Nara Inlet - Hook Island

 

15. - 16. Juni 2023:

Hook Island hat zwei tiefe, fjordähnliche Einschnitte, in die man hineinsegeln kann. Wir fahren in das Nara Inlet hinein. Hier befindet sich der am besten geschützte Ankerplatz von den gesamten Whitsundays. Das Wasser im Inlet ist komplett ruhig und glatt, hohe, dichtbewaldete Hügel, durchsetzt mit Felsen, erheben sich auf beiden Seiten, sehr idyllisch.  

Nach Einbruch der Dunkelheit beginnt es im Wasser unter unserem Boot zu leben. Irgendwelche Meerestiere stoßen gegen die Rümpfe, das Wasser platscht laut, es scheint eine Jagd im Gange zu sein. Wir leuchten mit der Taschenlampe in das Wasser hinein, sehen aber nur unverdächtige, kleinere Fische.    

 

Hier wurden in einer Höhle, die etwas erhöht im Buschwald liegt, bunte Malereien der Ngaro People, einem Stamm der Aborigines, der beginnend vor etwa 9.000 Jahren auf den Whitsunday Inseln lebte, entdeckt. Es handelt sich um die ältesten Funde an der australischen Ostküste. Der Ngaro-Stamm starb dann in Zeiten der britischen Kolonisation aus. 

Die eine Woche, die wir in den Whitsundays verbracht haben, haben wir sehr genossen, es ist ein perfektes Segelrevier. Die Inseln liegen alle relativ knapp beieinander, man findet immer einen geeigneten Ankerplatz, einer ist schöner als der andere. Die Inseln sind durchwegs unbewohnt, ohne Versorgungsmöglichkeiten und ohne Internet. Da sie Nationalparkstatus haben, sind sie mit Wanderwegen gut erschlossen, es ist Natur pur. 

 

Am 16. Juni legen wir nach dem Frühstück mit dem Ziel Magnetic Island ab. Mit rund 135 Seemeilen Entfernung und den eher schwachen Winden in den Vorhersagen werden wir etwa 30 Stunden brauchen und sollten nach einer Nachtfahrt am nächsten Tag bei Tageslicht ankommen. Das Groß setzen wir noch am Anker. Zu Beginn ist der Wind wirklich schwach, legt aber nach zwei Stunden auf rund 8 Knoten zu, wir können den Motor abstellen, setzen zusätzlich den Code 0 und segeln ruhig dahin.

 

Unsere Route entlang der Ostküste nach Norden verlangt ständige Aufmerksamkeit. Hier reicht der Festlandsockel weit ins Meer hinaus und die Wassertiefe ist in weiten Bereichen entlang der Küste gering. Es gibt daher Wasserstraßen für die Großschifffahrt und Ankerfelder für Großschiffe, denen wir tunlichst ausweichen. Beim Queren einer Wasserstraße ist zu bedenken, dass die Cargo-Schiffe mit 12 bis 18 Knoten fahren und Vorfahrtrecht haben. In den Wasserstraßen ist eine bestimmte Tiefe garantiert und wenn die großen Schiffe ausweichen müssten, könnten sie in Bereiche mit unzureichender Tiefe kommen mit möglicherweise fatalen Folgen. 

 

Der Wind variiert zwischen Süd-Süd-Ost, Ost-Süd-Ost und auch Ost. Am späteren Nachmittag steigt der Wind auf bis zu 15 Knoten an und kommt von achtern. Wir bergen den Code 0, der für achterliche Winde nicht gut geeignet ist und setzen das Vorsegel. Um einen günstigeren Windwinkel zu haben, müssen wir unseren Kurs abweichend von der direkten, kürzesten Route um bis zu 30 Grad nach Steuerbord bzw. nach Backbord verschwenken. Kommt der Wind zu sehr von achtern, dann wird das Vorsegel vom Groß abgeschirmt, fällt ein und schlägt herum. Ausbaumen geht bei uns nicht und auch mit der sogenannten Schmetterling-Segelstellung waren wir bisher nicht wirklich glücklich. Auch das Groß hat dann die Tendenz, umzuschlagen. Trotz Bullenstander eine Beanspruchung für die Segel und für unsere Nerven. So segeln wir zwar mit 154 Seemeilen eine längere Route als die kürzeste Strecke, haben aber dabei immer eine gute Geschwindigkeit, im Durchschnitt 5,4 Knoten, maximal 7,8 Knoten, und die Segel stehen gut. Um von Steuerbord- auf Backbordbug und umgekehrt zu wechseln, müssen wir halsen, ein Manöver, das wir mittlerweile gut im Griff haben. Eine sogenannte Q-Wende, um eine Halse zu vermeiden, ist unserer Erfahrung nach auf See mit hohen Wellen ungemütlicher, dauert länger und bringt eher Nachteile.

 

Wir segeln durch die pechschwarze Nacht mit Neumond und Wolken. Einige Cargo-Schiffe sind unterwegs, an einigen segeln wir an den Ankerfeldern vorbei. Wir sind beide im Salon und verfolgen am iPad die Daten, es ist eine lange Nacht. Endlich geht die Sonne auf und Magnetic Island liegt noch rund 40 Seemeilen vor uns.

 

Magnetic Island

 

17. - 21. Juni 2023:

Nach 154 Seemeilen gegen 3 Uhr am Nachmittag segeln wir in die Horseshoe Bay an der Nordseite vom Magnetic Island hinein. Wir zählen 40 Segelboote in der Bucht, die vor Anker oder an einer Boje liegen. Dreimal so viele hätten bequem Platz. Die Insel liegt sehr nahe bei Townsville am Festland und der Internetempfang ist gut, darauf mussten wir auf den Whitsundays verzichten. Wir schauen uns am Abend die deutschen und österreichischen Abendnachrichten vom Vortag an - wir sind ja einen Tag voraus - und verbringen eine angenehme und ungestörte Nacht.

18.Juni:

Wir fahren mit dem Dinghy zum Strand und sind positiv überrascht, dass wir so etwas wie einen kleinen, sehr lebendigen Badeort mit einigen Straßencafés und Restaurants vorfinden.

 

Die Ferienstimmung ist ansteckend und wir verbringen einen geruhsamen Tag am Strand.

Anschließend besuchen wir den Selina Wildlife Park, wo wir bei der Vogelfütterung dabei sind. Wildlebende, große Sittiche kommen täglich um 4 Uhr nachmittags angeflogen, landen auf einem riesigen Baum neben der Rezeption und 10 Minuten später stürzen sie sich auf die Besucher, die von einer Betreuerin inzwischen das Vogelfutter, geraspelte Früchte, bekommen haben. Die Vögel sind hungrig und haben keine Berührungsängste. Die Fütterung dauert etwa 20 Minuten und ist ein Riesenspaß. Die Sittiche haben offensichtlich eine innere Uhr, denn sie kommen täglich exakt zur gleichen Zeit angeflogen. 

Nach der Vogelfütterung bleiben wir noch. Im Park mit seiner üppigen tropischen Vegetation gibt es einen Bereich mit bequemen Sitzgelegenheiten und Hängematten, wo man Getränke und Kleinigkeiten zum Essen konsumieren kann. Heute gibt es Life Music von einem jungen Musiker. Das Ambiente ist angenehm und leger. 

 

In einem eingezäunten Areal leben die Koalas, Wombats, Schlangen und Krokodile, in im Park verstreuten kleinen, einfachen Hütten wohnen Backpacker. Der Park ist voll mit jungen Leuten. Wahrscheinlich sind das Hostel und das Lokal die Haupteinnahmequellen des Wildparks.  

 

19. Juni:

Wir machen eine Führung im Selina Wildlife Park mit. Wir sehen zwar nicht sehr viele Tiere, aber die sympathische Präsentation von einem jungen Ranger macht dieses Manko mehr als wett.

 

Der Star der Führung ist Harry, ein Riesenwombat. Er bringt 21 kg auf die Waage. Als nachtaktives Tier ist Harry bei den Führungen schläfrig und lässt sich herumtragen und streicheln. Die Wombats haben eine interessante Verteidigungsstrategie gegen Fressfeinde wie die Dingos. Ihr Hinterteil ist durch eine Knochenplatte geschützt. Wenn sie in ihre Höhle flüchten, blockieren sie den Eingang mit ihrem Hinterteil. Dann nehmen sie eine Kauerstellung ein, sodass über ihren Rücken eine schmale Öffnung bleibt. Sobald ein Dingo versucht, durch diese zu der eher verwundbaren Vorderseite des Wombats zu gelangen, schnellt der Wombat seinen Körper in die Höhe und zerdrückt den Schädel des Dingos an der Höhlendecke. 

 

Die kuscheligen Koalas sind Einzelgänger wie die Wombats und tolerieren, mit Ausnahme der Paarungszeit, keinen  Eindringling und verteidigen ihr Revier. Entweder zieht sich der Eindringling zurück, oder es kommt zum Kampf, der bis zum bitteren Ende ausgetragen wird. Die Koalas haben ein sehr schwaches Immunsystem und sind durch Keime, insbesondere durch Chlamydien, sehr gefährdet. An einer Chlamydieninfektion können sie auch versterben.

Am Nachmittag beginnen wir eine Buschwaldwanderung. Sie wird wesentlich länger als wir geplant hatten, nämlich laut iPhone 9,6 km und 30 Stockwerke. Es geht vorwiegend über Steinstufen bergauf und bergab. Es ist ein ausgesprochen attraktiver Track, häufig zwischen Granitblöcken, die Insel ist voll davon. Vor etwa 275 Millionen Jahren wurde geschmolzener Granit aus der Tiefe an die Erdoberfläche geschleudert und im Laufe der Zeit entstand dann die für die Insel typische Landschaft mit den zum Teil abgerundeten Granitblöcken. Wir kommen an einsamen Buchten vorbei und wir bedauern, dass wir keine Badesachen mitgenommen haben. Die letzten Kilometer fahren wir mit dem Bus zur Horseshoe Bay zurück. Den Sonnenuntergang genießen wir von einem Strandlokal aus. 

20. Juni:

Bei traumhaftem Wetter nehmen wir uns den 'Fort Track' vor. Am Beginn des Tracks sehen wir auf dem Wegweiser einen Koala abgebildet. Bis jetzt haben wir Koalas nur in Wildtierparks gesehen. Die Koalas, völlig harmlose und sehr niedliche Tiere, die sich von für andere Tiere giftigen Eukalyptusblättern ernähren und keine Fluchtreflexe haben, wurden in der Vergangenheit fast bis zur Ausrottung wegen ihres Pelzes gejagt. Man schätzt, dass bis 1930 rund 8 Millionen Koalas in Australien getötet wurden.  

Wir sind gespannt, ob wir wildlebende Koalas sehen werden, angeblich sollen auf der Insel um die 1.000 Koalas leben. Nach einiger Zeit entdecken wir tatsächlich einen Koala in einem Eukalyptusbaum. Es ist ein Muttertier mit ihrem Baby! Dass wir so ein Glück haben würden, das hätten wir nicht gedacht. Die Koalamutter beobachtet uns, wir verhalten uns ganz ruhig.  

Der Weg schlängelt sich entlang des Bergkammes zu den Ruinen aus dem Zweiten Weltkrieg hinauf, von denen man einen wunderbaren 360°-Rundumblick hat. Die Artilleriestellung wurde gebaut, um eine befürchtete japanische Invasion abzuwehren, die dann allerdings nie stattgefunden hat. 1942 hatte die japanische Armee von der Marine entworfene Invasionspläne, die aber als völlig unpraktikabel verworfen wurden.

Auf dem Rückweg entdecken wir wieder einen Koala im Geäst eines Eukalyptusbaumes. Von etwa 1.000 auf der Insel lebenden Koalas haben wir an einem Tag drei gesehen, immerhin.

Am 21. Juni in der Früh verlassen wir Magnetic Island und segeln die Ostküste entlang weiter Richtung Norden. Der Wind ist schwach, nie über 16 Knoten und eher um die 10 bis 12 Knoten und öfter so schwach, dass wir einen Motor zur Unterstützung laufen lassen müssen. Es ist bedeckt und immer wieder regnet es, zum Teil recht heftig. Der Wind dreht in alle Richtungen, von Süd bis Ost-Nord-Ost und sogar West-Süd-West bis wieder nach Süd. Dementsprechend sind wir mit dem Anpassen der Segel und dem Halsen ziemlich beschäftigt.

 

Cairns 

 

22. - 28. Juni 2023:

Am 22. Juni in der Früh reserviert Erwin in der Marlin Marina einen Platz und nach 31 Stunden und 157 Seemeilen legen wir am frühen Nachmittag in der Marina an, die im Zentrum von Cairns an der Esplanade, der Ausgehmeile, liegt. Cairns ist eine pulsierende Stadt mit über 100.000 Einwohnern, die vom Tourismus lebt, das Klima ist tropisch. Die Fußgängerbereiche sind großzügig, mit sehr viel Grün und schattenspendenden Bäumen angelegt, es ist eine schöne, moderne Stadt. 

 

 Daintree Rainforest

 

24. Juni:

Wir machen einen Tagesausflug zum berühmten Daintree Regenwald, der als UNESCO Weltnaturerbe gelistet ist und dann weiter zum Daintree River, in dem man gute Chancen hat, Krokodile in ihrer natürlichen Umgebung zu sehen. 

 

Wir waren schon in einigen Regenwäldern, dieser ist besonders interessant. Vielleicht auch deshalb, weil unser Guide sehr viel über die Flora zu erzählen weiß. Die Farnbäume, die wir von Neuseeland kennen, sind hier wesentlich höher und mächtiger, werden 'King Fern Trees' genannt. Wir erfahren, dass manche Farne extrem langsam wachsen, wie unterschiedlich sie aussehen können und sehen Bäume, die um Sonnenlicht kämpfend einen bis zu 30 Meter hohen, dünnen Stamm haben und erst ganz oben ein paar Blätter. 

Daintree River

 

Während unserer Bootsfahrt sehen wir zwei kleine (etwa 0,5 und 1 Meter), ein etwa 4,5 Meter langes Männchen und ein etwa 3,5 Meter langes weibliches Krokodil. Ein ausgewachsenes Männchen kann bis zu 6 Meter lang werden und 1,2 Tonnen auf die Waage bringen. 

Kuranda

 

Am 26. Juni machen wir einen Tagesausflug nach Kuranda, einen im Umland von Cairns liegenden Ort, der Mitten im weltweit ältesten Regenwald in 334 m Höhe liegt. Die Hauptattraktion ist die Fahrt hinauf mit der historischen Bahn von Cairns aus. Die 33 km lange Fahrt durch den Regenwald über 55 Brücken und 98 Kurven ist abwechslungsreich und gefällt uns sehr gut.   

In Kuranda ist sehr viel los. Hunderte Touristen sind unterwegs. Auf den unzähligen Marktständen findet man zum Teil sehr schöne, vom hier lebenden Djabugay Stamm hergestellte Sachen, aber auch die üblichen Souvenirs. Die Lokale und die Animal Sanctuaries sind ebenfalls stark frequentiert. Trotz der vielen Leute vermittelt der Ort eine angenehme Stimmung. Wir besuchen die Butterfly Sanctuary und die Bird World.

Beim Eingang vom Bird World wird empfohlen, Schmuck wie Ohrringe, Ketten, etc. abzunehmen, die Vögel, vor allem die Papageien, werden davon angezogen und können einen unabsichtlich verletzen, zumindest aber erschrecken.  

 

Wir sehen einen prachtvollen Cassowary, Australiens größten Vogel. Er wird, mit gestrecktem Hals, bis zu 1,8 Meter groß und kann 60 - 70 kg wiegen. Seine Krallen können bei einem Angriff gefährlich werden. Normalerweise ist man aber froh, einen Cassowary überhaupt zu sichten, er verschwindet eher im Regenwald und attackiert nicht. 

 

Die rosa Kakadus, die wir in der Gladstone Marina schon bewundert haben sind von der Nähe besonders schön, insbesondere, wenn sie ihren Kamm aufstellen.  

Versteckt hinter den Souvenir Läden, fast schon im Regenwald, entdecken wir ein Lokal, die Einrichtung erinnert irgendwie an die Hippie-Zeit, wo wir herrliche selbstgemachte Pizzas bekommen. Als wir das Lokal etwas nach 3 Uhr verlassen, sind die Straßen wie leergefegt. Die Tagestouristen sind auf ihrem Weg zurück und im Ort ist bis zum nächsten Tag in der Früh Ruhe eingekehrt. Für die hier ansässigen Aborigines ist der Tourismus eine solide Einnahmequelle. 

Für die Rückfahrt nehmen wir die Seilbahn. Die Gondel gleitet über den Regenwald, es ist wunderschön und ein ganz besonderes Erlebnis. Beim Barron Wasserfall können wir die Gondelfahrt unterbrechen und über einen attraktiv angelegten Boardwalk zum Lookout gehen. Der Blick hinunter ist atemberaubend.

In den vergangenen Tagen haben wir in der Marina einige Segler kennengelernt, die ebenfalls an der Sail2Indonesia Rally teilnehmen, davon zwei österreichische Boote. Ein Boot, eine Sunbeam, die am Mattsee in Salzburg gebaut wird, mit dem Namen Ibex (Alpensteinbock) und mit einem Steinbockbild am Bug, mehr österreichisch in Australien geht nicht. 

Am 28. Juni in der Früh geht es weiter. Wir segeln bei wenig Wind und viel Sonnenschein Richtung Lizard Island. Es wird wieder eine Tag-Nacht-Tag Fahrt.  

Der zu dieser Jahreszeit an der Ostküste typische Süd-Ost Passat beschert uns eine angenehme Fahrt. Der Wind geht zwar nicht über 10-12 Knoten hinaus, wir segeln aber mit Vorsegel und Code Zero fast ständig mit halber Windgeschwindigkeit. 

Beim Segeln entlang der Ostküste zwischen dem Festland und dem Great Barrier Reef, das etwa 2.300 Kilometer lang ist, ist das Wasser ruhiger als im offenen Pazifik, die Wellen niedriger. 

 

Lizard Island 

 

29. Juni - 3. Juli 2023:

Nach 30 Stunden und 145 zurückgelegten Seemeilen lassen wir am späten Nachmittag in der Mrs. Watsons Bay den Anker fallen. Es ist eine malerische Bucht mit einem breiten Sandstrand, das Wasser ist besonders klar und türkisfarben mit vielen Korallen, optimal zum Schnorcheln. 8 Yachten liegen vor Anker. Die Insel ist, mit Ausnahme eines kleinen Luxusresorts gleich neben der Mrs. Watsons Bay, unbewohnt und hat keinerlei Infrastruktur und kein Internet.

Wie fast auf allen Inseln, die wir besucht haben, gibt es auch hier ausgewiesene Wanderwege, in Strandnähe Campingeinrichtungen inklusive Entnahmestelle für Vinegar. Der Essig ist für die sofortige lokale Behandlung nach Quallenkontakt vorgesehen.  

Nicht nur Quallen und Haie können einem das Vergnügen, ins Wasser zu gehen vermiesen, auch Krokodile. Auf Lizard Island wurde vor kurzem ein Krokodil gesichtet. Unser Segelfreund Scott, der einige Tage vor uns hier war, hat ein Handy-Foto von einem Krokodil im Wasser mit aufgerissenem Maul geschickt. Wir sind ja derzeit im 'Krokoland', im tropischen Norden von Australien. Hai- und Krokodilattacken kommen zwar nicht oft vor, hin und wieder passieren sie aber doch. Sie werden in Australien penibel dokumentiert und machen Schlagzeilen rund um die Welt. 

Cook Lookout   

Einer der schönsten aber auch einer der anspruchsvollsten Wanderwege bisher, ist der Track zum Cook Lookout. Er ist etwa 6 km lang mit einer Höhendifferenz von knapp 400 Metern. Der Track beginnt in der Mrs Watsons Bay, stellenweise gibt es steile, felsige Abschnitte mit intensiver Sonneneinstrahlung, dann wieder Abschnitte, die durch einen angenehm schattigen Eukalyptuswald führen. Wenn es im Dickicht raschelt und man etwas wartet, entdeckt man nicht selten einen Lizard. Die großen, tarnfarbenen Eidechsen sind sehr scheu, sie sind die einzigen Landtiere auf der Insel. James Cook hat die Insel deshalb nach ihnen benannt. 

 

Die Bay ist nach Mary Beatrice Watson benannt, die 1881 ein trauriges Schicksal erlitt. Die Watsons lebten auf Lizard Island. In Abwesenheit ihres Mannes wurde ein Arbeiter der Watsons von den Aborigines getötet und bei einem folgenden Angriff ihr zweiter Arbeiter schwer verletzt. Aus Angst vor einem weiteren Angriff der Aborigines flüchtete Mary Watson mit ihrem Baby und dem Arbeiter  auf eine nahegelegene Insel. Dort gab es wider Erwarten kein Frischwasser. Für eine Umkehr waren die Geflüchteten zu schwach, sie verdursteten dort nach 11 Tagen. Mrs Watson schrieb in diesen letzten 11 Tagen ihres Lebens ein berührendes Tagebuch.

Als James Cook im Jahr 1770 mit seiner 'Endeavour' hier in einem Labyrinth von Korallenriffen eingeschlossen war, ist er auf diesen Berg geklettert, in der Hoffnung, von oben eine Unterbrechung im Riff zu finden, um so wieder in das offene Meer hinaus zu können. Cook hatte die Sorge, dass die Korallenbänke eine Fahrt nach Norden versperren würden und gegen die vorherrschenden Winde ein Umkehren nicht möglich sein würde. Tatsächlich konnte er eine Öffnung, die dann nach ihm benannte Cooks Passage, entdecken.  

Am 3. Juli legen wir vom Lizard Island ab. Unser Ziel ist das etwa 400 Seemeilen entfernte Thursday Island in der Torres Strait, von wo wir Mitte Juli weiter nach Indonesien segeln wollen. Erwin hat einige Ankerplätze auf der Strecke dorthin ausgearbeitet, die sich zum Stehenbleiben und Übernachten anbieten. Die erste Übernachtung haben wir nach einer Tag-Nacht-Tag-Fahrt geplant. 

 

Am 4. Juli am frühen Nachmittag entscheiden wir uns, nicht für die Nacht stehen zu bleiben. Wir haben gute Segelbedingungen mit wenig Welle und wir sind, weil jeder von uns einige Stunden schlafen konnte, nicht müde. Wir wollen die günstigen Bedingungen nützen.

 

Der 5. Juli bringt keine Veränderungen und wir segeln unverändert mit Vorsegel und Code Zero angenehm dahin. An die vielen Cargo-Schiffe entlang der Ostküste haben wir uns längst gewöhnt. Meist segeln wir am Rand der für den Berufsschiffsverkehr vorgesehenen Wasserstraßen, mit der Überlegung, dass diese eine gesicherte Wassertiefe haben müssen. Auf der Strecke gibt es neben den oft sehr kleinen Inseln viele Korallenriffe, alle Untiefen sind deutlich sichtbar gekennzeichnet. Wieder entscheiden wir uns, die Nacht durchzusegeln. 

 

Am 6. Juli in der Früh beim Shiften auf den anderen Bug rutscht die Reffleine des Code Zero aus der Rollennut. Der Code Zero kann nicht mehr eingerollt werden. Erwin versucht, die Reffleine wieder in die Nut zu bekommen. Dazu muss er sich beim Bugspriet weit hinauslehnen. Alle Versuche, an die Rolle heranzukommen, an ihr zu hantieren und sich gleichzeitig festzuhalten, scheitern. Ich habe Angst, dass Erwin ins Wasser fällt. Der Wind hat zugelegt. Es ist eine blöde Situation. Zusätzlich meldet sich am Funk ein Cargo Schiff, dass wir nach Steuerbord ausweichen sollen, wir befinden uns am Rand, aber innerhalb der Wasserstraße. Wir weichen 20° nach Steuerbord aus, damit fällt der Code Zero ein und schlägt wild herum, wodurch der untere Haltepunkt reißt. Wir müssen den Code Zero irgendwie herunterbekommen, bevor das Segel noch mehr Schaden nimmt. Wir lassen es nach vorne auswehen, zur Hälfte fällt es vor dem Bug ins Wasser. Wir können das Segel vom Wasser auf das Trampolin heraufziehen und beschweren es mit Tauen, damit es nicht davonfliegen kann. 

 

Torres Strait

 

Inzwischen sind wir nicht mehr an der Ostküste, sondern an der nördlichen Spitze von Australien, in der Torres Strait, angelangt. In dieser Meeresenge zwischen Australien und Papua Neuguinea gibt es über 270 Inseln, davon 21 bewohnt. Die etwa 4.500 Einwohner sind zu über 90% Torres Strait Insulaner melanesischer Abstammung oder Aborigines. Sie haben eine genetische und kulturelle Nähe zu den Bewohnern von Papua Neuguinea.

 

Horn Island  

 

6. -  17. Juli 2023:

Um 11:45 Uhr lassen wir nach 367 Seemeilen und 76 Stunden vor dem Horn Island den Anker fallen.

Hier wollen wir bis zum Ausklarieren bleiben, das auf Thursday Island, der Hauptinsel in der Torres Strait, gemacht werden muss.  

Horn Island liegt in unmittelbarer Nähe zum Thursday Island, die Ankerplätze sind aber besser geschützt. Zwischen den beiden Inseln liegt der nur etwa 1,5 Seemeilen breite Ellis Channel, in dem es eine sehr starke Strömung gibt.   

Auf der Insel leben etwa 600 Menschen, es gibt zwei Supermärkte, ein Cafe und ein Hotel mit Restaurant. Man hat nicht mehr das Gefühl, in Australien zu sein.

 

12. Juli:

Der Ankerplatz  füllt sich zusehends, es sind vorwiegend Boote, die wie wir an der Sail2Indonesia Rally teilnehmen. Inzwischen sind es 30, in den nächsten Tagen werden noch etwa 15 Boote erwartet.    

Die Tage sind ausgefüllt mit Vorbereitungen für Indonesien. Da die Qualität der Treibstoffe in Indonesien problematisch ist, verdoppeln wir unsere Dieselreserve auf 240 Liter. Zusammen mit dem Auffüllen der Tanks transportieren wir 420 Liter Diesel und 20 Liter Benzin in Kanistern von der Tankstelle zum Pier, ins Dinghy und dann zum Boot. 

Der Code 0 hat keinen Schaden genommen, Erwin musste nur die untere Befestigung ersetzen und das Segel ist wieder einsatzbereit. Hat schlimmer ausgesehen. 

Leider erzeugt der Generator keinen Strom mehr. Im Betrieb mit moderater Last ist plötzlich die Drehzahl abgefallen und der Output war Null. Das passiert natürlich immer dann, wenn man die maximale Distanz zu Servicebetrieben hat. Das Handbuch und ein Diagramm zur Fehleranalyse helfen nicht. Das bedeutet, dass wir einen Bootsmotor zum Laden der Batterie starten müssen, wenn wir mehr Strom verbrauchen als die Solarpaneele liefern können. Das kann leicht passieren, wenn wir Tag und Nacht segeln und es bedeckt ist, denn der Autopilot, die Elektronik, die Kühlschränke, etc. verbrauchen einiges. Auch recht unangenehm, der Waschtrockner kann nicht verwendet werden. 

 

16. Juli:

Heute haben wir auf Thursday Island ausklariert. Die meisten Boote von der Sail2Indonesia Ralley segeln heute los.  Wir legen morgen nach Indonesien ab. Unser erster Ankerplatz in Indonesien ist Debut Village auf den Süd-Molukken, etwa 750 Seemeilen entfernt. Wir werden etwa 5-6 Tage unterwegs sein. Seit Tagen weht der Süd-Ost-Passat mit 15 bis 20 Knoten, was günstig für uns ist. 

 

 

Unser Aufenthalt in Australien neigt sich somit dem Ende zu. In den über 7 Monaten sind wir mehr als 3700 Seemeilen gesegelt. Wir sind von Neukaledonien gekommen und haben am 30. November 2022 in Coffs Harbour einklariert. Von Coffs Harbour sind wir über Sydney, wo wir Weihnachten und Silvester verbracht und den Start des Sydney Hobart Race miterlebt haben, nach Tasmanien gesegelt. Unser südlichster Ankerplatz war Southport mit 43° 26.420' in den 'Brüllenden Vierzigern', die wegen der häufigen Stürme diesen Namen haben. Von dort sind wir wieder zurück nach Coffs Harbour. Danach sind wir die Ostküste und dem Great Barrier Reef entlang gesegelt, haben dabei einige Inseln, vor allem am Great Barrier Reef besucht und sind hierher zur Nordspitze von Australien zum Horn Island gesegelt, unser nördlichster Ankerplatz mit 10° 35,742'.