Indonesien

 

Überfahrt von Australien nach Indonesien

 

Das Ankerfeld auf Horn Island lichtet sich. Die meisten Yachten der Sail2Indonesia Rally sind bereits Richtung Indonesien unterwegs. 

 

17. Juli 2023:

Um 8:00 Uhr früh holt Erwin den Anker auf, es geht nach Indonesien. Unser erstes Ziel ist der Ort Debut in den Süd-Molukken, wo wir einklarieren werden. Zwei Katamarane haben unmittelbar vor uns abgelegt, 4 Boote vor etwa einer Stunde. Es scheint die Sonne und wir haben die ersten Stunden einen starken Strom mit uns und wenig Welle. Der Süd-Ost-Passat bläst mit 10 - 16 Knoten. Wir  rollen das erste Mal nach langer Zeit, zusätzlich zum Vorsegel, wieder den Gennaker aus.

 

Wir werden möglichst lange entlang der australischen Nordküste segeln. Diese Strecke ist zwar länger, aber wir können so den indonesischen Fischerbooten weiträumig ausweichen, da sie in australischen Gewässern nicht fischen dürfen. 

 

Am Monitor haben wir noch eine Zeit lang die AIS-Signale der 6 Boote von der Rally. Sie sind alle größer als wir und damit auch schneller, im Laufe des Tages verschwinden sie vom Monitor.  

 

Der Wind bleibt im Wesentlichen unverändert, wenn er vorübergehend mehr nach Osten dreht und von achtern kommt, wechseln wir die Segelstellung auf 'Butterfly', was gut geht. Nach wie vor haben wir angenehm wenig Welle von achtern. 

 

Nach drei Tagen, am 20. Juli, sind wir in den indonesischen Gewässern angelangt. Wir sehen am Monitor viele Fischerboote, meist in Gruppen, zum Glück haben sie das AIS eingeschaltet. Es handelt sich um große, kommerzielle Boote. Ihre starken Scheinwerfer erhellen den Horizont über weite Strecken. Da haben die armen Fische keine Chance. Gefährlich für Segler sind die ausladenden Schleppnetze, die sich an den Rudern oder Propellern verfangen können.  

 

 

 

Am 22. Juli am Vormittag, etwa 15 Seemeilen vor unserem Ankunftshafen in Debut, werden wir von einer schwedischen Segelyacht über Funk um Hilfe gebeten. Der Kapitän ersucht uns, vor ihm zu fahren und ihn in den Hafen zu leiten. Wir erfahren von ihm, dass seine Frau in den Morgenstunden schwer verunglückt ist, einen offenen Oberarmbruch und weitere Verletzungen erlitten hat, sodass er sich nicht in der Lage sieht, Ausschau zu halten. Wir fahren vor ihm Richtung Hafen, halten laufend Funkkontakt. 11 Seemeilen vor dem Hafen wird über Funk mitgeteilt, dass Rescue Teams aus Australien und Indonesien unterwegs sind und die Yacht nicht weiterfahren soll, sondern die Teams hinausfahren werden. Wir fühlen mit dem schwedischen Ehepaar, sie tun uns unsagbar leid. Es wird weiters angekündigt, dass ein Rescue Team in einer Stunde draußen bei der Yacht sein wird. Daraus wird aber nichts. Letztlich wird die Yacht doch in den Hafen gesteuert. Die verunglückte Seglerin wird am Boot stabilisiert und nach etwa 4 Stunden an Land und ins örtliche Spital gebracht. Ein wahrer Albtraum. Sie wird noch in der Nacht operiert.

 

Debut

 

22. - 27. Juli 2023:

5 Nächte und etwas mehr als 5 Tage sind wir gesegelt. Wir lassen nach 726 Seemeilen, nachdem wir kurz Grundberührung gehabt haben, den Anker fallen. In der riesigen Bucht, die durchsetzt ist mit Riffen und Korallenköpfen, die nicht markiert und nicht in der Garmin-Karte vermerkt sind, liegen bereits über 40 Segelyachten. Alles Teilnehmer der Sail2Indonesia Rally.  

 

In der Ferne sehen wir die die Bucht dominierende Moschee.

 

Indonesien ist mit über 17.000 Inseln in Äquatornähe der größte Inselstaat und hat eine Bevölkerung von etwa 280 Millionen. In Indonesien leben die meisten Muslime weltweit.

Wir haben die gelbe Quarantäne-Flagge oben und müssen am Boot bleiben. Es dauert bis zum Abend, bis die Beamten von Immigration und Customs zum Einklarieren auf das Boot kommen. Sie werden von mehreren jungen Einheimischen begleitet, die sehr gut aufgelegt sind, singen, lachen und unentwegt Fotos mit dem Handy machen. Erwin muss den Drucker auspacken und noch zusätzliche Formulare ausdrucken, obwohl wir ohnehin schon jede Menge Kopien vorbereitet hatten. Der administrative Aufwand ist gewaltig. Ich teile Ferrero Rocher Kugeln aus, die sehr gut ankommen. 

Für die Süd-Molukken ist die jährliche Sail2Indonesia Rally mit heuer 53 Segelbooten und etwa 130 Teilnehmern nicht nur eine willkommene Einnahmequelle, sondern auch Abwechslung für die hier lebenden Menschen. Ein echtes Highlight, das viele Wochen mit viel Engagement vorbereitet und entsprechend zelebriert wird. Bei der Welcome ceremony werden traditionelle Tänze vorgeführt und Lokalpolitiker halten ihre obligatorischen Reden. Die Stimmung ist ausgezeichnet. 

Am 24. Juli besuchen wir, die Teilnehmer der Rally, den nahegelegenen Ort Dian. Gemeinsam wandern wir etwa die zwei Kilometer hin. Kleine Häuser mit ebensolchen Gärten, in denen für den Eigenbedarf Obst und Gemüse angepflanzt wird, säumen die wenig befahrene Straße zum Ort. Die Vegetation ist üppig. Es ist ein netter Spaziergang.

 

In Dian angekommen, werden wir auf der Straße von einer Gruppe junger Burschen überrascht, die einen kriegerischen Tanz, der einen Angriff auf Feinde darstellen soll, vorführen. Sie machen das perfekt, wir sind begeistert. 

Anschließend werden einige Rally-Teilnehmer eingeladen, in ein symbolisches Schiff einzusteigen und 'mitzufahren'. Wir haben den Eindruck, dass das gesamte Dorf mit uns auf der Straße ist. 

Am Ende der Straße ist eine Bühne aufgebaut und nachdem die lokalen Politiker zu Wort gekommen sind, gibt es Tanzdarbietungen. Die Dorfbewohner haben keine Mühen gescheut, um uns Einblicke in ihre Traditionen zu geben, sie machen das mit Hingabe. Es ist ein Vorteil, an einer Flottille wie der Sail2Indonesia Rally teilzunehmen, sonst würden wir das alles nicht zu sehen bekommen. 

26. Juli:

Am letzten Tag in Debut steht das Briefing für die nächsten Destinationen am Programm. Es findet im neu erbauten Parlament statt. Es ist  noch Baustelle, der Festsaal ist bereits fertig. Die Klimaanlage funktioniert auch schon, wir frieren. Man ist offensichtlich stolz auf das repräsentative Gebäude und will es herzeigen. Wir werden mit Werbefilmen des Tourismusministeriums und wieder mit Ansprachen von Offiziellen beglückt.   

27. Juli:

Nach dem Frühstück setzen wir noch am Anker das Groß, dann segeln wir Richtung Nordwest zur kleinen Inselgruppe Banda, den Gewürzinseln in den Zentral-Molukken.

 

Wir haben wieder Südost-Passat und genießen das ruhige Segeln mit wenig Welle von achtern sehr. Wir haben zusätzlich zum Groß den Gennaker ausgerollt. In der Nacht legt der Wind auf deutlich über 20 Knoten zu und die See ist zunehmend unruhig. Wir erreichen bis zu 10 Knoten Geschwindigkeit, wir haben kein gutes Gefühl dabei und entschließen uns, den Gennaker einzuholen und mit Groß und Vorsegel die Nacht durchzusegeln. Safety first. Fischerboote sehen wir keine, das Wasser ist hier viel zu tief. 

 

Am 28. Juli zeitig in der Früh rollen wir den Gennaker wieder aus, die See ist deutlich ruhiger. Wir segeln mit 8 - 9,5 Knoten Geschwindigkeit, so schnell waren wir über eine längere Stecke bisher noch nie. In unserer Nähe sind zwei weitere Boote von der Flottille, es macht Spaß ihre Geschwindigkeiten am Monitor zu verfolgen und mit unserer zu vergleichen. 

 

 

Gewürzinseln

 

 

Die Inseln sind so klein, dass man sie auf den Seekarten kaum sieht, man muss entsprechend hineinzoomen.  

 

Die Banda-Inseln sind durch vulkanische Aktivität aus ursprünglich einer Insel  entstanden. 

 

Banda Neira

 

28. Juli -  1. August 2023:

Nach 197 Seemeilen und 32 Stunden fahren wir in die zwischen den zwei Inseln Gunung Api und Pulau Naira liegende Engstelle, durch die der Wind heftig durchbläst, hinein. Vom Briefing wissen wir, dass vor dem Ort Neira sehr wenig Platz zum Ankern und das Holding schlecht ist. Wir fahren durch die Engstelle langsam durch, entschließen uns an einer suboptimalen Stelle mit 17 Metern Tiefe zu ankern, lassen 80 Meter Kette hinunter.

 

Wir hören über Funk, dass einige Boote von der Flottille an der Kaimauer beim Ort Neira vertäut sind. Erwin nimmt Funkkontakt mit Florian auf, der mit seinem Boot ebenfalls an der Kaimauer steht und das Managen der Boote von der Flottille übernommen hat und erfährt, dass in 15 Minuten ein Katamaran wegfährt und ein Platz an der Kaimauer nach dem Prinzip 'first come first served' frei wird. Wir sind erleichtert, holen den Anker blitzartig wieder auf und fahren zur Kaimauer hin, warten davor. Mit Unterstützung von Florian und anderen Seglern vertäuen wir uns römisch-katholisch mit Buganker und Heckleinen an der Kaimauer. Der Platz an der Kaimauer ist optimal. 

 

Am Ufer sitzen tagsüber in einem kleinen überdachten Bereich zwei bis 4 Frauen, die sich um die Clearance der Boote der Sail2Indonesia Rally kümmern und Touren sowie andere Aktivitäten anbieten. Sie sprechen etwas Englisch.  

Das Wasser ist sehr klar, man sieht bis auf den Grund. Leider sehen wir nun auch, dass das untere Ende des steuerbordseitigen Ruders abgebrochen ist. Das ist bei der Grundberührung im Hafen von Debut passiert. Das backbordseitige Ruder wurde im September 2022 in Fidschi beschädigt und in Australien aufwändig repariert. Jetzt werden wir mit der Reparatur bis Südafrika warten müssen. 

 

Fünf Mal am Tag, das erste Mal vor Sonnenaufgang, plärrt von einem Tonband aus den Lautsprechern der nahegelegenen Moschee der Muezzin in Hocharabisch, das wohl kaum einer versteht. Wir werden täglich davon aufgeweckt.

 

Hochsaison ist hier November, Dezember. Da soll das Meer von Walen, Delphinen, Orcas, Thunfischen und Hammerhaien nur so wimmeln und Taucher aus aller Welt anziehen.  

 

Der Rundgang durch das Dorf Neira ist höchst interessant. Bereits vor mehr als 500 Jahren kamen Europäer auf der Suche nach einem Seeweg nach Indien zu den 'Spice Islands'. Die Inseln waren in der Folge wegen ihrer Gewürze sehr begehrt und wurden zum Spielball der Interessen der europäischen Seemächte. Es wurden mächtige Befestigungsanlagen und Stadtmauern erbaut, die gut erhalten sind. Für die Bauwerke kamen chinesische Arbeiter auf die Insel, deren Nachfahren heute noch den damals errichteten chinesischen Tempel im Ort besuchen.        

Auf unserem Rundgang durch den Ort entdecken wir das Cilu Bintang Estate, einen ehemaligen herrschaftlichen Wohnsitz eines Gewürzbarons, jetzt Hotel und Restaurant. Das Interieur wurde originalgetreu mit edlen Hölzern restauriert. Wir genießen auf der Terrasse sitzend den wunderbaren Ausblick, Cappuccinos und eine Art Omelette mit Bananen im Teig, mit Cinnamon bestreut. 

Auf dem Markt erweckt ein angeketteter Papagei unsere Aufmerksamkeit. Wir kommen näher und sofort fängt er an Kunststücke, soweit es durch die Kette möglich ist, vorzuführen. Erwin beginnt ihn zu kraulen, was er sichtlich genießt und ihn zart mit dem Schnabel beknabbert. Am liebsten würden wir ihn mitnehmen. 

Die Gebäude im Ort sind klein, zumeist ebenerdig, die Gassen schmal. Transportmittel sind Mopeds und Motorräder, auch Frauen fahren. Es gibt viel frisches Obst und Gemüse, die Leute sind freundlich. Wir haben kein unsicheres Gefühl. Die Kinder sind sehr aufgeweckt, grüßen und wollen uns mit ihren Handys fotografieren. Das Handy ist allgegenwärtig und wirkt zu den ausladenden Kopftüchern, die auch schon kleine Mädchen tragen, irgendwie widersprüchlich 

31. Juli:

Am Vormittag machen wir die 'Spice Tour' auf der Insel Lonthoir, die wir per Boot in etwa 20 Minuten erreichen. Wir spazieren durch den Ort und sind überrascht von den ansehnlichen Häusern mit soliden, schönen Eingangstüren aus Holz und Fliesenböden vor den blitzsauberen Eingangsbereichen. Es laufen viele Katzen im Ort herum. Sie sind sehr scheu und spindeldürr, die meisten mit den in Indonesien typischen geknickten Schwänzen. 

Die Gewürze - Mandeln, Zimtrinde, Muskatnuss und Muskatnussblüten - sind auch heute noch die Grundlage für den Wohlstand der Gewürzinseln. 

Über viele Steinstufen gelangen wir zu einer Plantage, die sich in etwa 200 Metern Höhe befindet. Die Bäume, insbesondere die Mandelbäume, haben stattliche Größen. Wir werden von einer Tanz- und Musikantengruppe empfangen. Wir sitzen angenehm im Schatten und es wird ein Imbiss und erfrischender  Zimttee serviert. 

Als Ausdruck des Wohlstandes und der Dominanz des Islams gibt es auf der kleinen Insel 4 Moscheen. Die Kuppeln mit ihren Lautsprechern sind im Ortsbild allgegenwärtig.  

Der Vulkan ist zuletzt 1988 ausgebrochen, es gab ein vorhergehendes Erdbeben, die Bevölkerung hatte deshalb im Freien geschlafen, weshalb keine Opfer zu beklagen waren. Man sieht heute noch die Lavaströme an den Hängen des Vulkans.

 

Wahrscheinlich eine der ganz seltenen Gelegenheiten, mit Stil in dieser Gegend zu essen, bietet das Cilu Bintang Estate. Gemeinsam mit Seglern von der Flottille verbringen wir zwei  Abende hier. Die indonesische Küche ist interessant gewürzt, schmeckt uns sehr gut. Einmal tanzt und singt der Chef zu zwei Gitarrenspielern. Die Stimmung ist ausgezeichnet. Wir zahlen mehrere hunderttausend Rupien für Abendessen mit Getränken, es sind aber nur 35  Euro. 

Am späten Nachmittag des 1. August legen wir von der Kaimauer in Neira ab. Unser nächster Stopp ist der Ort Ambon, der sich noch in den Zentral-Molukken befindet. Gleichzeitig mit uns machen sich noch weitere 4 Boote auf den Weg.

 

Wir haben beständigen Südost-Passat mit 10 - 20 Knoten aus SE oder SSE und segeln mit Gennaker und Vorsegel und der Welle von achtern. Auf das Groß verzichten wir, der Wind ist zu sehr achterlich. Nach einer unaufgeregten, flotten Überfahrt, maximaler Speed 10 Knoten, kommen wir gegen Mittag in Ambon an.

 

Ambon 

 

2. - 5. August:

Nach 125 Seemeilen und 22 Stunden ankern wir zwischen zwei Regengüssen, so gut es geht, in 20 Meter Tiefe. Das Holding ist hier bekannterweise schlecht, Erwin lässt reichlich Kette hinunter, die ganzen 100 Meter. Vorhergesagt ist wenig Wind in den nächsten 24 Stunden, es regnet immer wieder heftig und so verschieben wir das Einfahren des Ankers auf den nächsten Tag. Der Ankerplatz gefällt uns gar nicht, im Wasser schwimmt jede Menge Plastik und sonstiger Müll. Es gibt nur einen schmalen, steinigen und steilen Strand.

 

3. August:

In der Früh erfahren wir über die Teilnehmer-WhatsApp, dass das Boot von Jacques und Selvina in der Nacht mit einem massiven Baumstamm kollidiert ist, der mehrere Leckagen verursacht hat, es dringt Wasser ins Boot ein. Die Bilgenpumpen können zum Glück den Wassereintritt bewältigen. Auf der Steuerbordseite ist das Ruder komplett gebrochen und der Motor lässt sich nicht starten, backbordseitig ist das Ruder beschädigt, funktioniert aber noch. Sie haben das gleiche Boot wie wir, eine Nautitech open 40, aber ein neueres Baujahr. Das ist ein extremes Pech, die Teilnehmer der Rally leiden mit den beiden. 

 

Weiters erfahren wir, dass die Schwedin, die den Horrorunfall kurz vor Debut hatte, mit einem Ambulanzflug nach Schweden unterwegs ist. Es geht ihr den Umständen entsprechend gut.

 

Wie geplant wollen wir den Anker einfahren, er hält nicht. Nach mehreren Versuchen finden wir endlich eine Stelle mit nur 11 Meter Tiefe und ankern. Wir versuchen erst gar nicht, den Anker einzufahren, Erwin lässt wieder viel Kette hinunter, das muss reichen. Immer wieder regnet es ergiebig. Wir wollen so rasch wie möglich weg von hier. 

 

Wir wollen Trichter mit Filter für Benzin und Diesel besorgen. Leider ist das noch in Australien getankte Benzin für den Außenborder extrem mit Schmutz versetzt. Erwin musste den Vergaser reinigen, er war total verdreckt. Jetzt trauen wir uns nicht, den Benzin ohne eine Filterung zu verwenden. Wir haben Sorge, dann irgendwo liegen zu bleiben oder von Wind und Strömung ohne Motor vertrieben zu werden. 

 

Trichter mit Filter sind nicht zu bekommen. Wir haben überlegt, unsere Dieselreserve aufzustocken, verzichten aber darauf. Scott hat einige Kanister Diesel gekauft, dieser ist dunkelgraubraun statt hellgelb. Wir hoffen, dass wir mit unserem Bestand auskommen. 

 

5. August:

Nach einer recht stimmungsvollen Welcome ceremony mit zum Glück kurzgehaltenen Politikerreden und noch kürzerer englischer Übersetzung, musizierenden und singenden Schulkindern und einem typisch indonesisch scharf gewürzten Lunch legen wir am späten Nachmittag Richtung Westen nach Tifu ab.  

Für eine Tagesfahrt ist die Strecke zu weit, weshalb wir die Nacht durchfahren müssen, um am nächsten Vormittag in Tifu anzukommen. Nach der Kollision des Bootes von Jacques und Selvina mit dem Baumstamm und den unzähligen Bojen und Fischfallen, die in der Nacht nicht beleuchtet und daher nicht sichtbar sind, sind wir in Sorge, in irgendein Hindernis hineinzufahren. Die Fischfallen befinden sich zwar in der Nähe von Inseln, es wurden aber schon welche weit weg von Inseln, wo das Wasser 3.000 Meter und tiefer ist, gesichtet.  

Wir segeln mit Vorsegel und Groß. Es ist eher mehr Wind vorhergesagt, weshalb Erwin vorsorglich das zweite Reff einbindet. Wenn möglich wollen wir vermeiden, dass Erwin in der Nacht auf das Dach hinauf muss. Der Wind kommt aus Südost mit 10 - 20 Knoten, wir segeln mit halbem Wind, haben Geschwindigkeiten zwischen 7 und 8 Knoten. Die von der Seite kommende Welle ist unangenehm. Für uns überraschend kommen wir in eine Gewitterzelle, es regnet heftig, sodass wir kaum hinaussehen, der Wind legt auf über 30 Knoten zu, die Wellen werden immer höher, das Boot schwankt gewaltig von einer Seite zur anderen, der schwere Ventilator fällt in der Pantry herunter. Wir haben die Luke vom Bad nicht zugemacht und eine extra hohe Welle nützt das schamlos aus und ein Schwall grünen Wassers überschwemmt den gesamten backbordseitigen Rumpf. Es ist alles nass, nicht nur der Fußboden, auch die Kastenwände und sogar der Spiegel über dem Waschbecken. Vielleicht werden wir es uns jetzt merken, hoffentlich, beim Ablegen 'alle Luken dicht'. Die restliche Fahrt ist unaufgeregt und schnell mit maximal 10,3 Knoten Geschwindigkeit. 

 

In der Teilnehmer-WhatsApp berichtet Scott in der Früh, dass er und Kat spätabends am Ankerplatz von 4 anscheinend betrunkenen, gewaltbereiten Männern bedroht wurden. Scott döste im Cockpit, als er plötzlich bemerkt, dass ein mit einem Stock bewaffneter Mann auf den Stufen des Katamarans steht. Es kommen zwei weitere Männer mit Stock und Paddel auf den Katamaran. Einer der Männer bleibt unten im Boot. Die drei Männer auf dem Katamaran blenden Scott und Kat mit Taschenlampen und brüllen Unverständliches. Kat ist so wütend, dass sie unbeeindruckt von der drohenden Gefahr die Männer anschreit und sie mit dem Handy filmt. Scott versucht, die Männer vom Boot hinunter zu drängen, was ihm nicht gelingt. Es gelingt ihm aber, die Motoren zu starten und Vollgas zu geben, worauf das Boot einen Ruck nach vorne macht. Die drei Männer erschrecken und verlassen fluchtartig den Katamaran. Scott und Kat heben den Anker und fahren ins offene Meer hinaus. Es ist finster und sie wissen nicht wohin. Über die Teilnehmer-App finden sie dann einen nahegelegenen, sicheren Ankerplatz. Der Schock sitzt bei beiden tief.

 

Beim späteren Kontakt mit der örtlichen Polizei haben die beiden erfahren, dass Muslime die Sail2Indonesia Rally bedroht haben. Deswegen waren bei den Feierlichkeiten in Ambon auch 4 Polizisten anwesend, drei in Zivil und einer in Uniform. Scott und Kat hatten stundenlang einen Ankerplatz gesucht und sind schlussendlich vor einem muslimischen Dorf gelandet. Dort war es dann aus mit der Freundlichkeit.

 

Tifu

 

6. - 10. August 2023:

Nach 123 Seemeilen sind wir im Südwesten von Buru Island vor der engen Einfahrt in die kleine Bucht, in der sich der Ort Tifu befindet. Der Wind bläst nach wie vor mit rund 30 Knoten und es gibt im seichteren Bereich vor der Einfahrt sehr hohe, brechende Wellen. Ich stehe am Steuer und plötzlich geht eine Welle über mich drüber, ebenso über den Chartplotter. Ich bin pudelnass und der Touchscreen des Chartplotters reagiert nicht mehr. Erwin übernimmt das Steuer und mit Hilfe der Satellitenaufnahme von der Einfahrt auf dem iPad fahren wir mit beiden Motoren und Vollgas die Wellen überwindend in die Bucht hinein.

 

Drinnen ist das Wasser flach, aber starke Strömungen bewirken, dass sich das Boot beim Ankern schwer steuern lässt. Nur ein einheimisches Boot liegt in der Bucht noch vor Anker. Die Bucht ist klein und allseits von hohen, üppig-grünen Hügeln umgeben. Es ist ein sehr schöner, idyllischer Ankerplatz. Drei Mädchen in einem schmalen Einbaum kommen vom Ort zu uns gepaddelt. Sie sind scheu, trauen sich nicht näher zu kommen. Erwin beginnt eine Unterhaltung mit ganz einfachen Schulenglischsätzen. Schlussendlich gibt Erwin ihnen unsere letzten drei Ferrero Rocher Kugeln. Wir haben davon schon viele gegessen, für die Mädchen werden es wahrscheinlich die einzigen in ihrem Leben bleiben. 

Am 7. August fahren wir mit dem Dinghy zum Ort, der 360 Einwohner hat. Wir werden bereits von Kindern und Danny, dem Gemeindesekretär des Ortes, der passabel Englisch spricht, erwartet. Es gibt drei Minigeschäfte, in denen man Getränke kaufen kann und sogar frisch gebackenes Brot.

Die Kinder hüpfen aufgeregt herum und freuen sich offensichtlich über unseren Besuch. Sie führen uns durch den Ort, der teils am Ufer und teils auf einem angrenzenden Hang liegt, lachen und strahlen uns an. Sie lassen sich gerne fotografieren. Alle Kinder sind fröhlich, es gibt kein einziges übergewichtiges Kind, besonders die Mädchen sind auf eine berührende Art schüchtern, schauen uns an und wenn man länger zurückschaut, fangen sie an zu kichern, wenden sich ab und halten sich die Hände vors Gesicht. Tifu ist ein rein christliches Dorf, das macht schon einen Unterschied. 

Wir werden von Danny eingeladen, ein Volleyball Match der Frauen des Ortes anzuschauen. Er bringt uns zwei Sessel und wir sitzen, umgeben von den Kindern, am Rand des Spielfeldes. Beide Mannschaften lassen sich gemeinsam mit uns vor dem Spiel fotografieren. Die Frauen spielen gut und es macht ihnen sichtlich auch Spaß.  

 

Scott und Kat haben den Ankerplatz ihres Albtraumerlebnisses verlassen und segeln zu uns nach Tifu. Sie kommen in stockdunkler Nacht an, was bei den momentanen Bedingungen nicht einfach ist. Wir haben ihnen die Einfahrt genau beschrieben und unser Boot hell erleuchtet, alles geht gut und sie ankern hinter uns. 

 

 

Zum Sundowner kommen Scott und Kat und ein australisches Ehepaar, das inzwischen als drittes Boot in der Bucht liegt, zu uns. Wir haben uns schon daran gewöhnt, dass Gäste ihre Getränke und auch die Gläser mitbringen. Das kennen wir, seitdem wir mit amerikanischen und australischen Seglern zusammen sind. 

 

8. August:

Eine Dschungelwanderung unter der Führung von Danny ist verabredet, mit dabei ist der Bürgermeister des Ortes. Wieder wird fleißig fotografiert, alle sind von einer berührenden, fast scheuen Herzlichkeit.   

Wir dachten, dass wir im kühlen, schattigen Dschungel wandern würden. Tatsächlich wandern wir auf einer Schotterstraße im prallen Sonnenlicht. Von Kindern einer Schule am Weg bleiben wir nicht unbemerkt, sie kommen heraus und mit viel Hallo wird wieder mit den Handys fotografiert. Die Mädchen üben ihr Englisch, in dem sie uns einfache Fragen stellen, die wir gerne beantworten.

Am Nachmittag wird auf dem Boot von den Australiern Marianne und Frank musiziert und gesungen.  

9. August:

Die kleine Bucht hat sich in der Früh gefüllt. Inzwischen liegen bereits 8 Yachten von der Sail2Indonesia Rally vor Anker. 

 

Am Nachmittag lädt Scott spontan zu einer Musikparty. 24 (!!!) Kinder mit ihren Ukuleles kommen mit Danny, der nicht nur Sekretär vom Bürgermeister, sondern auch Musik- und Englischlehrer im Ort ist, auf die Muskoka. Und natürlich auch alle in der Bucht geankerten Segler. Die Kinder singen und spielen mit Hingabe und Begeisterung auf ihren Ukuleles. Julian, Pianist aus England, setzt sich ans Keyboard,  es ist ein einmaliger Nachmittag, voll Harmonie und Unbeschwertheit.  

10. August:

Um 8 Uhr früh verlassen wir Tifu. Unser Ziel ist Wakatobi, eine Region in Südost-Sulawesi, die zu den besten Tauchregionen Indonesiens gehört. Wakatobi setzt sich aus den Inselnamen Wangi Wangi, Kalidupa, Tomea und Binongkoztt zusammen.

 

Mit beständigem, annähernd halbem Wind aus Ost-Süd-Ost um die 15-18  Knoten segeln wir mit Groß und Gennaker Richtung Westen. Die Wellen kommen ebenfalls von der Seite, sind erträglich. In der Nacht nimmt der Wind zu, die Wellen werden höher und einige gehen über das Dach. Wir bergen den Gennaker und setzen das Vorsegel. Trotzdem bleibt unsere Durchschnittsgeschwindigkeit bei 8 Knoten. Diese Durchschnittsgeschwindigkeit über 24 Stunden hatten wir bisher noch nie. 

 

Am 11. August in der Früh verkleinern wir das Vorsegel, wir wollen nach Sonnenaufgang bei guter Sicht in Wanci auf der Insel Wangi Wangi ankommen. In der Nähe von Inseln muss man immer mit unbeleuchteten FAD's (Fish attracting devices) rechnen, in die wir nicht hineinfahren wollen. Etwa 5 Seemeilen vor der Einfahrt zum Hafen sehen wir auf beiden Seiten diese Gebilde im Wasser. In der Nacht sind sie praktisch unsichtbar und daher gefährliche Hindernisse.

 

Wanci

 

11. - 14. August 2023:

Nach 203 Seemeilen fahren wir in der Früh  in die Marina Bay hinein, in der es eine Art Marina gibt. Eigentlich sind es nur ein paar schwimmende, zum Teil desolate Stege, es gibt weder Wasser, noch Strom, noch Duschen, etc., dafür ein großes Gebäude mit dem Marina-Office.

 

Florian hat uns im AIS kommen gesehen und bietet über Funk Hilfe beim Anlegen an. Er und Vicky erwarten uns auf einem der besseren Stege. Wir sind dankbar, denn der Wind bläst mit 25 Knoten von der Seite.

 

Der Zugang zu den Stegen hat zwar ein Gittertor, dieses ist immer offen bzw. kann gar nicht geschlossen werden. Zeitig in der Früh und ab dem späten Nachmittag werden die Stege von den Einheimischen bevölkert, die neugierig die Boote betrachten und Selfies machen oder Fotos mit uns wollen. Für Handy-Fotos muss man praktisch immer zur Verfügung stehen. 

 

Ein seltener Anblick, die drei österreichischen Boote, die an der Sail2Indonesia Rally teilnehmen, liegen nebeneinander am Steg. Neben der 'Crocodile' die 'Agapi' von Robert, der alleine segelt, sowie die 'Ibex' von Florian und Vicky. 

 

Im Marina-Office ist man auf die Teilnehmer der Sail2Indonesia  Rally vorbereitet. 10 Schülerinnen, 16 - 17 Jahre alt, die etwas Englisch sprechen, sind als Begleitung und zum Übersetzen abgestellt. Wanci ist eine relativ große, komplett muslimische Stadt, kaum jemand versteht ein Wort Englisch.  Sie organisieren Auto mit Fahrer für Ausflüge, begleiten uns zum Obst kaufen oder zu einem  ATM-Gerät, etc.. Sie machen das gerne, für sie ist es aufregend und sie können ihr Schulenglisch in die Praxis umsetzen. Dieses Service ist kostenlos. 

Die kleine Sabrina ist erst drei Jahre alt und trägt schon ein Kopftuch wie eine erwachsene Muslima. Die Frage an die Mutter, ob ihr das nicht zu heiß sei, wird verneint. Die Beschneidung, bei Buben wie bei Mädchen, ist in Indonesien üblich. Unsere Begleiterin erzählt, dass sie dabei furchtbar geweint hat und zeigt uns stolz Fotos auf dem Handy, wie die Mädchen nach der Beschneidung die Hauptpersonen in einem lokalen Umzug sind. Für uns ganz schrecklich. Sie ist 17 Jahre alt, aber noch sehr kindlich, Harry Potter Filme und TikTok sind Hauptbezugspunkte in ihrem Leben.

12. August:

Am Vormittag besuchen wir die Kontamale Caves, Kalksteinhöhlen mit natürlichen Frischwasser-Pools. Buben springen aus großen Höhen ins Wasser, Frauen waschen ihre Wäsche, es ist angenehm kühl hier.  

Am Nachmittag fahren wir mit einem traditionellen Boot zum Schnorcheln. Es ist abenteuerlich, denn das Boot wirkt auf uns instabil, es ist lang und schmal und schwankt ziemlich. Das Wasser ist nicht zu kalt, die Sicht leider nicht so gut, aber die Korallen sind gesund und wir sehen viele bunte Fische. Nichts Aufregendes, aber ein sehr schönes Erlebnis. Wakatobi hat anscheinend noch eine gesunde Unterwasserwelt. 

 

Malo Bajo Village

 

13. August:

Gemeinsam mit unseren Begleiterinnen, mit uns kommen immer zwei, die uns nicht aus den Augen lassen und ihre Aufgabe sehr ernst nehmen, besuchen wir das Malo Bajo Village, ein Dorf auf Pfählen, in dem über 7.000 Menschen leben. Die Bajos waren Seenomaden und haben diese Siedlungsform gewählt, die sehr nahe an das ständige Wohnen auf Booten angelehnt ist. Das Leben auf bzw. über dem Wasser bringt es auch mit sich, dass sie ihre Toten auf einer nahegelegenen Insel beerdigen. In diesem Dorf gibt es eine lange Brücke, die Regenbodenbrücke, von der man einen Blick auf die Friedhofsinsel hat.  

Liya Togo Fort

 

Nach dem Besuch des Malo Bajo Dorfes fahren wir zum historischen Liya Togo Fort. Am Parkplatz angekommen, sehen wir ein paar Leute und Tänzerinnen in historischen Kostümen herumstehen. Es dauert nicht lange und die am Boden sitzenden alten Frauen beginnen auf ihren Instrumenten zu spielen und die Tänzerinnen beginnen zu tanzen. Ihr Anmut lässt uns vergessen, dass wir auf einem Autoparkplatz stehen, wir genießen den Augenblick, die Stimmung ist einmalig.    

Danach gehen wir zu dem etwa 800 Jahre alten Fort hinauf. Obwohl es ein Ausflugsziel für Touristen ist, wirkt es recht verlassen. Wenigstens gibt es einen Mini-Shop und wir können etwas zum Trinken kaufen. Auf dem Weg zu unserem Auto bekommen wir einen traditionellen Webstuhl vorgeführt.  

Am 17. August wird in Indonesien der Independence Day gefeiert. Am 17. August 1945 erklärte sich Indonesien unabhängig von den Niederlanden. Es ist ein nationaler Feiertag, der mit großen Paraden begangen wird. Heute findet eine Parade statt, bei der hunderte Kinder, 3 - 6 Jahre alt, in den unterschiedlichsten Kostümen durch die Stadt ziehen. Die kleinen Mädchen sind geschminkt wie Erwachsene. Die Kinder sind erstaunlich brav und diszipliniert, die Mütter sehr aufgeregt, es ist ein wichtiger Tag für sie. Nicht allen Kindern gefällt das Spektakel. Es ist heiß und es gibt ein ziemliches Gedränge. Unsere Begleiterinnen versuchen, uns durch die Menschenmassen zu schleusen. Die Rettung ist ein Soldat, der uns erspäht hat und uns einen Weg durch die Menge bahnt. Er geleitet uns bis zu dem Gebäude, wo der Umzug der Kinder endet und eine Jury die Kostüme bewertet. Unter schattigen Bäumen werden zwei Sessel für uns aufgestellt, wir sitzen erste Reihe fußfrei, die Kinder ziehen ganz nahe an uns vorbei. Wir bekommen eine kleine Stärkung und Mineralwasser. Wir sind VIP's. Ab jetzt bis zum 17. August gibt es jeden Tag Paraden. 

14. August:

Vorläufig zum letzten Mal werden wir vor Sonnenaufgang vom Tonband-Muezzin geweckt. Auch in Wanci ist die Moschee sehr nahe gelegen und der Ruf zum Gebet unüberhörbar.  

Nach dem Frühstück legen wir vom Marina-Steg ab. Noch in der Marina Bay setzen wir das Groß und den Gennaker. Wir segeln Richtung Süd-West nach Takabonerate, haben Wind aus Ost-Süd-Ost und Ost zwischen 8 - 15 Knoten mit moderater Welle. Zeitweise haben wir Strom in unserer Richtung, maximal bis zu zwei Knoten, wodurch wir dann schneller als die halbe Windgeschwindigkeit segeln. 

Es ist ein entspannter Segeltag und auch die Nacht wäre angenehm, wenn nicht ständig die Sorge da wäre, dass wir in ein FAD hineindonnern könnten. Dass der Mond, eine ganz schmale Sichel, erst nach 4 Uhr früh aufgeht, ist auch nicht hilfreich, die Nacht ist pechschwarz. Wir sehen ein paar Cargo-Schiffe und ein Fischerboot auf dem Schirm, müssen nicht ausweichen.  

Am 15. August in der Früh, schon bei guter Sicht, sehen wir einige FAD's und zwei große würfelige Gebilde, vermutlich losgelöste Treibanker, an uns vorbeitreiben, wir befinden uns bereits im Takabonerate Marine Park. Die vielen Riffe in dem Marine Park machen das Segeln anspruchsvoll. Erwin hat Satellitenbilder heruntergeladen und den Kurs entsprechend angepasst.  

Überrascht sind wir, als wir die Insel, die wir ansteuern, nicht in den elektronischen Karten von Garmin und Navionics sehen! Tinabo Island ist nicht nur nicht klein, sondern es befindet sich sogar ein Resort darauf. 

 

Tinabo Island

 

15. - 19. August 2023:

Nach 25 Stunden und 167 Seemeilen lassen wir vor Tinabo Island in 27 Meter Tiefe den Anker fallen. Wir sind das einzige Boot weit und breit und genießen nach dem Trubel in Wanci die Ruhe. Auf der Insel merken wir keinerlei Aktivitäten, fahren mit dem Dinghy zum Jetty. Es gibt ein Resort, das ist geschlossen. Das haben wir ohnehin vermutet, als wir den desolaten Steg vom Jetty gesehen haben. Zwei Ranger vom Takabonerate Marine Park sind auf der Insel, sie heben die Parkgebühren ein. Man muss für das Boot, die Personen am Boot, für Tauchen und Schnorcheln bezahlen. Das war auch in Wanci, das im Wakatobi Marine Park liegt, der Fall. Die Ranger heißen Reinhard-Christian und Johannes, das überrascht. Als wir als unser Heimatland 'Austria' angeben, sagt Johannes 'David Alaba', weiß wo Alaba jetzt spielt und welchen Titel er gerade gewonnen hat, wir sind verblüfft. Johannes ist ein Fan von FC Barcelona und hat auch ein entsprechendes T-Shirt an, das erklärt alles.

Die Insel ist von einem feinen Sandstrand umgeben. Im seichten Wasser tummeln sich viele Schwarzspitzen-Babyhaie. Man kann sie füttern, dafür ist ebenfalls eine Gebühr zu entrichten. Das restliche Trockenfutter von Felix, das wir noch am Boot haben, verschmähen die kleinen Haie, sie wollen rohen, blutigen Fisch. Andere Fische werden vom Trockenfutter angelockt und fressen es mit Begeisterung.

Wir sind hier irgendwie im Nirgendwo, trotzdem gibt es ein passables Internet. Das Internet ist in Indonesien im allgemeinen ziemlich gut, jedenfalls viel besser als es in Französisch Polynesien, Neukaledonien und auch in Neuseeland war.

 

Am 19. August in der Früh legen wir Richtung Nordwesten nach Flores ab. Für die Fahrt durch die Riffe des Marine Parks verwenden wir zusätzlich zur Eyeball Navigation die Satellitenbilder. Die Wettervorhersagen sind günstig. In der Nacht soll der Wind bis über 20 Koten zulegen und in den Morgenstunden es 20. Augusts deutlich nachlassen.  

 

Wir segeln mit Groß und Gennaker, haben wenig Welle und haben die meiste Zeit um die 8 Knoten Geschwindigkeit. Vor Sonnenuntergang bergen wir den Gennaker und segeln mit Groß und Vorsegel durch die Nacht. Wie vorhergesagt, nimmt der Wind in der Nacht auf bis zu 23 Knoten zu, die See wird zunehmend rauer und wir sind froh, den Gennaker eingerollt zu haben. Die Nacht ist wieder einmal pechschwarz, der Mond praktisch nicht sichtbar. Ein Fischerboot ohne AIS will uns mit Scheinwerfersignalen etwas mitteilen, wir kennen uns nicht aus, über Funk ist es nicht erreichbar, wir weichen sicherheitshalber 30° nach Steuerbord aus.

 

Am 20. August gegen 4 Uhr früh nimmt der Wind ab. Dieses Mal stimmen die Vorhersagen ganz genau. Die letzten 15 Seemeilen vor unserem Ziel haben wir etwas Gegenwind, wir bergen die Segel und fahren mit Motor weiter. Beim Starten des Steuerbordmotors bemerkt Erwin, dass der Propeller blockiert ist, wir haben somit nur den Backbordmotor. Sobald wir geankert sind, muss Erwin mit Maske und Schnorchel ins Wasser und schauen, was los ist. Es schwimmt leider so viel im Wasser, sodass es kein Wunder ist, dass etwas in die Schrauben kommt. 

 

 

Labuan Bajo

 

20. - 25. August 2023:

Am späten Vormittag segeln wir in die große Bucht von Labuan Bajo, die auf der Westseite von Flores Island und gegenüber von Komodo Island liegt, hinein. In der Bucht herrscht Hochbetrieb, es fahren viele große, alte und auf alt hergerichtete kommerzielle Boote herum. Wir sehen kein einziges privates Segelboot. Das überrascht.

 

Wir lassen nach 26 Stunden und 150 Seemeilen den Anker vor einem Resort fallen. Laut den von der Sail2Indonesia Rally angegebenen Koordinaten sollte sich hier die seglerfreundliche Ecolodge befinden. Wir fahren mit dem Dinghy zum Strand und es ist für uns offensichtlich, dass das nicht die Ecolodge sein kann. Es ist das Sudamala Resort, ein 5*Resort in einer wunderschönen, üppigen Gartenanlage. Das Ambiente lädt zum Verweilen ein, wir bleiben zum Lunch. Unsere Serviererin spricht uns auf Deutsch an, sie hat einige Zeit in Graz gelebt. Von ihr erfahren wir auch, dass die Eco-Lodge gleich daneben liegt.  Die Eco-Lodge gibt es nicht mehr, stattdessen das Puri-Sari Beach Hotel. Es bietet Taxiservice, Restaurant etc. für Segler an und wir können unser Dinghy am Strand lassen, wenn wir unterwegs sind. Auch hier werden wir vor dem Morgengrauen vom Tonband-Muezzin geweckt. 

Wir buchen eine 12-stündige Tagestour zu den typischen Ausflugspunkten im Komodo Nationalpark. Es gibt viele Anbieter, sie alle machen die gleiche Tour mit den gleichen Schnellbooten. Um 5:45 Uhr, noch vor Sonnenaufgang, werden wir vom Puri-Sari Beach Hotel abgeholt und zum Hafen gebracht. Mit auf unserem Schnellboot sind noch 25 Gäste, fast nur Italiener. 

 

Komodo Islands 

 

Padar Island

 

Die Insel ist relativ klein und wegen ihrer spektakulären Landschaft ein Touristen-Hotspot. Die Bucht ist voll mit kommerziellen Ausflugsbooten. Wir sehen keine privaten Boote, weshalb wir vermuten, dass hier Ankern verboten ist. Über mehr als 800 Steinstufen gelangt man zu einem Aussichtspunkt, der einen traumhaften 360°Rundumblick bietet. 

Der Pink Beach, den wir als nächstes ansteuern, ist tatsächlich rosa. Die Farbe kommt von den roten  Korallen. Das Wasser ist kristallklar und das Schwimmen ein Genuss. Die Bergformationen sind beeindruckend. Die auf der Insel lebenden Damhirsche kommen zu den überdachten Verkaufsständen zur Tränke und werden hier nicht selten von den Waranen attackiert. 

Komodo Island

Auch das Komodo Island ist sehr gut besucht. Tatsächlich können wir einige Komodo Warane im dichten Wald erspähen. Wir erfahren, dass die Weibchen 30 - 50 Eier legen. Das Nest ist ein beachtlicher Hügel, ungefähr 1,5 Meter hoch und hat an der Basis 3 - 4 Meter Durchmesser. Sobald die kleinen Warane schlüpfen, laufen sie Gefahr, von den Eltern gefressen zu werden. Sie retten sich auf die Bäume, wo sie bis zu zwei Jahre einen Großteil ihres Lebens verbringen. 

Zuletzt fahren wir zum Manta-Point und hoffen, dass wir Mantas bei der Putzstation sehen werden. Wir stehen mit Maske, Schnorchel und Flossen bereit und tatsächlich wird ein Manta gesichtet und fast gleichzeitig springen wir alle ins Wasser. Wir sehen zwar nur einen Manta, dieser schwebt ganz ruhig knapp unter uns langsam vorbei.

 

24. August:

In der Früh vermissen wir Erwin's Geldbörse, die am Salontisch liegen müsste. Erwin hatte sie zuletzt gestern um 21:27 Uhr in der Hand, da hatte er die letzten 4 Ziffern der Visa-Karte auf einer Abbuchung überprüft. Wir suchen und suchen an allen möglichen und unmöglichen Stellen, die Geldbörse ist weg. Bleibt als einzige Erklärung, ein Einschleichdieb ist über die offene Dachluke in der Pantry eingestiegen und hat die am Tisch liegende Geldbörse gestohlen. Sonst nichts, iPhone, iPad und Laptop bleiben liegen, auch andere Kleinigkeiten wie ein Schweizer Taschenmesser, etc. In der Geldbörse waren alle unsere Kreditkarten und Bankomatkarten, Ecard, etc., sowie ein größerer Geldbetrag.

 

Es ist sehr verstörend, dass jemand im Bootsinneren war, während wir geschlafen haben. Wir verbringen Stunden auf der Polizeistation und damit, unsere Karten zu sperren und neue zu bestellen. Auch nicht ganz einfach, die Notfallnummern der Banken in Wien anzurufen. Unser Gesprächsguthaben ist bald verbraucht, da wir sonst über WhatsApp telefonieren. Die neuen Karten werden an unsere Wiener Adresse geschickt. Gerhard wird sie uns zur Marina del Ray auf der Insel Lombok schicken, von wo wir dann ausklarieren wollen. Hoffentlich kommen die Karten rechtzeitig. Wir haben noch Bargeld und Scott borgt uns zusätzlich welches. Wir fühlen uns hier nicht mehr sicher, unsere Urlaubsstimmung ist dahin.

 

Am 25. August vormittags verlassen wir den Ankerplatz vor den beiden Resorts und segeln 11 Seemeilen weiter zum Sebayor Basar Island, das zwischen Flores und Komodo liegt. Auf der Insel gibt es ein italienisches Dive Resort. 

 

Sebayor Basar Island

 

25.  -  27. August 2023:

In der sehr malerischen Bucht liegen einige Ausflugsboote, aber kein einziges privates Boot. Kaum haben wir den Anker unten, kommt ein Einheimischer zu unserem Boot und will uns die üblichen Souvenirs verkaufen. Wir erklären ihm höflich, dass wir nichts kaufen können, da unser Geld in der Nacht davor gestohlen wurde und zeigen ihm zwei Holzmasken, die wir am vorherigen Ankerplatz gekauft haben. Wir sind nicht sicher, ob er uns überhaupt versteht. Er lässt sich nicht abwimmeln, bleibt mit seinem Boot in unserer Nähe, ankert letztlich unmittelbar bei unseren Heckstufen. Erwin sieht es nicht als kritisch, ich bin irritiert.  

Das Wasser ist kristallklar, wir schnorcheln von unserem Boot aus. Die Korallen sind gesund, wir sehen viele bunte Fische, auch schöne Fischschwärme. 

 

27. August:

Am Vormittag segeln wir zum 9,3 Seemeilen entfernten nächsten Ankerplatz. Die Sonne scheint, das Wasser ist flach, wir haben nur das Vorsegel ausgerollt. 

 

Karang Makaser Island

 

27. August - 1. September 2023:

Nach knapp zwei Stunden lassen wir in der Nähe der Insel Karang Makaser den Anker fallen. Wir liegen in einem einsamen Atoll, umgeben von Korallenriffen, ein Naturparadies. Mit Hilfe von Satellitenaufnahmen haben wir die Zufahrt ausmachen können. Wir befinden uns bereits im Komodo Nationalpark. 

 

Die Unterwasserwelt hier ist einmalig. Wir schnorcheln, indem wir mit der Strömung über die wunderschönen Hart- und Weichkorallen gleiten. Das klare, blau- bis türkisfarbene Wasser, die vielen bunten, großen und kleine Fische, die Fischschwärme, die Schildkröten und das Ambiente machen das Schnorcheln zu einem ganz besonderen Erlebnis. 

Im Komodo Marine Park gibt es mehrere Manta-Points, einer liegt in der Nähe unseres Ankerplatzes. Kurz vor Einsetzen der Ebbe kommen praktisch täglich die Mantas hier vorbei. Wir liegen mit Maske, Schnorchel und Flossen auf dem Wasser und schauen zu ihnen hinunter. Wenn man ruhig ist und sie nicht stört, kann man sie lange bei ihren Loopings beobachten. 

Inzwischen sind drei weitere Segelboote in das Atoll gekommen und wir treffen einander zum Sundowner bei Ed und Henriette am Boot. Ed hatte vor einigen Monaten einen schweren Unfall beim reflexartigen Versuch, ein nicht gesichertes Tau, das mit der Ankerkette verbunden war, doch noch festzuhalten. Als die Ankerkette abrauschte, hat er sich dabei die Schulter luxiert und den Plexus brachialis (das Armnervengeflecht in der Achselhöhle) beleidigt. Der rechte Arm war in der Folge gelähmt, inzwischen kann er den Arm wieder halbwegs bewegen. Die Kraft, insbesondere in der Hand, fehlt noch. Er hat eine wahre Odyssee von Spitals- und Arztbesuchen in Holland hinter sich. 

31. August:

Nachdem wir Scott über viele Jahre immer wieder zufällig auf den Weltmeeren getroffen haben und seit Dezember 2022 die gleiche Route gesegelt sind, trennen sich heute unsere Wege. Wir schnorcheln noch einmal gemeinsam am Manta-Point. Für uns geht es weiter nach Lombok und von dort Richtung Südafrika. Scott und Kat bleiben noch in Indonesien und segeln weiter nach Singapur und Thailand. Wir werden uns wahrscheinlich nicht mehr wiedersehen. 

1. September:

In der Früh kommen Marianne und Frank mit dem Dinghy bei uns vorbei und berichten begeistert, dass sie soeben viele Mantas knapp unter der Wasseroberfläche gesehen haben, die Quallen gefressen haben. Wir fahren sofort zu dem Spot, leider sind die Mantas nicht mehr da, das hätten wir auch sehr gerne gesehen. 

 

Gegen Mittag segeln wir zum 21 Seemeilen entfernten Rinca Island. Es gibt, insbesondere zwischen den Inseln, immer wieder sehr starke Strömungen mit bis zu 5 Knoten. Meist sind sie gegen, selten mit uns. Einmal müssen wir beide Motoren mit Vollgas dazuschalten, um weiterzukommen. Leider gibt es keine Informationen zu den Strömungen, das wäre bei den vielen Inseln zu komplex. Man muss sich überraschen lassen. Landschaftlich ist die Fahrt sehr abwechslungsreich. 

 

Rinca Island

 

1. - 2. September 2023:

Rinca Island ist unbewohnt mit hohen, für Komodo untypisch bewaldeten Bergen und einsamen Buchten. An den Stränden kann man Affen, Damhirsche, Wildschweine und vor allem Komodo Warane sichten. 

 

Am späten Nachmittag lassen wir in einer einsamen Bucht in 23 Meter Tiefe den Anker fallen. Nur ein größeres Tauchboot ist noch in der Bucht . Wir fahren sofort zum Strand und bekommen tatsächlich einige sehr scheue Äffchen, ein Wildschwein, einen Damhirsch und einen Waran zu sehen.

 

2. September:

Mit Sonnenaufgang sind wir wieder beim Strand. Wir sehen zwei  ausgewachsene Warane und Erwin wagt sich zum Fotografieren auf den Strand. Ich bleibe im Dinghy, ein Paddel zur Verteidigung griffbereit. 

Kaum hat einer der Warane Erwin gesehen, setzt er sich in Bewegung und lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass er hier an der Spitze der Nahrungskette steht, keine Feinde kennt und zum Angriff bereit ist. Warane sind schnell. Trotz ihres massigen Körpers mit bis zu 70 kg, können sie kurze Strecken mit 20 km/h zurücklegen. Ihre Bisse sind gefährlich, ihre Opfer sterben an Sepsis. Erwin zieht sich auf das Dinghy zurück. Gute Frage, können Warane schwimmen?

 

Am 2. September nachmittags segeln wir wieder zurück zu unserem Ankerplatz im Atoll vor Karang Makaser Island. Der Ankerplatz liegt am Weg Richtung Lombok. Wir wollen hier übernachten und in der Früh die etwa 230 Seemeilen in Angriff nehmen. Im Atoll liegen drei Ausflugsboote an Bojen, die anderen Segelboote sind inzwischen weg. 

3. September:

Wir legen zeitig in der Früh Richtung Lombok ab. Erwin hat drei potentielle Ankerplätze zum Übernachten auf dem Weg dorthin ausgesucht. Zu Beginn segeln wir entlang der traumhaften Küste von Komodo mit den für die Insel typischen kahlen Bergen. Die Bedingungen sind optimal mit moderatem Wind aus der richtigen Richtung und glattem Wasser.  

Der Wind ist eher schwach, wir können aber den Gennaker einsetzen und machen ausreichend Geschwindigkeit. Obwohl wir den Gennaker, mit Ausnahme der letzten Monate insgesamt sehr wenig verwendet hatten, beginnt sich die dünne UV-Folie am Unterrand abzulösen und kleine Plastikteilchen fliegen durch die Luft. Wir müssen den Gennaker irgendwie selbst reparieren, einen Segelmacher gibt es in dieser Gegend nicht, wir können auf das 70 Quadratmeter große Segel nicht verzichten.   

 

Nachdem wir Komodo hinter uns gelassen haben, segeln wir entlang der Nordküste von Sumbawa. Die See ist nun unruhig und rau. Der Wind legt zu, vereinzelt bis über 20 Knoten, es bilden sich Schaumkronen, die Wellen kommen unangenehm von der Seite. Immer wieder gibt es Strecken mit Gegenstrom. Wir merken es sofort, wenn die Bootsgeschwindigkeit trotz unveränderter Winddaten abnimmt.

 

 

In der Engstelle zwischen Sumbawa und einem beachtlichen Vulkankegel mit mehreren Schloten haben wir starken Gegenstrom und sehr unangenehme, völlig durcheinanderlaufende Wellen. Zum Glück dauert die Durchfahrt durch die Engstelle nicht allzu lange.  

 

Da wir gute Fahrt machen und nicht müde sind, verzichten wir auf einen Stopp zum Übernachten und segeln weiter. Die Nacht ist mondhell, was wir in letzter Zeit selten hatten und was sehr angenehm ist.  

 

Der 4. September gestaltet sich ebenfalls als ein recht angenehmer Segeltag und wir kommen gut voran. So beschließen wir wieder, die Nacht durchzusegeln. Anders als in der vorherigen Nacht ist reger Schiffsverkehr. Wir sehen Containerschiffe, Passagierschiffe und große Fischerboote. Hin und wieder sehen wir auch kleinere, gut beleuchtete Fischerboote ohne AIS.

 

Unsere Lichter am Mast, mit Ausnahme des Ankerlichts, sind ausgefallen. Das Dampferlicht hatte einmal funktioniert, dann wieder nicht. Wir hatten in Australien, in der The Boat Works Marina, einen Rigg-Check, da wurden auch das Navigations- und Dampferlicht überprüft.  Um von anderen Schiffen besser gesehen zu werden, schalten wir das Ankerlicht ein und stellen eine rotleuchtende Lampe im Salon backbordseitig auf. So machen wir zumindest die Backbordseite gut sichtbar.   

 

In der Nacht segeln wir entlang der Nordküste von Lombok. Wir wollen an der Nordwestküste von Lombok in der Medana Bay anlegen. Um nicht in der Dunkelheit in die Bucht fahren zu müssen, segeln wir die letzten Stunden bis zum Sonnenaufgang nur mit Vorsegel langsam und gemütlich dahin. 

 

Lombok 

 

Medana Bay Marina

 

5. - 7. September 2023:

 

Nach 49 Stunden und 228 Seemeilen fahren wir in die Bucht hinein und legen an einer Boje der Medana Bay Marina an. Von weitem sehen wir am Hardstand die 'El Gaucho' stehen, mit der Selvina und Jacques die Horrorkollision mit dem Baumstamm hatten. Der Baumstamm hatte sich steuerbordseitig zwischen Saildrive und Ruder verklemmt und beide irreparabel beschädigt. Wahrscheinlich auch das Getriebe. Der Motor steuerbordseitig muss herausgehoben und die Öffnung für den Saildrive verschlossen werden. Beide Ruder werden durch neue, die der Sohn aus Frankreich hergebracht hat, ersetzt.

 

Das Boot wird soweit repariert, dass Jacques und Selvina mit dem einen Motor nach Mauritius segeln können. Die Qualität der Arbeiten, die hier gemacht werden ist gut, aber es kann nicht alles gemacht werden. In Mauritius sollen dann die restlichen Reparaturen durchgeführt werden. 

7. September:

Wir segeln die 38 Seemeilen zur Marina Del Ray, die an der Westküste von Lombok bereits ziemlich im Süden auf der Insel Gili Gede liegt. Wir haben nur das Vorsegel ausgerollt.

 

Die Fahrt durch die Lombok Strait, die zwischen Bali und Lombok liegt, ist geprägt von starken Strömungen, erst gegen uns und dann mit uns. Die Lombok Strait markiert die biogeografische Teilung zwischen der asiatischen und der australischen Kontinentalplatte. Fauna und Flora auf der Westseite der Strait (Bali) sind asiatischen Ursprungs, jene auf der Ostseite (Lombok) sind mehr mit den australischen Spezies verwandt.

 

Der Wind bläst mit bis zu 32 Knoten, ab der zweiten Hälfte der Strecke von vorne. Wir müssen die ganze Strecke motoren, nur manchmal können wir das Vorsegel zur Unterstützung einsetzen.

 

Plötzlich merken wir, dass kein Tropfen Wasser aus dem Wasserhahn kommt. Die Wassertanks sind leer. Wir sind überrascht, können uns den Wasserverbrauch nicht wirklich erklären. Erwin startet den Wassermacher. Er läuft einige Zeit, aber der Wasserstand in den Tanks steigt nicht. Wir suchen fieberhaft nach einer Leakage. Letztlich entdeckt Erwin eine Wasserspur am Heck. Ein Schlauch bei der Heckdusche ist geplatzt. Ziemlich viel Wasser hat sich den Weg in den steuerbordseitigen Motorraum gebahnt. Da die Heckstufen während der unruhigen Fahrt regelmäßig von den Wellen überspült wurden, war das nasse Heck nicht verdächtig. Wegen des Geräuschpegels von Motor, viel Wind und Welle haben wir nicht gehört, dass die Wasserpumpe dauernd läuft. Der Schaden ist irreparabel und Erwin dreht den Zulauf zur Heckdusche zu. Wir müssen auf die praktische Heckdusche bis Mauritius verzichten.  Zumindest ist das Wasser im Motorraum kein Salzwasser. 

 

Marina Del Ray 

 

7. -   September 2023:  

Nach 6 Stunden legen wir in der Marina an. Die Marina macht einen sehr guten Eindruck auf uns. Modern und gepflegt, australischer Standard. Uns zieht es zum Restaurant, wir haben schon länger nicht auswärts gegessen. Das Restaurant liegt etwas erhöht inmitten von Blumen und Palmen. Wir werden nicht enttäuscht, Essen und Service lassen keine Wünsche offen. 

8. September:

Über die Teilnehmer-App der Sail2Indonesia Rally erfahren wir, dass unser Segelfreund Scott und Darren, ein weiterer Rally-Teilnehmer, an Dengue-Fieber erkrankt sind. Darren musste ins Krankenhaus, Scott geht es etwas besser, er kann von Kat am Boot betreut werden. Wir sind geschockt. In der jetzt trockenen Jahreszeit haben wir praktisch keine Moskitos bemerkt.

 

In der Marina warten wir auf unsere Kreditkarten. Wir hoffen, dass sie in den nächsten Tagen kommen. Unsere Visa laufen am 19. September aus, eine Verlängerung ist aus Zeitgründen nicht mehr möglich, ist kompliziert und würde mindestens zwei Wochen dauern. Entgegen unseren Erwartungen müssen wir zum Ausklarieren nach Bali segeln. Das Ausklarieren, obwohl als Leistung der Marina im Internet angeführt, ist hier nun doch nicht möglich, das ist ärgerlich. Von der Marina wird uns aber eine Agentin für das Ausklarieren in Denpasar vermittelt und Bali liegt am Weg nach Cocos Keeling.  

 

15. September:

Heute, Freitag, sind die Kreditkarten gekommen! Das war knapp. Ein Mitarbeiter des Marina-Office hat erfahren, dass ein Brief für die Marina im Postamt der Insel angekommen ist. Er ist selbst zum Hauptort, der etwa 30 km entfernt ist, gefahren und hat das Kuvert abgeholt. Wie er plötzlich mit dem Kuvert in der Hand vor unserem Boot gestanden ist, konnten wir es vorerst gar nicht glauben. Wir hatten uns schon damit abgefunden, dass wir ohne Kreditkarten wegsegeln und sie von der Marina nach Mauritius nachschicken lassen müssen. Der Brief wäre am Wochenende nicht zur Marina gebracht worden und am Sonntag in der Früh segeln wir nach Bali. 

 

Üblicherweise bedeutet in Indonesien Diesel tanken, dass man mit Kanistern zu einer Tankstelle fahren und die 20 Liter-Kanister mit dem Dinghy zum Boot transportieren muss. Hier in der Marina wird der Diesel zum Boot geliefert und in die Tanks gepumpt. Wir haben vorsorglich 300 Liter getankt, damit sind die beiden Tanks wieder voll und 120 Liter haben wir in Kanistern als Reserve. Wir haben eine weite Überfahrt vor uns.

17. September:

In der Früh legen wir Richtung Bali ab, um dort die Ausklarierungsformalitäten zu erledigen. Dazu müssen wir in den Hafen der Hauptstadt Denpasar fahren. Mit der Agentin, die die Bürokratie mit den Behörden abwickeln wird, haben wir bereits Kontakt aufgenommen, eine Boje ist reserviert. 

 

Wir fahren aus der Marina hinaus und sehen viele einheimische Boote, die alle in die gleiche Richtung segeln. Es ist Sonntag, vermutlich sind sie zu einer Regatta oder ähnlichem unterwegs.    

Die rund 48 Seemeilen lange Fahrt gestaltet sich sehr abwechslungsreich. Wir haben immer wieder starke Strömungen, manchmal in unsere Fahrtrichtung, manchmal dagegen, die Windstärke wechselt oft und überraschend. Die meiste Zeit segeln wir mit dem Code Zero, zeitweise mit Motorunterstützung. 

Vor dem Hafen von Denpasar stehen zwei mächtige Markierungen in grün und rot, die normalerweise die Zufahrt markieren und zwischen denen man  hineinfährt. Dass das hier nicht möglich ist, ist eindeutig.

 

Die Hafeneinfahrt befindet sich seitlich davon mit nahezu unscheinbaren Markierungen. Das Foto wurde im Hafen Richtung Ausfahrt gemacht, deshalb sind grün und rot seitenverkehrt.    

 

Bali

 

17. - 19. September 2023:

 

Um 15:30 Uhr legen wir an einer Boje vor dem Serangan Island im Hafen von Denpasar an. Wir hatten schon im voraus eine Boje reserviert. Der Hafen ist riesig mit geschäftigem Treiben und sehr vielen Booten an Bojen liegend.

 

 

18. September:

In der Früh kommt ein Mitarbeiter unserer Agentin mit zwei Beamten vom Zoll auf das Boot. Die Abwicklung geht zügig vor sich. Von Giddy, ebenfalls ein Mitarbeiter der Agentin, lassen wir uns zu einem Supermarkt fahren. Dort finden wir fast alles, was wir besonders schätzen, insbesondere französischen Käse und Butter, Boulangerie-Waren und ausgezeichnetes Gemüse und Obst. Am Abend werden uns die fertigen Ausklarierungsunterlagen auf das Boot gebracht. Spätestens am 19. September um 17:20 Uhr müssen wir Indonesien verlassen, da laufen unsere Visa ab.  

 

19. September:

Am Vormittag besuchen wir den Tempel Pura Sakenan, der in der Nähe des Hafens an einem Kanal liegt. Wir sind die einzigen Besucher, außer einigen Hunden, die im Schatten dahindösen. Die Anlage strahlt Ruhe aus und ist recht stimmungsvoll, die Räucherstäbchen verbreiten einen angenehmen Duft. 

Anschließend besuchen wir das Turtle Sanctuary. Wir übernehmen die Patenschaft von einer ganz kleinen Schildkröte, die hier geschlüpft ist und die wir in die Freiheit entlassen. Wir geben ihr den Namen 'Croco' und hoffen, dass sie eine ganz große Schildkröte wird. 

Unseren kurzen Baliaufenthalt beenden wir mit einem Lobsteressen am Hafen, wären gerne etwas länger geblieben. Bali gefällt uns, wir waren schon 4 Mal hier auf Urlaub. Noch an der Boje liegend setzen wir das Groß und segeln aus dem Hafen von Denpasar hinaus.

 

In den zwei Monaten, die wir in Indonesien verbracht haben, sind wir 1353 Seemeilen gesegelt. Jetzt liegen etwa 1200 Seemeilen im Südindischen Ozean nach Cocos Keeling vor uns.