Überfahrt von Neukaledonien nach Neuseeland

Am 25. 11. um 5:10 Uhr nehmen wir gemeinsam mit Scott und Elena von der Muskoka Kurs auf Neuseeland.

Gleich in der ersten Nacht ein Schockerlebnis: Wir segeln mit 7 Knoten Geschwindigkeit dahin, plötzlich fällt die Geschwindigkeit auf 3 Knoten ab. Ein Blick auf die Segel bringt die Erklärung. Das Groß weht teilweise frei aus - der Unterliekstrecker ist gerissen. Ein Quickfix (am Dach bei über 20 Knoten Wind und hohen Wellen) hält nur kurze Zeit - schon nach 45 Minuten ist der Unterliekstrecker wieder durchgewetzt. Wir verschieben die Reparatur auf den nächsten Tag bei Tageslicht, bergen das Groß und segeln den Rest der Nacht nur mit dem Vorsegel. Die Muskoka entfernt sich immer weiter. Über VHF verabschieden wir uns von Scott und Elena. Aus der gemeinsamen Überfahrt ist leider nichts geworden.  

Erwin kann in der Früh die Reparatur des Unterliekstreckers durchführen. Bei guter Sicht ist das wesentlich angenehmer und geht recht gut und rasch. Leider lässt der Wind in der Folge deutlich nach. 

Mit Motorunterstützung segeln wir durch das ausgedehnte Hoch. An einem Abend ist der Pazifik spiegelglatt wie wir es bisher noch nicht erlebt haben und der Sonnenuntergang ist überwältigend schön.

 

Die Überfahrt verläuft sehr ruhig und zügig, da es kaum eine Welle gibt, sodass wir mit wenig Wind doch noch annehmbar schnell sind. Wir sollen auf dringende Empfehlung von Chris Parker wegen eines herannahenden Tiefs unbedingt noch vor dem Abend des 2. Dezembers in Opua sein, das ist leider nur mit Motorunterstützung zu schaffen.   

Neuseeland

2. Dezember 2019 - 

Nach 917 Seemeilen und 173 Stunden legen wir am 2. Dezember um 10 Uhr am Quarantänedock der Bay of Islands Marina in Opua (an der Ostküste im Norden der Nordinsel) an. Zu Mittag ist der Wind bereits auf über 20 Knoten angestiegen mit Böen bis 30 Knoten. Nicht besonders dramatisch aber angenehmer ist es, im sicheren Hafen zu sein.

3. Dezember: Um 9 Uhr früh wird Felix abgeholt und in die Quarantäne-Station nach Auckland gebracht. Sein Miauen ist herzerweichend und wir leiden mit ihm. 

4. Dezember: Das Tief ist inzwischen durchgezogen und wir verlassen Opua in Richtung Whangarei. Entlang der Ostküste gibt es einige Buchten, die zum Ankern gut geeignet sind. Wir übernachten auf ca. halbem Weg in der Admirals Bay und kommen am nächsten Tag zu Mittag in der Marsden Cove Marina an.  

Wir wollen die Zeit, in der Felix in Quarantäne ist, nützen und auf die Südinsel fliegen, die sehr schön sein soll. Zur Südinsel zu segeln ist auf Grund der Wetterbedingungen nicht ratsam. Queenstown liegt mit 45° Süd schon im Bereich der "roaring forties". 

Südinsel

Queenstown

Am 7. Dezember fliegen wir über Auckland nach Queenstown, das im unteren Teil der Südinsel am Lake Wakatipu, dem zweitgrößten See Neuseelands, liegt. Hohe Berge (Remarkable Mountains) - man sieht in der Ferne sogar etwas Schnee auf den Gipfeln liegen - umgeben den See.

Queenstown ist sehr touristisch - Hotels, Apartmenthäuser, Restaurants, Geschäfte und Anbieter diverser Touren prägen das Stadtbild. In den vergangenen Tagen hat Starkregen dazu geführt, dass die ufernahe Straße überschwemmt wurde und dass jetzt noch ufernahe Bereiche unter Wasser stehen. Wir nützen eine Regenpause und fahren mit der Skyline-Gondel zur ca. 400 m hohen  Aussichtsplattform mit Restaurant, von der wir einen beeindruckenden Ausblick haben.    

Kiwi Birdlife Park

Im Kiwi Birdlife Park bekommen wir endlich Kiwis zu sehen! Da sie nachtaktiv sind, wurde im fensterlosen Kiwi-Haus der Tag zur Nacht gemacht. So können die Besucher bei Tag die Kiwis beobachten. Wir sind bei einer Fütterung dabei. Nachdem wir uns an die Dunkelheit (bis auf zwei Rotlichtlampen) gewöhnt haben, können wir zuschauen, wie zwei Kiwis mit ihren langen Schnäbeln das Futter am Boden aufspüren - sie machen das mit unglaublich schnellen Bewegungen. Wir sind den Kiwis, durch eine Glasscheibe getrennt, ganz nah. Obwohl Kiwis Vögel sind, wenn auch flugunfähige, haben sie keine Federn, sondern ein Fell. Fotografieren ist leider nicht erlaubt.

Der weitläufige Birdlife Park liegt mitten in Queenstown und verfügt über eine beachtliche Sammlung von in Neuseeland endemischen Vögeln. 

Milford Sound

9. Dezember: Wir haben Glück. Nach drei Wochen Regen erwischen wir den ersten halbwegs schönen Tag. Wir haben eine Tour von Queenstown zum Milford Sound gebucht. Es ist eine lange Fahrt von fast 300 km. Im bequemen Panoramabus aus der ersten Reihe genießen wir die vorbeiziehende Landschaft. Viel, viel Weideland mit noch mehr Schafen, eingerahmt von hohen, zum Teil schneebedeckten Bergen. 

Bei einem Stopp machen einige Keas - die einzigen in Neuseeland endemischen Papageien - die Autos unsicher. Sie sind neugierig, verspielt, überhaupt nicht scheu und eine Touristenattraktion. Ein Kea "untersucht" sogar das Businnere. Mit ihren kräftigen Schnäbeln können sie einiges anrichten. Unser Guide erzählt, dass ein neuer Geschirrspüler, der nach dem Ausladen vor dem Haus kurz unbeaufsichtigt war, von den Keas "zerlegt" wurde und nicht mehr zu gebrauchen war.    

Mit einem Ausflugsboot fahren wir durch den 14 km langen Fjord bis zur Tasmansee. Steile, mehrere hundert Meter hohe Felswände ragen zum Teil fast senkrecht aus dem Wasser. Überall kommen Wasserfälle herunter. 

Fox und Franz Josef Gletscher

10. Dezember: Unser nächstes Ausflugsziel ist die Gletscherregion, die ca. 360 km von Queenstown entfernt an der Westküste liegt. Die Straßen sind wesentlich besser als auf der Nordinsel, es ist auffallend wenig Verkehr und die Landschaft ist abwechslungsreich. Wir wollen zum Ort Franz Josef, kommen aber nur bis zum Ort Fox, der ca. 20 km davor liegt, ab da ist die Straße gesperrt. Es ist Hochsaison, im größtem Hotel in Fox sind wir die einzigen Gäste. Unser Geheimnis: Es gibt eine Telefonnummer, über die man die Straßensperren abfragen kann, dort haben wir aber nicht angerufen. Wir erfahren, dass die Straße von Fox nach Franz Josef vorläufig gesperrt ist. Die Straße im Norden von Franz Josef ebenso, diese allerdings für längere Zeit. Durch lang andauernde und intensive Regenfälle kam es - wie jedes Jahr - zu Überschwemmungen und Murenabgängen, eine Brücke wurde weggerissen . Es gibt seit 5 Tagen kein Internet und kein Telefon, die Touristen können wegen der Straßensperren nicht von Franz Josef weg. Die gute Nachricht: Die Helikopterflüge zu den Gletschern sind - sofern das Wetter passt - möglich.   

11. Dezember: Das Wetter ist gut und wir können den Rundflug - Fox und Franz Josef Gletscher (benannt nach Kaiser Franz Josef) - machen. Der Helikopter landet in ca. 3000 m Höhe auf einem unberührten Schneefeld, der Himmel ist fast wolkenlos, es ist windstill und warm - der Schnee trotzdem fest - es ist wunderschön hier oben.  

Inzwischen ist die Straße von Fox nach Franz Josef wieder offen, auch Internet und Telefon funktionieren wieder.

 

Wir fahren zu einem Parkplatz etwas außerhalb von Franz Josef, von dem aus ein Weg zur Gletscherzunge führt. Auch dieser Gletscher hat in den letzten 100 Jahren Kilometer an Länge verloren. Nach einer 3/4 Stunde ist unsere Wanderung leider zu Ende. Der weitere Weg ist wegen Überflutung gesperrt. 

Okarito

 

Nicht weit von Franz Josef entfernt befindet sich Okarito, ein zur Goldgräberzeit prosperierender Ort - der schwarze Sand war reich an Gold. Kaum vorstellbar, dass oft mehr als 70 Schiffe gleichzeitig im Hafen gelegen sind und einmal um die 1500 Leute hier lebten, heute sind es vielleicht 50. 

Die einzige Straße entlang der Westküste weiter Richtung Norden bleibt, wie erwähnt, gesperrt. Man rechnet, dass die Reparatur der Brücke bis kurz vor Weihnachten dauern wird. Es ist Hauptsaison und eine Katastrophe für den Fremdenverkehr, vor allem für kleinere Betriebe. Aus Erfahrung weiß man, dass kaum Touristen zu den Gletschern kommen werden. Die gängige Route führt - vor allem von den Reisebussen - von Queenstown die Westküste entlang Richtung Norden und nach Christchurch. Die Gletscher sind ein Stopp von mehreren.   

Auch wir wären gerne die Westküste weiter hinauf gefahren. Für uns waren aber die Gletscher das Hauptziel und dass wir nicht weiter fahren können ist zwar schade, aber keine Katastrophe. Dass wir die einzigen Gäste in Fox sind, stört uns nicht.    

 

12. Dezember: Bevor wir die Gletscherregion Richtung Süden (Queenstown) wieder verlassen, machen wir noch einen Spaziergang durch den Wald um den Lake Matheson. 

 

 

Beim Lake Hawea (nach 280 km) übernachten wir. Von der Terrasse unseres Hotelzimmers haben wir einen wunderbaren Blick auf den See. Leider ist es sehr windig, sodass wir unseren ursprünglichen Plan, einen weiteren Tag hier zu bleiben und zu wandern, verwerfen. 

13. Dezember: Unser Flug von Queenstown zurück auf die Nordinsel ist am 15. Dezember. Wir haben uns entschlossen, nicht in Queenstown, sondern in Arrowtown, das nahe bei Queenstown liegt, die letzten zwei Tage zu verbringen.  

Arrowtown

Arrowtown ist eine ehemalige Goldgräberstadt mit ein paar Dutzend, liebevoll gepflegten Häusern aus dieser Zeit, in denen jetzt Geschäfte und Restaurants untergebracht sind. Im Arrow River wurde 1862 erstmals Gold entdeckt. Und zwar eine ziemliche Menge - 20 Kilo wurden allein von einer Person in zwei Wochen geschürft. 

Wir sind überrascht, wieviele Autos auf den Parkplätzen stehen - zum Glück wird einer für uns frei - und wie belebt der Ort ist. In der Buckingham Street, der Straße mit den historischen Gebäuden, kommen wir zufällig am New Orleans Hotel, auch alt (1866), vorbei und bekommen ein Zimmer. Es ist sonnig und warm, die Gastgärten der Lokale sind voll mit Touristen.