittag kommen unsere Linehandler an Bord: Zwei Peter (Engländer, Crew von Bill), Xavier (Schweizer) und Thomas aus Kiel. Um 13 Uhr sollen wir los. Wir starten die Motoren.

 

Der Backbordmotor startet nicht:

Die 'black box' des Backbordmotors wurde zuletzt vor 4 Monaten in Curacaou - bereits zum zweiten Mal - getauscht. Xavier (er hat das gleiche Boot wie wir) kennt die Probleme mit der 'black box' und hofft, dass er den Motor zum Laufen bringen kann. Für den Transit brauchen wir unbedingt beide Motoren. Wenn wir nicht fahren können, wäre die Konsequenz der Verlust der Transitgebühr und eine neuerliche Wartezeit von zwei bis drei Wochen. Daran möchte ich gar nicht denken. Xavier ist eine Stunde im Motorraum, inzwischen ist es schon 14 Uhr. Dann startet der Motor. Große Erleichterung bei allen. Wir können losfahren! 

Über Funk meldet Erwin der Cristobal Signal Station, dass wir am Weg zu den 'Flats' sind und bekommt die Information, dass der Adviser um 15:15 Uhr zu uns an Bord kommt. Zu den 'Flats' benötigt man eine Stunde, es geht sich aus. 

 

Wir gehen mit einem norwegischen Einrumpfboot im 'Päckchen' (die Boote werden an der Längsseite miteinander verbunden) durch den Kanal. Das Handling mit den 'monkeyfists' und den Leinen verläuft entspannt und wir genießen die Durchfahrt durch die drei Gatun Locks. Bei der Ankunft im Gatunsee - wo wir an einer Boje übernachten werden - ist es bereits stockfinster. 

Propeller drehen nicht im Retourgang

Beim Ansteuern der Boje im Gatunsee merkt Erwin, dass sich das Boot mit dem Retourgang nicht bremsen lässt und stattdessen weiter nach vorne fährt! Aus 'volle Kraft zurück' wird 'volle Kraft voraus'. Die Boje (ca. 3 m im Durchmesser) gelangt teilweise unter das Trampolin und ist durch den Querträger des Kats quasi gefangen. Der Adviser ist völlig außer sich und schreit immer nur 'revers, revers!', er kann nicht verstehen, dass es ein technisches Problem gibt. Xavier und Thomas springen auf die Boje hinunter, diese taucht durch das Gewicht kurz tiefer ins Wasser, kann sich dadurch befreien und kommt unter dem Trampolin wieder hervor. Nach mehreren Versuchen - Xavier und Thomas sind noch auf der Boje - können wir an der Boje anlegen. 

 

Xavier: Being stuck on the Gatun Lake on the buoy with Thomas and thinking: 'they will come back to get us from the crocodile infested lake, right ...?! was one of the highlights and it's made my kids laugh a lot already.

  

Der Adviser verlässt total genervt unser Boot und sagt immer wieder 'my lunch is waiting' - er meint wohl sein dinner. Für den nächsten Morgen ist ein Tauchgang zu den Propellern geplant. Die Locks hinunter zum Pazifik kann man nicht ohne Retourgang fahren.   

Gleich in der Früh testen wir die Motoren. Wenn man den Retourgang einlegt, stirbt der Motor ab. Hat sich ein Tau im Propeller verfangen? Xavier ist sofort im Wasser - hoffentlich schlafen die Krokodile noch - und gibt nach Inspektion mit der Taucherbrille vorsichtige Entwarnung. Es hat sich nichts in den Propellern verfangen. Er stellt allerdings fest, dass sich die Propellerflügel nicht bzw. sehr schwer von der Vorwärts- in die Rückwärtsstellung bringen lassen. Wie das möglich ist, dafür gibt es im Augenblick keine Erklärung. Das neue Antifouling? Das Süßwasser? Oder doch etwas ganz anderes? In der Marina und in den Locks hat alles noch funktioniert. Xavier fettet - so gut es unter Wasser geht -  die Propellerflügel an ihrer Basis ein. Das Problem scheint vorerst behoben. 

 

Wir können in Ruhe und ausgiebig frühstücken. Erst um 10 Uhr (angekündigt war ab 7 Uhr) kommen die Adviser (heute sind es zwei) für den zweiten Tag. Hoffentlich geht alles gut. 

 

Die Fahrt durch den Gatunsee zieht sich etwas und wir müssen zudem auf ein großes Schiff, das mit uns durch die Schleusen gehen wird, warten. Wir legen daher an einer Boje im See an. Das Problem mit den Schrauben tritt wieder auf. Beim Einlegen des Retourganges bleibt die Schraube des Backbordmotors in der Vorwärtsstellung. Natürlich ist der Kat dadurch äußerst schwer zu manövrieren. Auch der heutige Adviser wird völlig hektisch, als das Anlegen an der Boje nicht sofort klappt - vielleicht ist das einfach das südländische Temperament. 

 

Wie schon am Vortag fahren wir mit dem norwegischen Boot im 'Päckchen'. Erwin informiert noch den norwegischen Skipper, dass wir eventuell ein Problem mit dem Retourgang haben könnten.

Die Fahrt durch die drei (San Pedro und zwei Miraflores) Locks hinunter zum Pazifik verläuft zu unserer großen Erleichterung total angenehm. Die Probleme mit den Schrauben sind verschwunden, unser Boot lässt sich wieder gut manövrieren. Das große, schwere Schiff hinter uns bewegt sich leider sehr langsam.

Dadurch verlieren wir sehr viel Zeit und es ist schon recht spät (21 Uhr), als wir endlich im Balboa Yacht Club an der Boje hängen. Die Linehandler müssen noch zurück in die Shelter Bay Marina (ca. 3 Stunden mit dem Taxi). So ist der Abschied kurz, wenn auch herzlich. 

 

Wir hätten uns einen Transit ohne Probleme gewünscht, weil es ein sehr beeindruckendes und für uns wahrscheinlich einmaliges Erlebnis ist: es werden insgesamt ca. 82 km zurückgelegt. Die Höhendifferenz vom Atlantik hinauf zum künstlich angelegten Gatunsee beträgt 26 Meter, die in den drei Gatunschleusen überwunden werden. Am Ende des Gatunsees geht es dann wieder über drei Schleusen hinunter (26 Meter +/- die Gezeiten) in den Pazifik.

Balboa Yacht Club

12. - 21. März

20. März: Eigentlich wollten wir nur ein oder zwei Tage bleiben. Leider mussten wir auf die Lieferung der 'black box' von Volvo aus den USA für den Backbordmotor warten. Xavier konnte zwar den Motor zum Laufen bringen, das war aber nur eine Notlösung, mit der man nicht gesichert weiterfahren kann. Die neue 'black box' wurde gestern geliefert - eine 'Reserve-black box'  - für alle Fälle - noch dazu. Erwin hat sie heute eingebaut und der Motor springt sofort an.

 

Die intermittierend auftretenden Probleme mit den Retourgängen wollen wir - nach reiflicher Überlegung - hier nicht angehen. Das Problem erscheint uns zu komplex für die Möglichkeiten, die vor Ort zur Verfügung stehen.

Der Balboa Yacht Club  liegt direkt an der Einfahrt zum Kanal, der Tag und Nacht in Betrieb ist. Die großen Frachter sind erstaunlich leise und machen praktisch keine Wellen. Dafür sind die Pilot- und Schubboote sehr lästig, die mit hoher Geschwindigkeit herumfahren und ziemliche Wellen machen. Sogar bei uns (auf einem Kat) darf nichts herumstehen, was hinunterfallen könnte. 

 

Wir nützten die Tage des Wartens, um noch einige Einkäufe in Panama City zu machen. Proviant haben wir jetzt genug. Die Taxis sind - abhängig vom Verhandlungsgeschick - recht billig. Um 10 USD kann man schon sehr weit fahren.

Casca Viejo

Der Besuch im historischen Viertel (und dem Canal Museum) von Panama City war ganz interessant. Hier gibt es noch eine alte, ansehnliche Bausubstanz aus der Zeit, als die neue Stadt (1673) gegründet wurde und aus der Zeit des Kanalbaus. Viele Gebäude wurden bereits restauriert, bei vielen wird daran gearbeitet. Die Häuser werden völlig entkernt, es bleiben nur die Fassaden stehen, die mit Stahlträgern abgesichert sind. Dieses Stadtviertel wird von Touristen viel besucht, gilt als sicher, hat geschmackvolle kleine Läden, Cafes und Restaurants. Leider ist auch das Auto in diesem alten Stadtteil dominant (so wie überhaupt in der ganzen Stadt). Die Fußgänger werden auf Mini-Gehsteige gedrängt.  

Biodiversity Museum

Das vom Architekt Frank Gehry, von ihm stammt z.B. auch das Guggenheim Museum in Bilbao, entworfene Museum liegt am Weg von Balboa nach Panama City. Es ist ein Blickfang und auch mit seinen 8 Galerien ein kultureller Brennpunkt.

Morgen in der Früh wollen wir endlich weiter und zu den Las Perlas segeln. Wir wollen zwei oder drei Tage bleiben, das Unterwasserschiff anschauen - wahrscheinlich muss es gereinigt werden - und dann geht es zu den Galapagos Inseln.