Karibik

14. Mai - 25. November 2017

St. Lucia

14. - 31. Mai 2017

Nach drei Monaten Wien-Aufenthalt kommen wir am 14. Mai um Mitternacht in die Rodney Bay Marina zurück. Die nächsten Tage sind mit dem Verstauen der mitgebrachten Ersatzteile, dem Reinigen des Bootes etc. ausgefüllt. Es ist sehr schwül und wir gehen es langsam an.  

Am 28. Mai segeln wir zur Marigot Bay. Sie liegt nur 11 Seemeilen weiter südlich und nach 3 Stunden legen wir in der eleganten Marina Capella an. Die Bucht ist wunderschön und im angeschlossenen Resort lassen wir uns ein wenig verwöhnen.

Wir wollen die Insel kennen lernen, nehmen ein Taxi und machen eine Rundfahrt. Wir kommen an Fischerdörfern vorbei, die nicht viel hergeben und sogar die Hauptstadt Castries wirkt irgendwie schäbig und trostlos. St. Lucia ist ein eigener Inselstaat mit ca. 170.000 Einwohnern, die Währung ist der ostkaribische Dollar (XCD). St. Lucia hat eine hohe Arbeitslosigkeit und ein hohes Preisniveau. Eine Attraktion sind die Pitons, zwei Vulkankegel, die nahe dem Ort Soufriere steil empor ragen. Sie stehen auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes. 

Am 31. Mai zu Mittag verlassen wir St. Lucia und segeln in Richtung Süden weiter. Unser nächstes Ziel sind die Tobago Cays.

Um 22 Uhr in Höhe von St. Vincent haben wir ein eigenartiges Erlebnis: Wir sehen auf der Backbordseite in der Ferne ein Licht (kein Schiff am AIS). Möglicherweise ist es ein Licht auf der nahe gelegenen Insel. Das Licht wird größer und wir überlegen, ob es sich um ein Fischerboot handeln könnte. Plötzlich sehen wir ein rotes Licht beängstigend schnell größer werdend auf uns zukommen und weichen nach Steuerbord aus. Praktisch im selben Augenblick fährt in hohem Tempo ein Segelboot 5 bis 10 Meter entfernt an uns vorbei. Nur für wenige Sekunden zeigt es sich am AIS, zu kurz um es identifizieren zu können. Dann wird das AIS auf diesem Boot wieder ausgeschaltet, d.h. dieses Boot will NICHT gesehen werden. Da dieses Schiff geradewegs auf uns zugefahren ist, haben wir von der 3-Farben Positionslampe nur das weiße, noch vorne gerichtete Licht gesehen und keines der seitlich abstrahlenden Steuerbord- bzw. Backbordlichter. Erst in unmittelbarer Nähe sehen wir das rote Backbordlicht. In der Nacht ist es sehr schwierig, die Entfernung einer Lichtquelle einzuschätzen. Schiff oder Stern knapp über dem Horizont schauen gleich aus. Das war wirklich knapp an einer Kollision vorbei.


Union Island

1. - 2. Juni 2017

 

Nach 20 Stunden legen wir vor Union Island an einer Boje an. Unser Ziel sind die nahe gelegenen Tobago Cays, ein- und ausklarieren müssen wir aber auf Union Island. Die Tobago Cays sind ein unbewohnter Marine Park (beide gehören zum Karibikstaat St. Vincent und die Grenadinen).

 

Nach einem ausgiebigen Frühstück werden wir ziemlich müde und beschließen, über Nacht zu bleiben.

Am Nachmittag suchen wir den Ort Clifton auf, der auch schon bessere Zeiten gesehen hat. Früher einmal galt Union Island als die Perle der Karibik. Sogar einen internationalen Flughafen gibt es hier.

2. Juni: Wir sind gerade beim Ablegen Richtung Tobago Cays, als Alfred und Ulli zum Ausklarieren vorbeikommen. Wir rufen uns zu, dass wir uns im Grenada Yachtclub treffen wollen.  

Tobago Cays

2. - 7. Juni 2017

Es ist nur ein Katzensprung zu den Tobago Cays. Wir legen zwischen den Inseln Petit Rameau und Petit Bateau an einer Boje an. Die Tobago Cays sind wie erwähnt unbewohnt, aber sowohl Parkranger (heben die Park- und Bojengebühren ein) als auch Einheimische, die Strand-BBQ's, fangfrische Fische und T-Shirts anbieten sind tagsüber hier aktiv.  

Das ist Karibik pur. Wir sind begeistert. Türkises Wasser, herrlicher Sandstrand, Schildkröten, die immer wieder nahe am Boot ihren Kopf aus dem Wasser strecken. 

 

Ein Wermutstropfen ist der starke Wind und die starke Strömung, die es nicht erlaubt, direkt vom Boot aus ins Wasser zu gehen. 

 

Am Abend beim BBQ am Strand treffen wir eine deutsche Familie, die in St. Lucia in der Marina neben uns gelegen ist. Sie sind beruflich unterwegs (fotografieren und schreiben für eine Segelzeitschrift).  

Wind und Strömung bleiben unverändert. Wir segeln zurück nach Union Island zum Ausklarieren und dann weiter nach Carriacou zur Tyrell Bay.  

Carriacou

7. - 11. Juni 2017

 

Zu Mittag kommen wir in der Tyrell Bay an und suchen uns einen Ankerplatz.  Geschätzte 50 Boote liegen in der Bucht vor Anker, 100 oder mehr hätten bequem Platz.

 

Es ist unser erstes Ankermanöver mit unserem Boot! Bis jetzt waren wir entweder in Marinas oder lagen an einer Boje. 

Am Dinghy-Steg - wir wollen Abendessen gehen - passiert Erwin ein Missgeschick: Beim Absperren des Beibootes fällt der Schlüsselbund ins Wasser. Meine Reaktion "du musst sofort ins Wasser, am besten nackt". Zum Glück sind wir und ein Kanadier die einzigen am Steg. Er ist sehr hilfsbereit und holt von seinem Boot Maske und Schnorchel und Erwin kann (nackt) den Schlüsselbund aus ca. 3 m Tiefe bei gerade noch ausreichendem Licht heraufholen. Einem entspannten Abend bei untergehender Sonne im Lazy Turtle, einem netten Strandrestaurant, steht nichts mehr im Wege. 

Wir schauen den ausgelassen spielenden Hunden am Strand zu. Im Restaurant gibt es ein ganz entzückendes, winziges rotes Tigerkätzchen. 

Grenada

11. - 22. Juni 2017

Grenada ist nicht weit entfernt, aber die Fahrt dorthin hat es in sich. Wir erleben unsere ersten Squalls, das sind lokale Gewitter mit Starkregen (Sichtweite zeitweise nicht mehr als 20 Meter, Wind mit über 40 Knoten). Essentiell, dass die Luken dicht sind. Leider haben wir eine (die Luke am Kopfende von unserem Bett) vergessen zuzumachen.  

Wir fahren in die Marina und sehen Alfred und Ulli am Steg bereits auf uns warten. Sie haben unser Kommen am AIS beobachtet. Nach einem Manöverschluck mit den beiden fallen wir erschöpft ins Bett. Allerdings in der Gästekabine. Unser Bett ist nass. 

Grenada ist eine attraktive, hügelige Insel und für karibische Verhältnisse wohlhabend. Vom Fort George haben wir einen wunderschönen, malerischen Ausblick auf die Carenage und die vielen bunten Häuser der Hauptstadt St. George's. 

Überrascht sind wir, dass Fronleichnam hier ein Feiertag ist - aber immerhin sind mehr als die Hälfte der Menschen Katholiken.  

Private Kleinbusse fahren zwischen St. George's und den angrenzenden Orten im Rallye Stil hin und her und wir nützen sie regelmäßig für Ausflüge und um an den nahen kilometerlangen, weißen Sandstrand fahren. Er ist sehr gepflegt, nicht überlaufen (die Hauptsaison ist vorbei), man kann Liegen mieten und es werden vom Strandrestaurant Getränke etc. angeboten. Die Leute sind freundlich und nicht zudringlich. 

19. Juni: Wir erfahren, dass der Hurrikan Bret über Venezuela, Trinidad und Tobago gezogen ist und sich in Richtung Grenada bewegt. Seit mehr als 80 Jahren ist es noch nie vorgekommen, dass sich bereits im Juni in dieser Karibikgegend ein tropischer Sturm gebildet hat. Wir bleiben daher für die nächsten Tage weiter in der Marina, die innerhalb weniger Stunden bis auf den letzten Platz voll ist. 

Zum Glück zieht der Sturm oberhalb von Grenada vorbei und wir haben nur eine Tropical Depression. Es regnet einige Tage wie aus Schaffeln. Die meisten Abende verbringen wir im Marina-Restaurant. Mit einsetzender Dämmerung kommen nämlich die Fischreiher angeflogen und verbringen die Nacht auf dem rot blühenden Baum vor dem Restaurant. Bevor Abendruhe im Baum einkehrt, gibt es ein Gekreische und Geflatter um die besten Schlafplätze. Wir lieben dieses Naturschauspiel und gehen eigentlich nur deshalb dorthin essen, weil wir die Vögel beobachten wollen.

22. Juni: Wir verlassen die Marina und ankern in der Bucht vor Grenada, um das Unterwasserschiff vor der Überfahrt zu reinigen und nehmen Kurs auf Los Roques. Wir halten deutlichen Abstand zu bestimmten venezuelanischen Inseln, was zwar mehr Seemeilen bedeutet, aber sicherer erscheint. Die meiste Zeit können wir den Gennaker einsetzen. Es ist ein echtes Genußsegeln. Mit Wind zwischen 12 und 22 Knoten und Welle von hinten machen wir bis zu 8,5 Knoten Geschwindigkeit. Sehr wahrscheinlich hat uns dabei die günstige Strömung vom Atlantik zur Karibik geholfen.

Los Roques, Venezuela

25. Juni - 11. Juli 2017

Am 25. Juni lassen wir nach knapp 70 Stunden und 370 Seemeilen um 9:45 Uhr den Anker vor der Hauptinsel Gran Roque fallen. Gleich am ersten Tag ein Abenteuer: Erwin fährt mit dem Dinghy zum Einklarieren. Es vergehen mehr als 5 Stunden bis er endlich - es wird langsam dunkel - zurückkommt. Ich mache mir große Sorgen. Kann es sein, dass offizielle Stellen am Sonntag so lange arbeiten?

Für das Einklarieren musste ich (Erwin) 5 im Ort verstreute Stellen aufzusuchen und überall waren Gebühren zu entrichten und zwar in Bolivar, die ich natürlich nicht hatte. Zudem ist mein Spanisch praktisch Null und dort kann niemand Englisch. Mit überraschender Selbstverständlichkeit bietet sich an der ersten Station, der Küstenwache, ein Uniformierter an, mir beim Geldwechsel zu helfen (Geld wird hier am Schwarzmarkt und nicht in der Bank gewechselt). Zuerst warten wir rund 2 Stunden vor der Apotheke des Ortes, in der üblicher Weise Dollar gegen Bolivar getauscht werden), aber niemand ist da. Mein Begleiter telefoniert. Dann gehen wir zu einem Haus, es wird geöffnet und  drei Venezulaner empfangen uns. Die großen 100-Dollarscheine sind verdächtig. Sie werden zerknüllt und gerieben und dann wird daran gerochen, alles mit entsprechend bedeutungsvoller Mimik. Der Geldwechsel findet aber auch hier nicht statt. Beim Weggehen geben mir die Venezulaner durch Mimik und Gestik zu verstehen, dass ich bei meinem Begleiter von der Küstenwache aufpassen soll. Von dort geht es durch kleine Gassen in ein Hinterzimmer in einer Seitengasse. Für meine 200 USD liegt dann ein riesiger Haufen Geldscheine auf dem Tisch. Ich kann überhaupt nicht abschätzen, wie viel das ist und ob es halbwegs fair ist, aber ich akzeptiere es. Gottseidank habe ich einen Rucksack dabei. Beim Weggehen sagt mein Begleiter einige Male zu mir  "Amigo, Amigo" und deutet dabei auf sich und auf mich. Ich verstehe, habe aber keine Ahnung, was oder wie viel ich ihm geben soll. Immerhin war er den ganzen Nachmittag mit mir unterwegs und ich fühlte mich durch den uniformierten Begleiter halbwegs sicher, obwohl ich zeitweise ein ziemlich mulmiges Gefühl hatte. Also halte ich ihm den offenen Rucksack hin und er greift sich ein Bündel. Ich wollte Ingrid mit dem großen Haufen an Geldscheinbündeln überraschen, aber nachdem ich die weiteren 4 Stationen besucht und alle Gebühren beglichen hatte, war nicht mehr viel davon übrig. In Venezuela gibt es eine riesige Inflation und überall gibt es Geldzählmaschinen, anders kann die Flut an Papiergeld gar nicht bewältigt werden.

Vielleicht hatte das Ganze auch etwas Gutes, jedenfalls sind wir in den rund zwei Wochen im Archipel von den Behörden völlig in Ruhe gelassen worden. Es gibt auch andere Geschichten.

Vor Gran Roque bevölkern hunderte Pelikane und Möwen die Fischerboote und das Wasser. Die Pelikane stürzen sich ins Wasser und fangen Fische, die ihnen die Möwen abjagen wollen. Die Möwen setzen sich auf die Köpfe der Pelikane, die das nicht besonders zu stören scheint. Wir könnten dem Treiben stundenlang zuschauen. Es ist überwältigend.

Von Gran Roque sind wir begeistert. Die sehr einfachen Häuser sind farbenfroh gestrichen. Die Straßen sind nicht befestigt, man geht auf dem natürlichen Sandboden. Es gibt keine Autos. Hunde liegen friedlich in der Mittagshitze mitten auf der Straße und graben sich tiefe Mulden zur Kühlung in den Sand, niemand scheint das zu stören. In den Bodegas, wovon es reichlich gibt und die mit einfachsten Mitteln sehr chic eingerichtet sind, kann man sehr gut essen. Besonders wohl haben wir uns im "Tsunami" gefühlt. Das Essen ist exzellent, die Gänge optimal aufeinander abgestimmt, perfekt angerichtet, haubenverdächtig und für unsere Begriffe überhaupt nicht teuer. Wir zahlen in US Dollar. Als wir das erste mal im "Tsunami" einkehren, wird für uns die 5. Symphonie von Schubert über die Musikanlage gespielt. Wirklich sehr, sehr aufmerksam und freundlich. Wir waren gerührt. Es gibt nur einen "Supermarkt", in dem man - abhängig vom Versorgungsschiff - ein wenig einkaufen kann. 

Los Roques ist ein Archipel, der aus einer Hauptinsel (Gran Roque) und ca. 50 kleinen Inseln besteht. Die Umwelt ist intakt, das Wasser türkisfarben und kristallklar. Es gibt viele Fische, eine beeindruckende Vogelwelt - wenn man zur richtigen Zeit da ist - und weiße Sandstrände. Die meisten (geschätzt einige hundert) der im Archipel lebenden Menschen wohnen auf Gran Roque.

 

Am venezuelanischen Festland und auf einigen Inseln mag es anders sein, aber hier haben wir nie ein unsicheres Gefühl. Der Archipel scheint durch seine Lage  losgelöst von Venezuela zu sein. Wir ankern vor den Inseln, fast immer sind wir auf den Ankerplätzen völlig alleine. 

Obwohl die elektronische Karte von Garmin recht gut stimmt, ist das Segeln wegen der zahlreichen Flachwasserstellen nur tagsüber und mit  Eyeball Navigation empfehlenswert.  

Vereinzelt finden wir einfache "Restaurants" vor. Wir nützen diese Gelegenheit, um fangfrische Fische zu essen. Zumeist sind wir die einzigen Gäste.  

 

Besonders genießen wir den Ankerplatz vor der Insel Crasqui, wo wir eine ganz liebe Familie aus der Schweiz mit zwei kleinen Buben (3 und 5 Jahre) kennen lernen. Sie werden mit ihrer "Edelweiss" wie wir demnächst nach Bonaire segeln. Es gibt einen traumhaften, weißen Sandstrand, eine einmalige Vogelwelt und ein einfaches Restaurant mit einer tüchtigen und warmherzigen jungen Chefin namens Carola. Ihre Tochter Amanda hat zum 4. Geburtstag einen Bikini bekommen, den sie uns voll Stolz vorführt.

Am Ankerplatz vor der Insel Carenero verbringen wir entspannte Tage, bis plötzlich der Generator, während er zum Batterieaufladen läuft, den Geist aufgibt (Fehleranzeige E100 - Bus Error). Eine mittlere Katastrophe. Die von Fischer Panda vorgeschlagenen Maßnahmen sind wirkungslos. Wir müssen bis auf weiteres die Bootsmotoren zum Batterieaufladen einsetzen. Waschtrockner und Klimaanlage können nicht verwendet werden.  

Für das leibliche Wohl haben wir in Grenada vorgesorgt, sodass nicht nur Fisch und Reis am Speiseplan sind.

Nach zwei Wochen, in denen wir die unberührte Natur genossen haben, müssen wir wieder zurück nach Gran Roque zum Ausklarieren. Die Pelikane sind weg. 

 

Wir haben hier eine komplett andere Welt erlebt. Kein Internet, keine Nachrichten, keine Hektik, keine Autos, kein Englisch, nur Spanisch und Zeichensprache. Wir haben freundliche Menschen getroffen, die für westliche Verhältnisse mehr als bescheiden leben, mit einer sympathischen, natürlichen Offenheit und einer positiven Lebenseinstellung.  

 

Am 11. Juli in der Früh legen wir Richtung Bonaire ab. Es sind ca. 130 Seemeilen. Nach Mitternacht dreht der Wind und wir müssen den Gennaker shiften. Das Manöver misslingt und der Gennaker beginnt wild zu killen. Dadurch reißt bei der backbordseitigen Verstagung des Bugsprits der Mantel des Taus an der Klemme und die Seele wird herausgezogen. Der Bugsprit schnalzt steuerbordseitig nach oben und wird nur noch durch den Fußpunkt des Bugsprits gehalten. Der Gennaker ist steuerbordseitig weit außerbord, ist aber noch gut gefüllt. Die Situation scheint so stabil zu sein und da wir gute Fahrt machen, belassen wir es vorerst dabei (es ist Nacht, die See ist sehr rau). Wir warten bis wir in Lee von Bonaire sind, um hier bei weniger Wind den Gennaker zu bergen.

Bonaire

12. Juli - 14. November 2017

Am 12. Juli in der Früh legen wir in der Harbour Village Marina an, etwas außerhalb des Zentrums von Kralendijk, der Hauptstadt von Bonaire. In der Marina leben einige Iguanas. Es sind die ersten, die wir auf unserer Reise zu Gesicht bekommen. 

Bonaire bildet zusammen mit Curacaou und Aruba die ABC Inseln und gehört zu den niederländischen Karibikinseln mit USD als Währung. Bonaire hat etwas mehr als 18.000 Einwohner, die Amtssprache ist Papiamentu (Mischung aus Spanisch, Portugiesisch, Holländisch, Englisch, Französisch mit afrikanischen Einflüssen). Die Insel ist sehr flach und eher trocken, einige Berge befinden sich im Washington Slagbaai Nationalpark im Norden.   

Nach drei Tagen verlegen wir uns von der Marina an eine der Bojen vor Kralendijk, die ebenfalls von der Marina verwaltet werden. Ankern ist zum Schutz der Korallen vor der gesamten Insel  generell verboten (die Küste um Bonaire und um Klein Bonaire ist Marine Park). Die Bojen sind sehr begehrt und wenn eine frei wird, muss man schnell reagieren, sonst ist sie rasch wieder besetzt.   

Das Wasser ist phantastisch klar mit angenehmen 28 Grad. Das Korallenriff, das die Insel umgibt, ist nur ca. 150 m vom Ufer entfernt. Wir liegen an einer Boje, unter der sich in 8-10 m Tiefe große, vitale Korallenstöcke befinden. Wir tauchen direkt vom Boot aus. Wir haben unser eigenes Equipment inklusive Tanks, die wir bei einer nahen Tauchbasis füllen lassen. Es ist einfach perfekt. Bonaire gehört zu den besten Tauchplätzen weltweit. 

 

Die Hauptstadt Kralendijk ist ein sehr lebendiger, bunter Ort mit karibischem Flair und vorwiegend Shops und Restaurants. Wir sind nach wenigen Tagen bereits Stammgäste im Eissalon. Zum Einkaufen muss man an die Peripherie fahren, was kein Problem ist, da täglich ein Kleinbus von der Marina zu einem großen Supermarkt fährt. 

Mit dem Geländewagen fahren wir in den Norden der Insel und besuchen den Washington Slagbaai National Park, der in etwa ein Fünftel der Fläche der Insel einnimmt. Kakteen wohin man schaut. Noch nie zuvor haben wir solche riesigen Kakteenwälder gesehen. Flora und Fauna sind ausgesprochen abwechslungsreich. 

Wir essen viel frischen Fisch. Mehrmals in der Woche schaut ein Fischer nach dem Fischen bei uns vorbei und bietet uns fangfrische Thunfische an. Diese "Fischquelle" hat Erwin aufgemacht, indem er einmal einen vorbeifahrenden Fischer angesprochen hat.  

Robert, Elektroingenieur aus Graz ist nicht nur ein Spezialist auf seinem Gebiet, sondern versteht es auch, den Thunfisch perfekt zu zerlegen. Ein wahres Vergnügen ihm dabei zuzuschauen. Sashimi gibt es sofort, die Filets gibt es gebraten am Abend. 

Wieder mit einem Geländewagen fahren wir entlang der Küste nach Süden und besuchen die  Sklavenunterkünfte (gemauerte winzige Hütten am Strand), die als Mahnmal der Sklaverei erhalten geblieben sind. Gegenüber und schon von weitem sichtbar befinden sich die markanten, weißen Salzberge der großen Saline, die noch in Betrieb ist. 

Bevor wir dem Donkey Sanctuary einen Besuch abstatten, kommen wir noch am Lac Bay vorbei. Der Sandstrand ist extrem flach und ziemlich überlaufen, hat aber durchaus einen gewissen Reiz. Die Leute stehen oder sitzen im kniehohen Wasser herum. Zum Schwimmen lädt es nicht ein. 

 

Im Schritttempo fahren wir durch das Donkey Sanctuary, einem zu Hause für pflegebedürftige und alte Wildesel. Um die 700 Tiere werden hier versorgt. Die Besucher sind eine willkommene Abwechslung für die Esel. Sie laufen neben dem Auto einher und schauen neugierig zu uns herein. Sie sind ganz lieb und gar nicht wild. 

 

23. August: Meinen Geburtstag feiern wir im "Ingridients", einem Restaurant im Buddy Dive Resort etwas außerhalb von Kralendijk. Ein sehr stimmungsvoller, gelungener Abend. Nächste Woche ist es dann bei Erwin soweit.   

 

Wir haben uns an eine andere Boje, etwas weiter weg von Kralendijk, verlegt. Es ist hier viel ruhiger und das Ufer ist naturbelassen (Uferstraße biegt vom Ufer ab). Die Tauchbasis zum Nachfüllen der Tanks ist nun noch näher und wir können von hier aus einen anderen Riffbereich betauchen. 

Wir haben schon länger Zeit die Bootsmotoren nicht gestartet gehabt und beim Verlegen auf die neue Boje springt der Backbordmotor nicht an. Robert von der Seven Seas unterstützt Erwin bei der Fehlersuche. Es stellt sich heraus, dass die "Black Box" des Backbordmotors kaputt ist. In Bonaire gibt es keinen Volvohändler und wir müssen sie in Curacao per Luftfracht bestellen. 

28. Oktober - 3. November: Uli und Marty haben uns besucht und wir haben zusammen eine entspannte und abwechslungsreiche Woche verbracht. Wir haben mit ihnen 'ein Jahr mit der Crocodile unterwegs' (am 29.10. 2016 sind wir von La Rochelle weggesegelt) im Lokal "Cuba Compagnie" gefeiert. Als Nachspeise wurde eine Kubanische Zigarre serviert: Zigarre aus Schokolade mit Nougatfülle, geriebene Nüsse als Asche, garniert mit Marzipaneis (auf jeden Fall eine viel gesündere Variante).  

Unsere Visa, die wir schon einmal verlängert haben, laufen ab. Wir legen daher am 14. November in der Früh Richtung Curacao ab. Die Entfernung beträgt ca. 80 Seemeilen. Die Überfahrt bei Windstärken zwischen 15-20 Knoten dauert 7 Stunden.

Curacao

14. - 25. November 2017

Am 14. November lassen wir am frühen Nachmittag in Spanish Water, in Zone A  des riesigen Ankerfeldes, den Anker fallen. Spanish Water ist ein sehr gut geschützter natürlicher Hafen. Sehr viele Boote liegen vor Anker. Man hat den Eindruck, dass einige schon sehr lange hier liegen. Das Wasser ist glatt und wir haben eher das Gefühl, auf einem großen See zu sein. Die Häuser am Ufer machen einen sehr wohlhabenden Eindruck.    

15. November: Das Einklarieren ist mühsam. Wir müssen mit dem Bus nach Willemstad fahren. Der Zoll ist im Stadtteil Punda, die Immigration im Stadtteil Otrobanda im Industriehafen. Wir brauchen einen halben Tag. 

Willemstad ist die Hauptstadt von Curacao, in der 85% der über 160.000 Einwohner von Curacao leben. Malerische, bunte Gebäude aus der Kolonialzeit prägen das Stadtbild (stehen auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes). Die Stadtteile Punda und Otrobanda werden durch die Königin-Emma-Pondonbrücke verbunden. Diese Fußgängerbrücke öffnet sich, d.h. schwenkt zur Seite, wenn große Schiffe passieren müssen. Am schwimmenden Markt bieten Venezulaner täglich frisches Obst und Gemüse an. Die Qualität ist ausgezeichnet und die Auswahl ist groß. 

Curacao ist ein autonomes Land (wie Aruba und Sint Maarten) innerhalb des Königsreichs der Niederlande. Man kann problemlos mit USD zahlen, die offizielle Währung ist allerdings der Antillen-Gulden. Die Amtssprache ist Holländisch, von der Bevölkerung wird hauptsächlich Papiamentu (wie in Bonaire) gesprochen.  

 

Toni und Manuela, die wir in Los Roques kennen gelernt haben, treffen wir am Ankerplatz in Spanish Water wieder. Sie legen morgen Richtung Kolumbien ab. 

 

Auf Wiedersehen in Santa Marta! 

 

Zum Ausklarieren müssen wir wieder die gleiche Prozedur der weiten Wege durchmachen. Vorteil ist jetzt, dass wir wissen, wohin wir müssen und wann wo die Mittagspausen sind. 

 

Nachdem die Amtswege erledigt sind, kehren wir im Restaurant Gouverneur zum Lunch ein. Wir haben es nicht eilig, erfreuen uns am ausgezeichneten Essen und dem behaglichen Ambiente.  

Nach mehr als einem halben Jahr nehmen wir Abschied von der Karibik. Wir haben beschlossen, nicht in Aruba anzulegen, sondern direkt nach Kolumbien zu segeln.