Überfahrt von Neukaledonien nach Neuseeland

Am 25. 11. um 5:10 Uhr nehmen wir gemeinsam mit Scott und Elena von der Muskoka Kurs auf Neuseeland.

Gleich in der ersten Nacht ein Schockerlebnis: Wir segeln mit 7 Knoten Geschwindigkeit dahin, plötzlich fällt die Geschwindigkeit auf 3 Knoten ab. Ein Blick auf die Segel bringt die Erklärung. Das Groß weht teilweise frei aus - der Unterliekstrecker ist gerissen. Ein Quickfix (am Dach bei über 20 Knoten Wind und hohen Wellen) hält nur kurze Zeit - schon nach 45 Minuten ist der Unterliekstrecker wieder durchgewetzt. Wir verschieben die Reparatur auf den nächsten Tag bei Tageslicht, bergen das Groß und segeln den Rest der Nacht nur mit dem Vorsegel. Die Muskoka entfernt sich immer weiter. Über VHF verabschieden wir uns von Scott und Elena. Aus der gemeinsamen Überfahrt ist leider nichts geworden.  

Erwin kann in der Früh die Reparatur des Unterliekstreckers durchführen. Bei guter Sicht ist das wesentlich angenehmer und geht recht gut und rasch. Leider lässt der Wind in der Folge deutlich nach. 

Mit Motorunterstützung segeln wir durch das ausgedehnte Hoch. An einem Abend ist der Pazifik spiegelglatt wie wir es bisher noch nicht erlebt haben und der Sonnenuntergang ist überwältigend schön.

 

Die Überfahrt verläuft sehr ruhig und zügig, da es kaum eine Welle gibt, sodass wir mit wenig Wind doch noch annehmbar schnell sind. Wir sollen auf dringende Empfehlung von Chris Parker wegen eines herannahenden Tiefs unbedingt noch vor dem Abend des 2. Dezembers in Opua sein, das ist leider nur mit Motorunterstützung zu schaffen.   

Neuseeland

2. Dezember 2019 - 

Nach 917 Seemeilen und 173 Stunden legen wir am 2. Dezember um 10 Uhr am Quarantänedock der Bay of Islands Marina in Opua (an der Ostküste im Norden der Nordinsel) an. Zu Mittag ist der Wind bereits auf über 20 Knoten angestiegen mit Böen bis 30 Knoten. Nicht besonders dramatisch aber angenehmer ist es, im sicheren Hafen zu sein.

3. Dezember: Um 9 Uhr früh wird Felix abgeholt und in die Quarantäne-Station nach Auckland gebracht. Sein Miauen ist herzerweichend und wir leiden mit ihm. 

4. Dezember: Das Tief ist inzwischen durchgezogen und wir verlassen Opua in Richtung Whangarei. Entlang der Ostküste gibt es einige Buchten, die zum Ankern gut geeignet sind. Wir übernachten auf ca. halbem Weg in der Admirals Bay und kommen am nächsten Tag zu Mittag in der Marsden Cove Marina an.  

Wir wollen die Zeit, in der Felix in Quarantäne ist, nützen und auf die Südinsel fliegen, die sehr schön sein soll. Zur Südinsel zu segeln ist auf Grund der Wetterbedingungen nicht ratsam. Queenstown liegt mit 45° Süd schon im Bereich der "roaring forties". 

Südinsel

Queenstown

Am 7. Dezember fliegen wir über Auckland nach Queenstown, das im unteren Teil der Südinsel am Lake Wakatipu, dem zweitgrößten See Neuseelands, liegt. Hohe Berge (Remarkable Mountains) - man sieht in der Ferne sogar etwas Schnee auf den Gipfeln liegen - umgeben den See.

Queenstown ist sehr touristisch - Hotels, Apartmenthäuser, Restaurants, Geschäfte und Anbieter diverser Touren prägen das Stadtbild. In den vergangenen Tagen hat Starkregen dazu geführt, dass die ufernahe Straße überschwemmt wurde und dass jetzt noch ufernahe Bereiche unter Wasser stehen. Wir nützen eine Regenpause und fahren mit der Skyline-Gondel zur ca. 400 m hohen  Aussichtsplattform mit Restaurant, von der wir einen beeindruckenden Ausblick haben.    

Kiwi Birdlife Park

Im Kiwi Birdlife Park bekommen wir endlich Kiwis zu sehen! Da sie nachtaktiv sind, wurde im fensterlosen Kiwi-Haus der Tag zur Nacht gemacht. So können die Besucher bei Tag die Kiwis beobachten. Wir sind bei einer Fütterung dabei. Nachdem wir uns an die Dunkelheit (bis auf zwei Rotlichtlampen) gewöhnt haben, können wir zuschauen, wie zwei Kiwis mit ihren langen Schnäbeln das Futter am Boden aufspüren - sie machen das mit unglaublich schnellen Bewegungen. Wir sind den Kiwis, durch eine Glasscheibe getrennt, ganz nah. Obwohl Kiwis Vögel sind, wenn auch flugunfähige, haben sie keine Federn, sondern ein Fell. Fotografieren ist leider nicht erlaubt.

Der weitläufige Birdlife Park liegt mitten in Queenstown und verfügt über eine beachtliche Sammlung von in Neuseeland endemischen Vögeln. 

Milford Sound

9. Dezember: Wir haben Glück. Nach drei Wochen Regen erwischen wir den ersten halbwegs schönen Tag. Wir haben eine Tour von Queenstown zum Milford Sound gebucht. Es ist eine lange Fahrt von fast 300 km. Im bequemen Panoramabus aus der ersten Reihe genießen wir die vorbeiziehende Landschaft. Viel, viel Weideland mit noch mehr Schafen, eingerahmt von hohen, zum Teil schneebedeckten Bergen. 

Bei einem Stopp machen einige Keas - die einzigen in Neuseeland endemischen Papageien - die Autos unsicher. Sie sind neugierig, verspielt, überhaupt nicht scheu und eine Touristenattraktion. Ein Kea "untersucht" sogar das Businnere. Mit ihren kräftigen Schnäbeln können sie einiges anrichten. Unser Guide erzählt, dass ein neuer Geschirrspüler, der nach dem Ausladen vor dem Haus kurz unbeaufsichtigt war, von den Keas "zerlegt" wurde und nicht mehr zu gebrauchen war.    

Mit einem Ausflugsboot fahren wir durch den 14 km langen Fjord bis zur Tasmansee. Steile, mehrere hundert Meter hohe Felswände ragen zum Teil fast senkrecht aus dem Wasser. Überall kommen Wasserfälle herunter. 

Fox und Franz Josef Gletscher

10. Dezember: Unser nächstes Ausflugsziel ist die Gletscherregion, die ca. 360 km von Queenstown entfernt an der Westküste liegt. Die Straßen sind wesentlich besser als auf der Nordinsel, es ist auffallend wenig Verkehr und die Landschaft ist abwechslungsreich. Wir wollen zum Ort Franz Josef, kommen aber nur bis zum Ort Fox, der ca. 20 km davor liegt, ab da ist die Straße gesperrt. Es ist Hochsaison, im größtem Hotel in Fox sind wir die einzigen Gäste. Unser Geheimnis: Es gibt eine Telefonnummer, über die man die Straßensperren abfragen kann, dort haben wir aber nicht angerufen. Wir erfahren, dass die Straße von Fox nach Franz Josef vorläufig gesperrt ist. Die Straße im Norden von Franz Josef ebenso, diese allerdings für längere Zeit. Durch lang andauernde und intensive Regenfälle kam es - wie jedes Jahr - zu Überschwemmungen und Murenabgängen, eine Brücke wurde weggerissen . Es gibt seit 5 Tagen kein Internet und kein Telefon, die Touristen können wegen der Straßensperren nicht von Franz Josef weg. Die gute Nachricht: Die Helikopterflüge zu den Gletschern sind - sofern das Wetter passt - möglich.   

11. Dezember: Das Wetter ist gut und wir können den Rundflug - Fox und Franz Josef Gletscher (benannt nach Kaiser Franz Josef) - machen. Der Helikopter landet in ca. 3000 m Höhe auf einem unberührten Schneefeld, der Himmel ist fast wolkenlos, es ist windstill und warm - der Schnee trotzdem fest - es ist wunderschön hier oben.  

Inzwischen ist die Straße von Fox nach Franz Josef wieder offen, auch Internet und Telefon funktionieren wieder.

 

Wir fahren zu einem Parkplatz etwas außerhalb von Franz Josef, von dem aus ein Weg zur Gletscherzunge führt. Auch dieser Gletscher hat in den letzten 100 Jahren Kilometer an Länge verloren. Nach einer 3/4 Stunde ist unsere Wanderung leider zu Ende. Der weitere Weg ist wegen Überflutung gesperrt. 

Okarito

 

Nicht weit von Franz Josef entfernt befindet sich Okarito, ein zur Goldgräberzeit prosperierender Ort - der schwarze Sand war reich an Gold. Kaum vorstellbar, dass oft mehr als 70 Schiffe gleichzeitig im Hafen gelegen sind und einmal um die 1500 Leute hier lebten, heute sind es vielleicht 50. 

Die einzige Straße entlang der Westküste weiter Richtung Norden bleibt, wie erwähnt, gesperrt. Man rechnet, dass die Reparatur der Brücke bis kurz vor Weihnachten dauern wird. Es ist Hauptsaison und eine Katastrophe für den Fremdenverkehr, vor allem für kleinere Betriebe. Aus Erfahrung weiß man, dass kaum Touristen zu den Gletschern kommen werden. Die gängige Route führt - vor allem von den Reisebussen - von Queenstown die Westküste entlang Richtung Norden und nach Christchurch. Die Gletscher sind ein Stopp von mehreren.   

Auch wir wären gerne die Westküste weiter hinauf gefahren. Für uns waren aber die Gletscher das Hauptziel und dass wir nicht weiter fahren können ist zwar schade, aber keine Katastrophe. Dass wir die einzigen Gäste in Fox sind, stört uns nicht.    

 

12. Dezember: Bevor wir die Gletscherregion Richtung Süden (Queenstown) wieder verlassen, machen wir noch einen Spaziergang durch den Wald um den Lake Matheson. 

 

 

Beim Lake Hawea (nach 280 km) übernachten wir. Von der Terrasse unseres Hotelzimmers haben wir einen wunderbaren Blick auf den See. Leider ist es sehr windig, sodass wir unseren ursprünglichen Plan, einen weiteren Tag hier zu bleiben und zu wandern, verwerfen. 

13. Dezember: Unser Flug von Queenstown zurück auf die Nordinsel ist am 15. Dezember. Wir haben uns entschlossen, nicht in Queenstown, sondern in Arrowtown, das nahe bei Queenstown liegt, die letzten zwei Tage zu verbringen.  

Arrowtown

Arrowtown ist eine ehemalige Goldgräberstadt mit ein paar Dutzend, liebevoll gepflegten Häusern aus dieser Zeit, in denen jetzt Geschäfte und Restaurants untergebracht sind. Im Arrow River wurde 1862 erstmals Gold entdeckt. Und zwar eine ziemliche Menge - 20 Kilo wurden allein von einer Person in zwei Wochen geschürft. 

Wir sind überrascht, wieviele Autos auf den Parkplätzen stehen - zum Glück wird einer für uns frei - und wie belebt der Ort ist. In der Buckingham Street, der Straße mit den historischen Gebäuden, kommen wir zufällig am New Orleans Hotel, auch alt (1866), vorbei und bekommen ein Zimmer. Es ist sonnig und warm, die Gastgärten der Lokale sind voll mit Touristen. Erfreulicherweise gibt es gleich neben unserem Hotel eine Patagonia Chocolaterie (haben wir schon in Queenstown genossen), wo es vor allem traumhafte Desserts - vorwiegend mit Schokolade, Eis und Kaffee gibt. Für uns bis jetzt in Neuseeland die einzige Möglichkeit, Mehlspeisen nach unserem Geschmack zu bekommen.  

 

Das Bungy Jumping von der nahegelegenen, historischen Kawarau Bridge ist ein ziemliches Spektakel, gut besucht und gut gebucht. 

15. Dezember 2019: In der Früh fliegen wir nach Auckland, holen Felix von der Quarantäne ab und fahren weiter nach Whangarei, wo wir in der Marsden Cove Marina unsere Crocodile liegen haben. 

Nordinsel

Whangarei

Entweder es regnet oder es schaut sehr nach Regen aus, sodass wir keine Ausflüge machen wollen, obwohl wir noch das Mietauto haben. Wir beschließen, so bald wie möglich zum Great Barrier Island zu segeln, wo wir die Feiertage verbringen wollen. Am 21. Dezember am späten Nachmittag verlassen wir die Mardsen Cove Marina und ankern in der nahegelegenen Urquharts Bay, wo wir die Nacht verbringen. So gewinnen wir am nächsten Tag ca. eine Stunde - zum Great Barrier Island sind es knappe 50 Seemeilen und wir wollen dort noch bei Tageslicht ankommen. 

22. Dezember: Die Fahrt zum Great Barrier Island ist hart und ruppig. Wir haben die meiste Zeit einen Windwinkel um die 40° (vorhergesagt waren 90°), der Wind bläst mit Spitzen bis zu 33 Knoten, die Welle kommt von vorne seitlich in 5-6 Sekunden Abständen. Wenigstens scheint die Sonne. 

Great Barrier Island

22. Dezember 2019 - 10. Jänner 2020

Um 18 Uhr lassen wir nach 46 Seemeilen in der Forestry Bay, einer ruhigen und gut geschützten Bucht in unmittelbarer Nähe von Port Fitzroy, den Anker fallen. Das Wasser ist sauber, die Bucht ist von dicht bewaldeten Hügeln umgeben. Wir hören viele Vogelstimmen, besonders morgens und abends gibt ein richtiges Konzert.    

Es ist eine große, bewohnte (ca. 900 Einwohner), dem Augenschein nach sehr naturbelassene Insel, die der Nordinsel im Osten vorgelagert ist. Es soll hier schöne Wanderwege geben - darauf freuen wir uns. 

24. Dezember: Wir frühstücken mit einem echten Panettone-Gugelhupf (von Italien via Australien nach Neuseeland in den Supermarkt gelangt) mit Schlagobers und unternehmen eine mehrstündige Wanderung. Der Glenfern Wanderweg führt bergauf und bergab durch den Urwald mit riesigen Farnbäumen. Wir kraxeln in die Gabelung eines mächtigen, 600 Jahre alten Kauri, zu dem man über eine Hängebrücke gelangt. Er überragt alle anderen Bäume und ist leider auch hier auf der Insel das einzig verbliebene große Exemplar. Dies auch nur deshalb, weil der Ansatz der Äste zu weit unten war, um die Standardnutzung zu ermöglichen. Dies zeigt, wie rücksichtslos früher überall die natürlichen Ressourcen ausgebeutet wurden. Das Kauriholz wurde sehr geschätzt. Es ist relativ leicht und sehr dauerhaft.

Einer privaten Initiative ist es zu verdanken, dass Great Barrier Island wieder ein natürlicher Lebensraum für einheimische Tier- und Baumarten ist. Durch Brandrodungen, um Weideflächen zu schaffen, war die Insel vor rund 40 Jahren noch in großen Bereichen kahl. Die Weidetierhaltung verlor zunehmend an Bedeutung und ermöglichte so eine Renaturierung.   

 

Vom Sunset Rock haben wir einen schönen Ausblick auf die Bucht und die Anlegestelle für die Fähre, die zwischen Auckland und Port Fitzroy verkehrt.

29. Dezember: Die Bucht hat sich in den letzten Tagen zunehmend mit Booten gefüllt. In Neuseeland haben die Sommerferien begonnen und hier ist jetzt einiges los. Port Fitzroy ist aber nicht überlaufen und immer noch sehr friedlich. Es gibt ein gut sortiertes Geschäft für Lebensmittel und Getränke, eine Burger Bar, einen Souvenir- und Informationsshop mit Autovermietung und eine Health Clinic.   

Wir machen kleinere Wanderungen. Heute waren wir am Lookout Rock auf dem Fitzroy Hill. Der Weg hinauf führt durch dichten Urwald. In den bodennahen Bereichen wachsen Farne und Farnbäume, dazwischen stehen dünne, astlose Baumstämme, die erst in 20-30 m Höhe eine Verästelung und eine Art Nadelbewuchs haben. Die letzten Meter zum Aussichtsfelsen sind ein wenig zum Klettern, dann kann man den malerischen Blick auf die Bucht genießen. 

Täglich bekommen wir Besuch von ganz lieben braunen Enten (Pateke in Maori), die inzwischen zu den gefährdeten Arten zählen und vorwiegend auf dem Great Barrier Island vorkommen (2/3 des weltweiten Bestandes). Zuerst kam nur eine, dann zwei, dann drei und jetzt sind es schon 4, die zu unserem Boot - mit lautem Quaken - geschwommen kommen, um sich Futter zu holen.  

Mit viel Glück - es ist Hochsaison - haben wir noch ein Mietauto bekommen. Die Insel ist sehr dünn besiedelt, die Straßen kurvig und schmal, die Landschaft abwechslungsreich. Wenn ein Auto entgegenkommt, was nicht sehr oft der Fall ist, muss eines auf den Straßenrand ausweichen. 

Als erstes wollen wir zum Windy Canyon, zu dem wir nur ca. eine halbe Stunde fahren müssen. Vom Whangapoua Hill führt zuerst ein schattiger Waldweg und danach unzählige Stufen, zwischen mächtigen Felsen des Canyons eingezwängt, zu einem phantastischen Lookout.  

1. Jänner 2020: Für heute haben wir uns viel vorgenommen. Wir wollen auf den Mount Hobson gehen. Es gibt drei Tracks hinauf, wir haben den als "easiest and shortest" beschriebenen ausgesucht (eine Strecke drei Stunden). Um 10 Uhr gehen wir los. Das Wetter könnte nicht besser sein (Sonne, etwas Wind, nicht zu warm). Der Weg (Palmer's Track) beginnt mit dem Windy Canyon, führt über Wege entlang der Felsen, über schmale Holzbrücken, unzählige Stufen zum ersten Grat. Wir haben wunderbare Ausblicke. Obwohl der Mount Hobson nur 627 m hoch ist, legen wir weit mehr Höhenmeter zurück. Wir wandern drei Mal Hügel bergauf und bergab, umgeben von bunt blühenden Büschen, bis wir zum Fuß des Mount Hobson kommen.  

Der letzte Aufstieg beginnt mit ein wenig Kraxeln. Auf allen Vieren überwinden wir felsiges und steileres Gelände - und denken daran, dass wir da am Rückweg auch wieder hinunter müssen. Dann geht es weiter durch einen sehr dichten, ursprünglichen Wald mit einigen großen, stattlichen Kauris, die mehrere hundert Jahre alt sind und Nadelbäumen. Bis zum Gipfel folgen 40 Minuten nur Stufen steigen! Das geht ordentlich in die Beine. Die sehr aufwändig an das Gelände angepassten Holzstufen wurden gemacht, um die Sturmvögel (black petrels, Flügelspannweite mehr als 1 Meter), die hier in diesem dichten Wald in Erdhöhlen ihre Nester haben, nicht zu stören. Wir treffen auf ein Biologen-Team, das gerade dabei ist, einen brütenden Vogel zu markieren. Diese seltenen Seevögel brüten nur auf dem Great Barrier und Little Barrier Island in Neuseeland. Die brütenden Vögel und Eier (nur jeweils ein Ei) sind durch wilde Katzen und Ratten gefährdet. Die erwachsenen Vögel verbringen viele Monate am Meer, fliegen bis Südamerika und kommen nur zum Brüten wieder zurück.

Nach drei Stunden (wie angegeben) bergauf und bergab und gefühlten tausend Stufen kommen wir am Gipfel an. Wir sind nicht alleine. Auch einige andere haben das neue Jahr mit dieser sportlichen Wanderung begonnen. Wir lachen (auch deutlich jüngere als wir) über die Beschreibung "the easiest and shortest track to the summit". Der 360° Rundumblick ist trotz Dunst überwältigend.

Für den Rückweg benötigen wir ebenfalls drei Stunden. Um 5 Uhr am Nachmittag sind wir wieder zurück in Port Fitzroy - und an der Burger Bar zur Stärkung. Wir sind ziemlich geschafft und sehr zufrieden mit uns. 

8. Jänner: Nach mehr als zwei Wochen im Nordteil der Insel ist es wieder Zeit, die Segel zu setzen. Wir segeln die Westküste entlang zum südlichen Teil der Insel und ankern nach 6 Stunden und 23 Seemeilen in der Shoal Bay von Port Tryphena. 

Die Bucht ist gut besucht, aber nicht überlaufen. Vorwiegend neuseeländische Motorboote liegen hier vor Anker. Es gibt - wie im Nordteil der Insel in Port Fitzroy - eine Anlegestelle für die Auckland-Fähre mit einem komfortablen Dinghy-Steg.

9. Jänner: Auf dem Weg zum Einkaufen - wir müssen uns für die ersten Tage auf Coromandel, unserem nächsten Ziel, verproviantieren - kommen wir bei einer Autovermietung vorbei. Wir können spontan (ohne Führerschein) ein Auto mieten, machen unseren Einkauf - wir sind von der Auswahl positiv überrascht - und fahren anschließend auf die andere Seite der Insel zur Ostküste. Wir haben Lust auf Strand.

Die Straßen sind auch hier schmal und wir sind froh, dass wenig Gegenverkehr ist. Die Vegetation, die dicht an die Straße heranwächst, ist üppig und saftig grün. Wir fahren über mehrere Hügel und nach ca. einer Stunde schauen wir auf die malerische Küste mit von Felsen begrenzten, langen Sandstränden hinunter. 

In der Oruawharo Bay verbringen wir einen sehr entspannten Nachmittag auf dem weitläufigen Sandstrand. 

In der Sonne und windgeschützt ist es angenehm warm. Ein paar Surfer und beherzte Schwimmer sind im Wasser. Die meisten liegen im Windschutz der Dünen in der Sonne. Auf dem mehrere Kilometer langen Strand verteilen sich etwa zwei Dutzend Besucher.

Den Tag lassen wir auf der Terrasse des Currach Irish Pub - einem charmanten Lokal, in dem wir sehr guten Fisch essen - ausklingen.

10. Jänner: Kurz nach 10 Uhr verlassen wir das Great Barrier Island und segeln zur Nordspitze der Halbinsel Coromandel, die man in der Ferne sehen kann. Wir setzen das Groß mit zweitem Reff noch am Anker, weil wir außerhalb der Bucht mehr Welle und Wind erwarten. Als wir aus der Abdeckung der Bucht hinaus in die größere, davorliegende Bucht kommen, überraschen uns Wind und Böen bis 30 Knoten, verbunden mit einer seitlichen kurzen, steilen und 1,5 m hohen Welle. Wir sind froh, als wir uns endlich frei segeln können und wir tieferes Wasser erreichen, wo dann auch die Wellen moderater werden. Auf der restlichen Fahrt bleibt der Wind um die 20+ Knoten (vorhergesagt waren bis zu 15 Knoten), den vorhergesagten Windwinkel von 50° zum Ziel haben wir leider auch nicht. 

Halbinsel Coromandel

10. Jänner - 

Sandy Bay + Stony Bay

10. - 12. Jänner

Kurz vor 14 Uhr ankern wir in der Sandy Bay, die am Anfang der Ostküste von Coromandel, nur 13 Seemeilen von unserem letzten Ankerplatz am Great Barrier Island entfernt, liegt. Wir haben die große Bucht ganz für uns alleine. 

11. Jänner: In der Früh verlegen wir uns in die 3 Seemeilen entfernte Stony Bay, weil von hier der Coastal Walk beginnt. 

Coastal Walk

Das Wetter für die 20 km lange Wanderung - wolkenloser Himmel - passt perfekt. Der Weg ist abwechslungsreich. Die erste Stunde wandern wir leicht bergauf im dichten Busch, dann geht es ziemlich hügelig im schattigen Wald dahin. 

Auf dem letzten Teil des Tracks haben wir von hoch oben einen phantastischen Ausblick auf die Küste mit ihren beeindruckenden Felsformationen und in der Ferne auf das Great Barrier Island.

Über ausgedehntes Weideland wandern wir hinunter zur Fletcher Bay (an der Nordspitze von Coromandel), dem Ende des Coastal Walks. Von hier geht es den selben Weg wieder zurück zur Stony Bay, wo unser Boot - wie in der Sandy Bay - alleine in der großen Bucht liegt. Nach 8 Stunden auf den Beinen ziehen wir das Dinghy vom steinigen Strand ins Wasser (es gibt leider keinen Dinghy-Steg) und sind froh, endlich zurück zu sein. Felix hört den Außenborder vom Dinghy und erwartet uns bereits sehnsüchtig auf der unteren Stufe unseres Bootes sitzend.

 

Kurz vor Sonnenuntergang verlegen wir uns wieder in die Sandy Bay, da wir wegen der hohen Berge rundherum nicht einmal einen Iridium-Empfang (Internet ohnehin nicht) haben. 

12. Jänner: Wie geplant, segeln wir heute die Ostküste von Coromandel weiter entlang Richtung Süden nach Whitianga. Wir haben vor zwei Wochen in der Whitianga-Marina - der einzigen Marina auf Coromandel - einen Platz angefragt, leider gibt es für Boote mit 7 m Breite keinen. Es ist wenig Wind und wenig Welle, sodass wir mit etwas Motorunterstützung angenehm dahinsegeln.

Whitianga

12. Jänner -

Nach 33 Seemeilen erreichen wir am späten Nachmittag die Back Bay, nur wenige Minuten vom Ort Whitianga entfernt, wo wir ankern wollen. Das Anker- und Bojenfeld, das vor dem Marina-Eingang liegt, ist zwar groß, aber voll mit Booten, die an Bojen liegen. Erschwerend kommt hinzu, dass hier immer - mit Ausnahme zur Zeit des Stillwassers - eine sehr starke Strömung herrscht und das Wasser stellenweise (nicht markiert und nicht sichtbar) sehr seicht ist. Der Tidenhub beträgt 2 Meter. Nachdem wir kurz 1,4 m Tiefe - zwar bei Niedrigwasser - haben (bei 1,35 m Tiefgang), machen wir uns auf die Suche nach einem anderen Ankerplatz.

Der ist, was die Tiefe anlangt zwar besser, allerdings kommen wir durch die Strömung relativ nahe an eine freie Boje heran. Es besteht die Gefahr, dass sich das Tau, an dem die Boje hängt, bei uns im Ruder oder der Schraube verfängt. Wir beobachten bis nach Mitternacht die Situation und obwohl wir den Ankeralarm einschalten, findet Erwin keine Ruhe und schaut dann noch mehrmals nach. Durch die starke Strömung hören wir die Aufhängungen der Hahnepots vibrieren - und können das Geräusch nicht ausschalten - was wir so noch nie erlebt haben und was etwas gewöhnungsbedürftig ist. 

13. Jänner: Es regnet. Ein durchnässter, zerzauster Kormoran kommt uns besuchen.

 

Wir warten auf Stillwasser und suchen erneut einen anderen Ankerplatz. Hoffentlich passt der endlich.

17. Jänner: Heute haben wir uns mit Veronika und Robert von der Seven Seas in Whitianga getroffen, die wir zuletzt im Juli 2018 in Tahiti gesehen haben. Sie sind seit November in Neuseeland und zur Zeit mit einem Wohnmobil unterwegs. Ihr Boot steht in der Marina in Whangarei. Dass das Treffen heute geklappt hat, hat uns sehr gefreut. 

Whitianga, ein Ort mit um die 5000 Einwohner, liegt günstig zu einigen der Top-Sehenswürdigkeiten von Coromandel. Wir beschießen, rund eine Woche hier zu bleiben. Es sind viele Touristen unterwegs. In der Hauptstraße und insbesondere entlang der Hafenanlage reihen sich Restaurants, Cafes und Bierlokale aneinander. Immer gut besucht ist das Grace O'Malleys Irish Inn nahe der Anlegestelle der Fähre am Hafen. Das Essen ist zwar eher Durchschnitt, aber man sitzt sehr angenehm im Freien und hat einen schönen Blick auf die Back Bay.  

18.Jänner: Wir besteigen den für die Maori bedeutsamen Whitianga Rock, von dem wir einen schönen Ausblick auf die Back Bay und Whitianga haben. Whitianga ist benannt nach seinem polynesischen Entdecker Kupe (Te Whitianga a Kupe), der um 950 mit seinem Boot von Französisch Polynesien kommend nach Neuseeland segelte.   

Danach wandern wir über einen Rundwanderweg auf das Shakespeare Cliff neben der Maxmill Bay. 

Cathedral Cove

Wir mieten ein Auto und am 21. Jänner fahren wir zum ca. 40 km entfernten Ort Hahei. Von dort führt ein einstündiger Wanderweg hoch oben entlang der Klippen zum Cathedral Cove. Zum Strand hinunter gelangt man dann über viele Stufen. Cathedral Cove gehört zu Recht zu den meistbesuchten Sehenswürdigkeiten Neuseelands. Die Felsformationen sind imposant. Der gesamte Strandabschnitt ist wunderschön. Wir sitzen im Schatten und schauen den Wellen zu.