von Trinidad nach Martinique 2026

2. - 4. April 2026

 

Nach dem Frühstück legen wir von der Boje in der Chaguaramas Bay ab. Endlich ist es so weit: Nach 10 Monaten segeln wir wieder!

 

Die Sonne scheint, der Wind kommt von Ost-Nord-Ost mit 14 - 20 Knoten. Die Windwinkel sind zwischen 50 und 60°, dementsprechend bescheiden ist die Bootsgeschwindigkeit von +/- 5 Knoten. Wir segeln mit dem Groß, in dem das 2. Reff eingebunden ist und dem Vorsegel, die Welle kommt von der Seite, die See ist sehr unruhig. 

 

Ab dem späten Nachmittag setzt eine sehr starke seitliche Strömung ein und wir müssen einen Motor dazunehmen, um den Kurs halten zu können. Wir haben dieses Mal die Route auf der Lee Seite der Inselkette gewählt. Auf der Luv Seite war die Strömung ebenfalls sehr stark.  

 

Die Nacht ist wolkenlos und durch den Vollmond angenehm hell. Wir haben regen Verkehr von Großschiffen, Segelboot sehen wir nur eines am Monitor. 

 

3. April:

Ab in der Früh ist die See deutlich ruhiger und wir haben keine Strömung mehr. Der Wind mit +/- 15 Knoten kommt aus ENE und hin und wieder aus Ost. Wir verzichten auf eine Motorunterstützung und segeln zwar langsam, aber sehr ruhig und angenehm dahin.

 

Am Abend baut sich vor uns eine gewaltige pechschwarze Gewitterfront mit Starkregenzellen auf. Erwin entnimmt aus Fragmenten eines Funkspruchs die Information von einer Sturmregenfront mit bis zu 50 Knoten Windgeschwindigkeit. Wir versuchen, der Front etwas auszuweichen und ändern unseren Kurs, safety first. Der Wind ist in den hohen Zwanzigern, die See extrem unruhig. 

 

Mitten in der Nacht höre ich vom Dach kommende beunruhigende Geräusche. Ich wecke Erwin auf. Die Lazy Bag Aufhängung ist backbordseitig gerissen und der Lazy Bag und der gereffte Teil des Groß liegen auf dem Dach. Wir müssen es dabei belassen und können mit halbem Wind so weitersegeln. 

 

 

4. April:

Wir ändern den Kurs nach Steuerbord und die letzten 10 Seemeilen nach Saint-Anne kommt der Wind genau von vorne. Wir bergen das Vorsegel und dann das Groß. Das Groß fällt leicht herunter und wir fixieren es so gut es geht am Dach. Ist einfacher, als wir befürchtet haben. 

Martinique 2026

4. - 21. April 2026

Saint-Anne

4. April:

Nach 248 Seemeilen und 54 Stunden lassen wir am späten Nachmittag in der Bucht Cul-de-Sac vor Saint Anne den Ankerfallen. Wir versorgen uns in der Boulangerie und im U Market mit frischen Köstlichkeiten und erfreuen uns an einem stimmungsvollen Sonnenuntergang. Es ist schön, wieder hier zu sein.  

Wir machen eine ausgedehnte Wanderung entlang der Küste. Leider wird die Idylle zeitweise durch Zeltlager entlang der Wanderwege unterbrochen. Es ist Ostern und viele Einheimische machen hier Osterurlaub. Die Zelte sind vor allem dort aufgestellt, wo sich Autoparkplätze in der Nähe der Wanderwege befinden. Die Zelte sind groß, es sind Generatoren aufgestellt, die einen Höllenlärm machen, riesige Kühlboxen, Kochstellen, Bänke und Tische, etc.  Die Frauen kochen, die Männer liegen in den Hängematten, die Kinder spielen am Strand im Sand. Um Trinkfestigkeit zu demonstrieren, sind dutzende leere Flaschen mit Etiketten harter Alkoholika an Schnüren rund um einige Zelte herum drapiert, ein trauriger Anblick.

Der gerissene Lazy Jack backbordseitig muss wieder instandgesetzt werden. Erwin hat noch in Wien einen Alpinklettergurt in einem Fachgeschäft für Bergsteiger gekauft, der ihm beim Probieren ein sicheres Gefühl vermittelt hat. Vorher hatten wir einen klassischen Bootsmannstuhl, praktisch ein mit einer Schaumstoffauflage gepolstertes Brett, damit ist Erwin gerade einmal bis zur ersten Saling hochgekommen, und das mit einem schon sehr mulmigen Gefühl.

 

Mit der Elektrowinsch winsche ich Erwin im Alpinklettergurt problemlos bis zur zweiten Saling hoch, er kann den Lazy Jack von dort herunterziehen. Mit einem Palstek werden die gerissenen Teile verknüpft und der Lazy Bag ist wieder verwendbar. War leichter lösbar als gedacht. Erwin ist überzeugt, mit dem Alpinklettergurt auch problemlos bis zur Mastspitze zu kommen, das sind 20 Meter über dem Wasserspiegel.

 

13. April:

Wir wandern zum Strand Les Salines, kehren zu Mittag in einem sehr angenehmen Strandrestaurant ein und verbringen den Nachmittag am Strand. 

 

Am Rückweg sind wir ziemlich fertig, wir haben zu viel Sonne erwischt. 

Am 16. April in der Früh holen wir den Anker auf und segeln entlang der Westküste nach Saint-Pierre. Es scheint die Sonne, der Wind ist zwischen 12 und 17 Knoten, kommt vorwiegend aus Ost, die Windwinkel sind zwischen 140 und 170°, wir haben das Vorsegel für raumen Wind gesetzt. Wir müssen einen Motor zum Batterieladen und zum Wassermachen laufen lassen. 

Saint-Pierre

16. - 21. April

 

Nach 31,3 Seemeilen und 6 Stunden erreichen wir Saint-Pierre und hängen uns an eine Boje an. Das Bojenfeld ist gut frequentiert, es gibt aber noch genug freie Bojen. 

Der Mount Pelée ist wie fast immer in Wolken gehüllt.

 

Unser erster Weg führt uns in das Eisgeschäft gegenüber der Kathedrale, in dem es ausgezeichnetes, lokal hergestelltes Fruchteis gibt. Das Eisgeschäft ist erst am Nachmittag geöffnet, am Vormittag wird das Eis gemacht, es ist immer frisch. 

19. April:

Heute wollen wir zu Mittag im Restaurant 1643 essen und anschließend den Zoo besuchen. Restaurant und Zoo sind nur 20 Gehminuten entlang der Küstenstraße von Saint-Pierre entfernt.  Es war gut, dass Erwin einen Tisch reserviert hat, denn sie sind alle besetzt. Es gibt einen großen überdachten Außenbereich in einem dicht bewachsenen Garten, die Ausstattung ist einfach mit Stil, das Essen hervorragend. 

 

Danach durchwandern wir zwei Stunden lang den Naturpark, in dem sich der Zoo und die Ruinen der vom Vulkanausbruch zerstörten Habitation Latouche befinden. Der Entwurf des Naturparks stammt von Jean-Philippe Thoze, der auch den Botanischen Garten in Fort-de-France gestaltet hat.

Wir beobachten einen weißen Kakadu, den etwas unter seinem Flügel sehr zu stören scheint. Er hebt ihn ständig und versucht sich mit seinem Schnabel Linderung zu verschaffen. Ein rosafarbener Kakadu setzt sich neben ihn hin und der weiße Kakadu scheint ihn zu bitten: "Bitte kratz mich." Er hebt den Flügel und wird sogleich und ausgiebig vom rosafarbenen Kakadu dort beknabbert und gekratzt. Es ist schön und berührend zu sehen, wie sich die beiden Vögel verstehen.

21. April:

Saint-Pierre hat uns sehr gut gefallen. Um 18 Uhr löst Erwin die beiden Taue von der Boje und wir fahren aus der Bucht hinaus. Der Wind kommt aus Ost-Nord-Ost mit 10 Knoten, der Windwinkel ist um 80°. Wir rollen den Code Zero aus und segeln mit etwas mehr als der halben Windgeschwindigkeit ruhig dahin. Die Sonne geht langsam unter, beleuchtet das große Segel. Es ist schön. 

 

In der Nacht verschlechtert sich der Windwinkel zunehmend und wir müssen den Code Zero einrollen, segeln mit dem Vorsegel und Motorunterstützung weiter.