Die Prognosen sagen schwache Winde aus annähernd der richtigen Richtung voraus, daran soll sich auch in den nächsten Tagen nichts ändern.
Um 18 Uhr legen wir von der Boje ab. Der Wind kommt aus Ost-Nord-Ost mit 11 Knoten. Wir rollen den Code Zero aus und segeln bei untergehender Sonne, die das große Segel anleuchtet, aus der Bucht hinaus. Das Wasser ist glatt und wir segeln mit etwas mehr als halber Windgeschwindigkeit ruhig dahin.
Der Wind schläft nach Mitternacht ein und bei 6 Knoten müssen wir den Code Zero einrollen. Wir segeln mit Vorsegel und Motorunterstützung weiter.
Am 22. April ab 3 Uhr früh nimmt der Wind mit einer mehr nördlichen Komponente zu, den Code Zero können wir wegen des schlechten Windwinkels nicht mehr einsetzen.
22. April - 2. Mai 2026
22. - 25. April
Nach durchsegelter Nacht, 77 Seemeilen und 15 Stunden, hängen wir uns um 9 Uhr früh an die vorletzte freie Boje vor dem malerischen Ort Bourg auf der Insel Terre-de-Haut an, die etwa 3.000 Einwohner hat.
Es gibt einen bequemen Dinghy Steg im Ortszentrum. Uns gefällt die relaxte Stimmung in den belebten schmalen Gassen mit ihren bunten, kleinen Häusern und den unzähligen Läden und Lokalen. Hühner und Hennen mit ihren Küken laufen auf den Gehsteigen herum. Hunderte, vorwiegend junge, französische Tagestouristen kommen täglich in der Früh mit den Schnellfähren von Pointe à Pitre, mieten Golfcarts oder Roller und bevölkern den Ort und die Strände. Die Bucht wird als eine der schönsten in der Karibik beworben.
24. April:
Wir mieten ein Golfcart, sind bereits um 8 Uhr in der Früh bei der Vermietung, der einzigen im Ort. Wir wollen den Ansturm, wenn die erste Fähre ankommt, vermeiden. Wir fahren zum Fort Napoléon hinauf, der Parkplatz ist noch komplett leer. Wir verbringen den Vormittag in der weitläufigen Parkanlage mit traumhaften Ausblicken auf die Bucht und in den Innenräumen des sehr gut erhaltenen Forts.
Danach besuchen wir einige Strände. Ein großes Problem ist Sargassum, eine Braunalge, die sich in braun-goldenfarbigen Matten in den letzten Jahren auch in der Karibik immer mehr ausbreitet. Abhängig von Wind und Strömung wird das Sargassum angeschwemmt, verfault und verbreitet einen üblen Geruch. Irgendwelchen Nutzen konnte man bis jetzt nicht aus dem Sargassum ziehen, auch als Dünger ist es nicht zu gebrauchen.
25. April:
Kurz nach 9 Uhr früh legen wir von der Boje ab. Wir wollen heute nach Deshaies segeln, dem letzten Ort im Norden von Guadeloupe, wo wir ausklarieren können. Wir haben schwache Winde zwischen 8 - 13 Knoten aus Ost-Süd-Ost und Süd-Ost kommend und haben den Code Zero gesetzt. Die Sonne scheint, das Meer ist sehr ruhig, die Welle nachfolgend, das große Segel zieht uns mit 5 bis 6 Knoten, etwas mehr als der halben Windgeschwindigkeit. Es ist ein herrlicher Segeltag. Hoffentlich bleibt es so, wir haben noch dreieinhalb Stunden vor uns. Wir segeln etwa zwei Seemeilen entfernt die Westküste entlang und haben erfreulicherweise Internet.
Dann schläft der Wind komplett ein und wir müssen den Code Zero einrollen und einen Motor starten. Es kommt nach einiger Zeit zwar wieder Wind auf, aber aus Nord, dann aus Süd-West, er hat nach der Flaute komplett gedreht. Wir segeln die noch verbleibenden paar Seemeilen mit Vorsegel und Motorunterstützung, um noch vor der Dunkelheit unser Ziel zu erreichen.
25. April - 2. Mai
Nach 33,2 Seemeilen und 6 1/2 Stunden fahren wir in die von hohen Felswänden umgebene Bucht hinein. Sie ist voll mit Segelbooten, die Bojen sind alle besetzt. Wir müssen ankern. Bei der Suche nach einem passenden Platz beginnt es heftig zu regnen. Wir lassen den Anker fallen, das Wasser ist nur 4 bis 5 Meter tief, dazu ist es fast windstill, daher geht alles sehr schnell und wir flüchten ins Cockpit.
Am Abend kommt wieder die Sonne hervor. Bevor sie untergeht, wird die Waterfront von Deshaies noch effektvoll angestrahlt.
Das Internet ist in diesem Bereich der Bucht sehr schlecht. Wir können zwar telefonieren, können aber keinen Wetterbericht etc. herunterladen.
27. April:
Es sind drei Bojen freigeworden und wir verlegen uns auf die gegenüberliegende Seite der Bucht. Hier ist das Internet sehr gut.
Von Guadeloupe wollen wir weiter nach Antigua segeln. Erst am 2. Mai sind die Wetterprognosen für die Überfahrt günstig. Antigua liegt etwas mehr als 40 Seemeilen nördlich von Guadeloupe, ist eine britische Insel. Wir waren einmal dort auf Urlaub, das ist allerdings schon eine halbe Ewigkeit her.
28. April:
Nachdem wir uns in der Boulangerie mit Cappuccino und Pain aux Raisins bei einem zweiten Frühstück gestärkt haben und für die nächsten zwei Tage ein Mietauto organisiert haben, verbringen wir den heutigen Tag im Jardin Botanique, der hoch über dem Ort Deshaies liegt. Voriges Jahr sind wir zu Fuß hinaufgegangen und sind schweißgebadet oben angekommen, die Straße ist steil und es geht ständig bergauf, das tun wir uns kein zweites Mal an und lassen uns von einem Kleinbus des Botanischen Gartens abholen und hinaufbringen.
Der Botanische Garten ist auch beim zweiten Mal sehenswert und beeindruckend. Wir füttern Kois, Sittiche und Bergziegen. Die Tiere sind immer hungrig und nehmen das Futter von den Besuchern gerne an.
Zu Mittag essen wir im Panorama Restaurant, einem gepflegten Restaurant mit kreolischer und französischer Küche, das inmitten des Botanischen Gartens oberhalb eines kleinen Wasserfalls mit einem wunderbaren Blick über die Gartenanlage liegt. Wir genießen es sehr.
29. April:
Heute fahren wir zum Zoo de Guadeloupe au Parc des Mamelles. Auch heuer sind wir von der Anlage mit den verzweigten, in mehrere Etagen angelegten Hängebrücken, der unglaublich üppigen Vegetation und den riesigen Bäumen begeistert.
Die Waschbären sind eine besondere Attraktion, nicht nur für die Kinder. Man kann beim Eingang Futter für sie kaufen und die niedliche Art, wie sie darum betteln, ist einfach herzerfrischend.
Die sonst so aufgeweckten Lemuren treffen wir im Entspannungsmodus an.
Der Jaguar ist ebenfalls völlig relaxt
Der Zoo liegt an der D23, der Straße, die die Hauptinsel Basse-Terre durchquert. Nach dem Zoobesuch fahren wir die D23 weiter Richtung Grande-Terre, der zweiten Hauptinsel von Guadeloupe, um die Stadt Pointe-á-Pitre zu besichtigen. In einem von unseren Guadeloupe-Guides ist sie sehr positiv beschrieben, unsere Autovermieterin in Deshaies hat eher davon abgeraten. Da wir ohnehin quasi am Weg sind, fahren wir hin.
Pointe-á-Pitre ist eine überraschend große Stadt mit viel Verkehr, Stadtautobahnen, Industriezentrum, etc., für uns eine einzige Enttäuschung. Wir haben eine kleinere, beschauliche Stadt mit einem historischen Kern und gut erhaltenen Häusern aus der Kolonialzeit erwartet. Wir parken im Zentrum am Platz des Sieges und gehen das Viertel ab. In der Nähe sind zwei Kathedralen, sie sind geschlossen, und andere namhafte Institutionen. Kein Zweifel, wir sind im Zentrum der Stadt. Alles wirkt heruntergekommen, die wenigen Geschäfte sind geschlossen, wir machen uns auf den Weg zurück.
30. April:
Wir fahren zu den Cascades aux Ècrevisses, einem von mehreren Wasserfällen im Nationalpark Guadeloupe auf der Hauptinsel Basse-Terre. Von hier sollte laut einer großen Informationstafel ein Wanderweg wegführen, wir gehen zweimal bis zum Wasserfall, klettern herum und suchen den Wanderweg erfolglos. Bei näherer Betrachtung der Karte ist sie ziemlich falsch und den prominent dargestellten Wanderweg gibt es gar nicht. Man empfiehlt uns, zum Haus des Waldes zu fahren, hier gibt es eine kleine, nette Ausstellung zum Wald, den Tieren und Insekten, aber keine Wanderkarten. Die Franzosen sind kein Volk von Wanderern.
Beim Haus des Waldes finden wir letztlich einen attraktiven Rundwanderweg, der durch unberührten Urwald führt und wo wir völlig alleine sind. Die Üppigkeit der Vegetation ist beeindruckend, auf den Bäumen siedeln eine Vielzahl von Farnen und Pflanzen. Hoch oben im Blätterdach wachsen Pflanzen auf den Bäumen, die viele rund ein Millimeter dicke Versorgungsleitungen zum etwa 25 bis 30 Meter tiefer liegenden Waldboden hinunterschicken. Licht und Sonne gibt es oben, Nährstoffe und Wasser werden vom schattigen Waldboden nach oben transportiert. Ein erstaunliches Lebenskonzept und eine enorme Anpassungsleistung. Wir hören viel Vogelstimmen, sehen aber keinen einzigen Vogel.
2. Mai:
Um 7 Uhr früh legen wir nach Antigua ab. Die Wetterprognosen sind günstig. Es sind ungefähr 40 Seemeilen Richtung Norden, wir rechnen mit 6 - 7 Stunden. Wir steuern den English Harbour im Süden der Insel an.