von Dominica nach Martinique

Der Wind kommt mit +/-20, maximal 27 Knoten aus Ost und Ost-Süd-Ost. Statt der Süd- wäre uns eine Nordkomponente lieber, wir sind aber mit >7 Knoten Bootsgeschwindigkeit gut unterwegs.

 

Der Wind dreht gegen Mittag auf Ost-Nord-Ost, der Windwinkel ist deutlich günstiger und wir erreichen bis 8,4 Knoten Bootsgeschwindigkeit. Die starke Ost-Strömung im Dominica-Martinique Channel bedingt, dass wir drei Seemeilen vom Kurs abkommen, was wir in Kauf nehmen. 

 

In Sichtweite von Martinique kommt uns ein riesiger Sargassum Teppich entgegen, dem wir nicht ausweichen können, wir müssen wieder einmal durchfahren. Die Bootsgeschwindigkeit fällt von >7 auf 2,8 Knoten ab. 

 

Nachdem wir durch sind, befreit Erwin die Propeller vom Sargassum, indem er kurz die Retourgänge einlegt. 

 

 

 

Martinique

 

Etwa eine Stunde vor Saint-Pierre, wir sind bereits in der Windabdeckung von Martinique, lässt der Wind deutlich nach und wir starten einen Motor, kurz darauf steigt der Wind auf über 20 Knoten an und kommt von vorne, direkt auf die Nase. Wir bergen die Segel und fahren mit beiden Motoren in die Bucht vor Saint-Pierre hinein. 

 

Saint-Pierre

 

10. - 13. Juni 2026

 

Nach 38,7 Seemeilen und 6:30 Stunden legen wir am Nachmittag in dem großen, für die Nachsaison gut frequentierten Bojenfeld an einer Boje an.   

Die drei Tage in Saint-Pierre sind entspannend. Der Ort vermittelt mit der strahlendweißen Kathedrale und der Replica der ehemaligen Börse im kreolischen Stil eine besondere Atmosphäre. Im Ort allgegenwärtig sind die Ruinen des Vulkanausbruchs. Wir sind gerne hier. 

 

Saint-Pierre liegt am Fuß des Mount Pelée, nahe der Siedlung der karibischen Ureinwohner, die 1658 von den europäischen Siedlern ausgerottet worden sind. Die Legende besagt, dass die letzten von ihnen vor ihrem Tode den Vulkan beschwört hatten, das erlittene Unrecht zu rächen.

 

Zu Christi Himmelfahrt, am 8. Mai 1902 um 8:02 Uhr kam es zu der gewaltigen, alles zerstörenden Eruption, der an die 30.000 Menschen zum Opfer fielen. 12 in der Bucht vor Anker liegende Schiffe wurden ebenso zerstört, ein Schiff mit einigen Überlebenden konnte der Katastrophe entrinnen. Die Wracks der Schiffe liegen in einer Ankerverbotszone, sind mit Bojen markiert und können betaucht werden. 

 

Wir gehen zum Digicel Shop und wollen Aufklärung, warum wir bereits in Antigua Anfang Mai kein Internet mehr hatten, obwohl wir Anfang April von Saint-Anne aus für die gesamte Karibik einen Vertrag abgeschlossen hatten. In einem Telefonat der Digicel-Angestellten mit der Zentrale stellt sich heraus, dass wir gar keinen validen Vertrag haben. Da wir ihn weder telefonisch noch per E-Mail gekündigt hatten, kann das nur durch einen Fehler in der Zentrale passiert sein. Wenigstens herrscht jetzt Klarheit. Wir schließen einen neuen Vertrag ab und bekommen eine neue SIM-Karte.          

Hurricans

Vom 1. Juni bis 30. November ist Hurrikan Zeit in der Karibik und es gibt keinen Versicherungsschutz durch Schäden durch einen Sturm mit Namen in dieser Zeit. Wir sind aber immer noch hier. Die Karibik ist groß und Hurrikans kommen im Juni, wenn überhaupt, nur ganz im Westen entlang der Landverbindung zwischen Nord- und Südamerika vor und das nur etwa alle zwei Jahre.  Auf der Webseite https://www.nhc.noaa.gov/ gibt es Vorhersagen für 7 Tage im Voraus, ob sich ein gefährlicher Sturm bildet, und man könnte immer noch der prognostizierten Zugbahn ausweichen. 

13. Juni:

Heute wollen wir nach Sainte-Anne segeln, das am südlichen Ende von Martinique liegt. Um 8:30 Uhr löst Erwin die Leinen von der Boje. Mit dem Vorsegel und Motorunterstützung segeln wir die Westküste entlang. Es ist stark bewölkt und der Wind ist schwach. Wir sind erst ein paar Minuten unterwegs und sichten nahe der Küste eine kleine Schule von Delfinen, einer springt hoch aus dem Wasser heraus. Delfine kommen in der Karibik angeblich häufig vor, heute sehen wir sie zum ersten Mal, obwohl wir in den vergangenen Jahren mehrmals einige Monate in der Karibik gesegelt sind.   

 

Der Wind legt auf +/-20 Knoten zu und kommt vorwiegend aus Ost, für uns ein schlechter Windwinkel zwischen 30 - 45°, die Welle von seitlich-vorne. Es macht keinen Sinn das Groß zu setzen, wir segeln mit dem Vorsegel und Motorunterstützung weiter.

 

Gegen Mittag legt der Wind aus Ost weiter zu, inzwischen beständig zwischen 28 - 30, maximal 31,4 Knoten von vorne, die hohen Wellen kommen ebenfalls von vorne. Wir müssen den zweiten Motor dazunehmen, erreichen damit lediglich etwas über 4 Knoten Bootsgeschwindigkeit. 

 

Erst nachdem wir am Diamond Rock vorbei sind und tiefer in die Bucht Cul-de-Sac de Marin hineinfahren, lassen die Wellen deutlich nach, der Wind nicht. Wir steuern die Ankerplätze in der Nähe von Sainte-Anne an. In der Bucht liegen viel mehr Segelyachten vor Anker als die letzten Male, die wir hier waren. 

 

Segeln in der Karibik ist keine reine Freude, der Wind ist sehr launenhaft und wechselt oft in Stärke und Richtung. Die in Südafrika gekauften Segel, den 95 m2 großen asymmetrischen Spinnaker und den 75 m2 großen Code Zero haben wir in der Karibik bisher noch gar nicht (Asymmetric) bzw. nur selten (Code Zero) eingesetzt. 

 

Es gibt eine Ost-West Strömung, mit der man ständig nach Westen verschoben wird. Um das auszugleichen, muss man höher am Wind segeln, aber dann ist der Windwinkel wieder schlechter.

 

Man kann in der Karibik von Osten nach Westen segeln, zurück gegen den vorherrschenden Ostwind und die Wellen ist das nur mit Motorkraft möglich, sehr langsam und auch unbequem.

 

Von Süd nach Nord und zurück geht so einigermaßen, wenn man Glück hat und der Wind mitspielt. Die Wetterprognosen stimmen mit der Realität im Allgemeinen nur wenig überein.

 

Sainte-Anne

13. - 26. Juni 2026

 

Kurz vor 15 Uhr lassen wir nach 31,5 Seemeilen und 6:30 Stunden während eines Regengusses den Anker fallen. Bis er richtig sitzt und wir anderen Yachten nicht zu nahekommen, ankern wir noch zweimal um.

 

Es regnet hier sehr viel, meist nur kurze, aber sehr heftige Schauer. Der Wind kommt konstant aus Osten mit um die 20 Knoten, die Wellen sind durch die Landabdeckung niedrig. Unser Katamaran liegt ruhig vor Anker und im Cockpit sind wir gut abgeschirmt. Erst wenn wir das Cockpit verlassen, dann merken wir, wie stark der Wind tatsächlich bläst.

 

Wir fahren des Öfteren von Sainte-Anne mit dem Bus nach Le Marin, einer Stadt am Ende der tief eingeschnittenen Bucht Cul-de-Sac de Marin. 

 

Le Marin

Le Marin ist in Martinique das Zentrum für Segler. Es sind hier hunderte Yachten geankert und es gibt eine große Marina mit hunderten Liegeplätzen für Charteryachten, Restaurants und Geschäften. Für uns interessant sind die sehr gut sortierten Chandleries.

 

22. Juni:

Heute besuchen wir die Église Saint-Étienne du Marin. Die aus dem 18. Jahrhundert stammende Kirche liegt etwas erhöht über der Bucht. Sie ist nach dem Schutzpatron der Seefahrer benannt. Das Gewölbe ist der Form eines Schiffsrumpfes nachempfunden.

Der an die Kirche anschließende Friedhof ist malerisch. Die französischen Friedhöfe in der Karibik mit den kleinen, aber aufwändig hergestellten Totenhäuschen für mehrere Generationen unterscheiden sich eklatant von den Friedhöfen auf den ehemals englischen Inseln, bei denen schmucklose Rasengräber mit einem dahingeworfen ausschauenden Gedenkstein vorherrschen.

24. Juni:

Nachdem wir unsere Einkäufe für das Boot (Staubsauger, Luftentfeuchter, Toaster, Duscharmaturen und WC für das Gästebad, etc.) erledigt haben, werden wir in zwei Tagen weiter Richtung Süden segeln. Wir planen, auf der Insel St. Lucia ein paar Tage Halt zu machen. Die Wettervorhersagen sind, so sie eintreffen, günstig. Wir überlegen, in Soufriere eine Mooring-Boje zu nehmen, es sind rund 40 Seemeilen, wir rechnen mit etwa 7 Stunden. 

 

Vor 9 Jahren waren wir schon einmal in St. Lucia. Am 2. Februar 2017 haben wir nach unserer Atlantiküberquerung in der Rodney Bay Marina angelegt.   

26. Juni:

Um 7:40 Uhr fahren wir aus der Bucht hinaus. Das Groß haben wir noch am Anker gesetzt. Es scheint die Sonne, der Wind kommt aus ENE mit um die 14 Knoten.