von Guadeloupe nach Antigua

zurück nach Guadeloupe und weiter nach Dominica

2. Mai:

Die Sonne scheint, der Wind kommt anfänglich aus Ost-Nord-Ost mit um die 10 Knoten, die Welle von der Seite, was das Boot unruhig macht. Wir haben das Vorsegel ausgerollt und hoffen, dass der Wind wie prognostiziert bald nach Ost bzw. Ost-Süd-Ost dreht. Die ersten Seemeilen sehen wir immer wieder unscheinbare Fischerbojen, auch leere Plastikflaschen, die als solche fungieren, über die wir nicht drüberfahren wollen. 

 

Nach etwa einer Stunde entscheiden wir uns, das Großsegel zu setzen. Da der Wind auf Ost und unter 14 Knoten bleibt, rollen wir zusätzlich den Code Zero aus. Damit machen wir einen regelrechten Sprung nach vorne. Hatten wir vorher eine Bootsgeschwindigkeit von +/- 6 Knoten, segeln wir jetzt mit den drei Segeln im Schnitt 8,5 Knoten. Dabei ist das Boot wesentlich ruhiger, es ist ein optimaler Zustand. Für einen besseren Windwinkel müssen wir etwas vom Kurs abweichen. 

 

Nach 5 Stunden nimmt der Wind auf bis zu 20 Knoten zu, die Bootsgeschwindigkeit ist über 9 Knoten. Wir sind mit den drei Segeln übertakelt und wollen den Code Zero möglichst rasch einrollen. Es gibt Probleme und Erwin kämpft mit aller Kraft, bis das Segel endlich eingerollt ist. Die letzten 11 Seemeilen segeln wir mit Vorsegel und Groß, kommen nicht gut voran, weil wir die Kursabweichung korrigieren müssen, wodurch der Windwinkel recht schlecht ist. 

 

Wir haben uns im English Harbour zum Einklarieren angemeldet, er liegt an der Südküste von Antigua. Neben dem English Harbour liegt der Falmouth Harbour, der etwas größer ist. In beiden Häfen gibt es mehrere Marinas und Buchten zum Ankern. 

Antigua

2. - 27. Mai 2026

 

Antigua, gehört seit 1981 nicht mehr zum Vereinigten britischen Königreich, bildet gemeinsam mit Barbuda den unabhängigen Staat Antigua and Barbuda. Antigua liegt in der östlichen Karibik zwischen dem Nordatlantik (die Ostküste) und dem Karibischen Meer (die Westküste). 

English Harbour

2. - 9. Mai:

Nach 42 Seemeilen fahren wir in den English Harbour hinein. Wir durchqueren ihn langsam und halten Ausschau nach einem geeigneten Ankerplatz. Wir entscheiden uns für ein breite Lücke zwischen den geankerten Yachten in der Freeman Bay, die an der Hafeneinfahrt liegt. Eine gute Wahl, der Ankerplatz ist sehr schön und ruhig, das einzige Problem sind die nicht vorhersehbaren Bootsbewegungen. Der natürliche Hafen hat eine schmale Öffnung zum offenen Meer, durch das die Wassermassen bei Ebbe und Flut herein- und wieder hinausmüssen. Das ergibt Strömungen und der Wind wechselt wegen der umgebenden Hügel oft in Richtung und Stärke. Der Kapitän einer neben uns liegenden Yacht kommt mit dem Dinghy vorbei und erzählt, dass in der letzten Nacht um 3 Uhr früh seine und unsere Yacht Heck an Heck so knapp zueinander gelegen sind, dass man von einem Heck auf das andere hätte hinübersteigen können. Seiner robusten Aluyacht würde ein Kontakt ja nichts ausmachen, aber wir hätten ein Problem. Alles total freundlich und cool erzählt, echt britisch. In der Hochsaison würden die Yachten hier viel dichter nebeneinander liegen und es gäbe ständig Probleme. Erwin betaucht unsere Ankerkette und den Anker, kann wegen des trüben Wassers nur erahnen, wie der Anker liegt. Wir nehmen an, dass er im Sand eingegraben ist und daher gut hält, verkürzen unsere Ankerkette um 3 Meter und das Problem sollte damit entschärft sein.

Bei der Einfahrt zum Hafen, gegenüber von unserem Ankerplatz, befinden sich die Überreste des Fort Berkeley, einer ehemaligen Befestigungsanlage aus der Kolonialzeit.

3. Mai:

In der Früh fahren wir mit dem Dinghy zum Einklarieren. Wir haben uns bereits über die Internetplattform SailClear vorangemeldet und die Bürokratie ist hier erfreulicherweise sehr effizient. Immigration, Customs und Port Authority sind gemeinsam in einem der historischen Gebäude im Nelson's Dockyard untergebracht, alles geht rasch. Es sind einige Gebühren zu entrichten (für Einreise, Ankern, Segeln, Abfall, Instandhaltung, etc.). Antigua hat als Währung den ostkaribischen Dollar, die Preise werden zur leichteren Orientierung auch in USD angegeben. 

Nelson's Dockyard

Nelson's Dockyard ist seit 2016 als Weltkulturerbe gelistet und befindet sich im gleichnamigen Nationalpark. Wir sind von der Anlage positiv überrascht. Alles ist sehr gepflegt, die aus dem 18. Jahrhundert stammenden Gebäude sind aufwändig und perfekt restauriert. Neben den offiziellen Einrichtungen werden sie heute als Museum, Geschäfte, Restaurants und Hotels genutzt.

Der Dockyard, benannt nach Admiral Horatio Nelson, zeugt von der ehemaligen großen strategischen Bedeutung der Insel für die britische Marine. Er diente während der Napoleonischen Kriege als Stützpunkt für die britische Royal Navy und ist die touristische Hauptattraktion von Antigua. 

Die mächtigen Säulen haben früher die Segelwerkstatt getragen. Ein Erdbeben und einen späteren Hurrikan haben diese Werkstätten nicht überlebt und die Zeit der Segelschiffe war auch schon ziemlich vorbei. 

Hier liegen einige Luxussegelyachten, 100 und mehr Fuß lang. Die Masten sind unglaublich hoch, wir wundern uns, wie diese Yachten unter voller Besegelung zu beherrschen sind und wieviel Besatzung man dazu braucht. Sicher sehr beeindruckend und eine der preisgünstigsten Möglichkeiten zu demonstrieren, dass man nicht arm ist.

 

Antigua hat eine lange Segeltradition. Die jährliche Antigua Race Week, die seit 30 Jahren Ende April ausgetragen wird, zieht mehr als 250 Yachten aus etwa 20 Ländern an. Gesegelt wird um die Insel herum, ein riesiges sportliches und gesellschaftliches Spektakel.    

 

Am 5. Mai nehmen wir uns den Aufstieg zum Lookout zu dem ehemaligen militärischen Beobachtungsposten Shirley Hights aus dem 18. Jahrhundert vor. 

Carpenter Rock Trail

Eher zufällig nehmen wir diesen Trail, denn Wegweiser gibt es nicht. Der Pfad führt uns über zweieinhalb Stunden, teilweise bergauf, dann wieder bergab zwischen Kakteen und dornigen Büschen über Felsen zum Shirley Hights Lookout. Es gibt drei Pfade zum Lookout und dieser ist der landschaftlich reizvollste aber auch der anstrengendste und längste. Auch nicht ganz ungefährlich, der Pfad führt manchmal nur ein paar Fußbreit neben der sehr steil abfallenden Küste entlang. Einmal stolpern und man landet im Meer, vorher auf den Felsen. Die Sonne legt sich voll auf die Landschaft und in der Nachmittagshitze sind wir bald schweißgebadet, aber wir haben genug zum Trinken mit. Die Ausblicke auf die zerklüftete Felsenküste sind sehr schön und entschädigen für die Anstrengung.  

Shirley Hights

Der Lookout liegt 150 Meter über dem Meeresspiegel, aber gefühlt haben wir doppelt so viele Höhenmeter zurückgelegt und wir sind erleichtert und erschöpft, als wir oben ankommen. Leider ist das Restaurant geschlossen. Ab Mai ist Nebensaison und offensichtlich ist nur geöffnet, wenn größere Touristengruppen erwartet werden. Schade, uns war sehr nach einer kalten Erfrischung und etwas zum Essen. 

Der Ausblick auf den English Harbour im Vordergrund und dem dahinter liegenden Falmouth Harbour ist schon etwas Besonderes. Wir trinken unseren letzten Rest Wasser und beschließen, nicht auf den Sonnenuntergang zu warten, es ist ziemlich diesig. Einen spektakulären Sonnenuntergang wird es heute nicht geben und wir machen uns auf den Rückweg über die Straße hinunter. Als wir endlich unten am Strand sind, bringen wir das Dinghy ins Wasser. Der Außenborder lässt sich nicht starten. Erwin rudert zu unserem Boot zurück, es sind nur ein paar hundert Meter. Wir klettern aufs Boot, wir sind geschafft, alles gut.

 

9. Mai:

Nachdem wir die beiden Tanks mit Diesel gefüllt haben, verlassen wir nach einer Woche den English Harbour. Hier hat es uns ausnehmend gut gefallen. Die Freeman Bay ist optimal zum Ankern und zum Entspannen. 

 

Unser nächstes Ziel ist der Jolly Harbour. Es sind nur 12 Seemeilen entlang der Westküste. Sie ist hügelig und grün, wirkt eher trocken. Wir sehen immer wieder Resorts, die vom Wasser aus einen guten Eindruck machen, an den langen, weißen Stränden aber kaum Gäste. Die Saison ist definitiv vorbei.  

Jolly Harbour

9. - 13. Mai:

Gegen 16 Uhr segeln wir in das Hafengebiet hinein. Es gibt eine betonnte Fahrrinne mit einer garantierten Wassertiefe, außerhalb gibt es viele Stellen, die sehr seicht sind, manches Mal nur etwas mehr als einen Meter. Der Jolly Harbour ist eine künstlich angelegte Siedlung in einem flachen Uferbereich mit einer Reihe von Kanälen und vielen Zweitwohnsitzen. Wohnen am Wasser ist überall attraktiv, die meisten Parzellen haben einen Steg, an dem Boote vertäut sind. 

Die Bucht, umgeben von grünen Hügeln, ist sehr malerisch. Wir suchen einen Platz zum Ankern, das Wasser ist um die zwei Meter tief, unser Tiefgang voll beladen etwa 1,5 Meter. Nichts für meine Nerven, denn der Tiefenalarm geht ständig los. Bis wir geankert sind, geht die Anzeige der Wassertiefe einige Male bis auf einen Meter hinunter, wir haben aber trotzdem keine Grundberührung, ich fahre sehr langsam, falls es passieren sollte, es ist Sandboden. Ein freundlicher Segelnachbar sagt uns, hier können wir ankern, kein Problem. Nach dem Ankermanöver schauen wir auf die Tidentabelle, es ist gerade Ebbe, also noch niedriger wird das Wasser nicht mehr werden, das beruhigt. Morgen werden wir die Wassertiefe loten und den Tiefenmesser gegebenenfalls neu kalibrieren.

 

Am Ende der Bucht befindet sich eine große, neue Marina, ein überdachter Bereich mit Sitzgelegenheiten und einer ganzen Reihe von Ständen mit Getränken und Essen, alles sehr gepflegt. Unmittelbar daneben ist ein großer Epicurean Supermarket, der alles, was wir bis jetzt in der Karibik gesehen haben, in Auswahl und Qualität, ausgenommen die Boulangeries auf den französischen Inseln, übertrifft.  

 

Nach geruhsamen Tagen in der sehr idyllischen Bucht holen wir am 13. Mai gegen Mittag den Anker auf. Die Ebbe ist gerade vorbei, das Wasser ist 20 cm über dem tiefsten Stand. Unser nächstes Ziel ist die nur etwa drei Seemeilen entfernte Deep Bay. 

 

Es ist sonnig und warm, der Wind kommt sehr variabel hauptsächlich aus Süd-Ost mit bis zu 20 Knoten, die Welle ist niedrig. Wir haben für die kurze Stecke nur das Vorsegel ausgerollt und lassen einen Motor mitlaufen, weil wir den Wassermacher brauchen und die Batterien laden wollen.

Deep Bay

13. - 16. Mai:

 

Um 12:45 Uhr, nach nicht einmal einer Stunde und 3,1 Seemeilen - unsere kürzeste "Überfahrt" bisher - lassen wir vor dem langen Sandstrand mit dem Royalton Resort in 2,6 Metern Tiefe den Anker fallen. 

Fort Barrington

Nach dem Mittagessen besuchen wir das Fort Barrington, das auf einer Halbinsel hoch über der Bucht liegt. Es sind die Überreste einer ehemaligen Gefechtsstellung und eines Beobachtungspostens aus dem 18. Jahrhundert. Der Weg führt direkt hinter dem Strand steil hinauf.  Der Rundumblick ist wunderbar.

Eine Attraktion in der Bucht ist das Wrack eines Schiffes, das vor über hundert Jahren hier gesunken ist. Das Schiff hatte Asphalt aus Trinidad geladen, der sich während der Fahrt entzündet hat. Als die Mannschaft wegen verdächtiger Rauchschwaden den Frachtraum öffnete, kam es wegen der Sauerstoffzufuhr zum Vollbrand. Das Schiff ist gesunken und ist heute ein Anziehungspunkt für Schnorchler und die Heimat vieler Fische.

16. Mai:

Heute segeln wir weiter entlang der Westküste zur Dickenson Bay. Es ist wieder ein kurzer Schlag, ungefähr 4 Seemeilen. Es ist bewölkt, recht böig und es regnet immer wieder kurz. Um 12:15 Uhr holen wir den Anker auf und segeln aus der Bucht hinaus. 

 

Der Wind kommt aus Ost und Ost-Süd-Ost mit 20 - 26 Knoten, die Welle von schräg-vorne. Wegen des schlechten Windwinkels macht es keinen Sinn, Segel zu setzen. Wir fahren mit beiden Motoren und haben den Wassermacher laufen. 

Dickenson Bay

16. - 17. Mai:

 

Nach einer Stunde ankern wir vor dem langen Sandstrand. Eine Reihe von großen Hotelanlagen ist entlang des Strandes dicht an dicht aufgefädelt. Das ist Massentourismus pur, das haben wir nicht erwartet. Die Hotelanlagen sind eingezäunt, am Strandabschnitt davor gibt es Liegen und Sonnenschirme für die Hotelgäste.

 

Die Dickenson Bay ist in unserem Cruising Guide als eine sehr lebendige Bucht mit chicen Strandlokalen beschrieben. Die haben wir nicht gesehen. Der Strand selbst ist attraktiv, sehr lang und breit, aber ausschließlich auf die Hotels ausgerichtet, kein Strand zum Bleiben. Es ist auch außer uns nur noch ein weiterer Katamaran hier.

17. Mai:

Um 11:30 Uhr legen wir von der Dickenson Bay ab. Wir segeln heute zum Great Bird Island, einem entlegenen Naturschutzgebiet, etwa 10 Seemeilen die Küste entlang Richtung Nordosten.

 

Der Wind aus Ost mit +/- 25 Knoten kommt von vorne, wir haben beide Motoren mit 2.000 U/min laufen und wieder den Wassermacher eingeschaltet. 

Great Bird Island

17. - 19. Mai:

 

Um 13:30 Uhr lassen wir nach 8,5 Seemeilen im Lee vom Great Bird Island in sicherer Entfernung von den Riffen den Anker fallen. 4 Segelboote sind bereits hier und kurz nachdem unser Anker unten ist, kommen noch zwei weitere Boote. Offensichtlich haben wir alle den gleichen Cruising Guide.

 

Der Wind bläst unverändert mit 25 Knoten, es ist bewölkt, wir bleiben auf dem Boot. Auch bei den anderen Booten sehen wir die Beiboote hinten hängen. 

 

18. Mai:

Der Wind hat nachgelassen und nach dem Frühstück fahren wir mit dem Dinghy zum Great Bird Island hinüber. Es gibt eine kleine, geschützte Bucht mit Sandstrand, die von Felsen umgeben ist. Diese wird auch von kleineren Tagesausflugsbooten angesteuert. 

  

Wir suchen den Weg auf den Hügel der Insel hinauf, ein Park Ranger erspäht uns und verlangt dafür 20 USD, die wir nicht haben. Er ist auch mit 20 Euro einverstanden. Über eine Holzstiege gelangt man auf den Hügel hinauf, es ist ein Grat mit einem Weg und schönen Rundumblicken. 

 

Oben angekommen, werden wir von einem aufgeregten Gekreische von hunderten Seevögeln, die sehr nahe über unseren Köpfen herumfliegen, "empfangen" und uns manchmal zum Schein angreifen. Hitchcocks Film "Die Vögel" kommt uns in den Sinn. Sie sind offensichtlich sehr beunruhigt durch unsere Anwesenheit. Nach einiger Zeit sehen wir, dass die Vögel hier Bodenbrüter sind, die Nester sind überall, meist mit drei Eiern, manche unmittelbar neben dem schmalen Weg. Wenn wir in die Nähe kommen, fliegen sie auf, um dann, wenn wir in sicherer Entfernung von einigen Metern sind, wieder weiterzubrüten. 

 

Wir sind begeistert, weil wir so viele Vögel da oben nicht erwartet haben. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis für uns, ein einmaliges Naturschauspiel.

Am Strand, auf dem hier einzigen Baum, entdecken wir mehrere Nester mit brütenden Black Noddies, die wir am Lady Musgrave Island in Australien zum ersten Mal gesehen haben.  

19. Mai:

In der Früh leert sich der Ankerplatz und um 10:30 Uhr holen auch wir als letztes Boot den Anker auf. 

 

Zuvor haben wir die Route zu unserem nächsten Ziel, dem Green Island an der Ostküste eingehend studiert. 

 

Auf dem Weg zum Atlantik hinaus gibt es viele Korallenbänke und Flachwasserbereiche. Wir haben die aktuelle elektronische Karte, das beruhigt. 

 

Das Wasser ist kristallklar und die Sicht auf die Korallen unter uns ist sehr gut. Ich schaue am Bug in das Wasser hinunter. Manchmal haben wir nur einen Meter unter dem Kiel und es sieht sehr seicht aus. 

Aus dem Bereich der Riffe und Untiefen im Atlantik angekommen, setzten wir das Groß mit zweitem Reff und das Vorsegel. Der Wind kommt aus Ost mit rund 25 Knoten. Die Fahrt entlang der Ostküste zum Green Island ist sehr unruhig und sportlich. Im flachen Küstenbereich mit rund 20 Metern Tiefe baut sich die Atlantikdünung zu beeindruckenden Wellen mit gefühlten drei Metern Höhe auf, die schräg von vorne backbord kommen. Wir werden eingesalzen und durchgeschüttelt. Der Wind drückt uns in Richtung der Riffe, die durch die Brecher gut sichtbar sind. Wegen des ungünstigen Windwinkels von 40 bis 50° müssen wir einen Motor starten, um nicht auf die Felsenküste getrieben zu werden. 

Nach rund drei Stunden segeln wir in den Leebereich von Green Island und bergen die Segel, alles geht gut. Die Ankerplätze vor dem Green Island sind recht beengt und voll. Wir fahren durch die angrenzende große Nonsuch Bay und steuern die ruhige Browns Bay am hinteren Ende an, die wir als Alternative zum Ankern vorgesehen haben.

Browns Bay

19. - 20. Mai:

 

Wir verbringen einen geruhsamen Nachmittag und Abend am Boot. Um 2 Uhr Früh weckt uns ein sehr heftiger und langer Regen. Das Deck und die Fenster im Salon sind in der Früh blitzsauber und entsalzen.

Am Vormittag fahren wir durch die Nonsuch Bay zurück zum Green Island.

Green Island

20.- 21. Mai:

 

Wir haben Glück und finden einen Ankerplatz vor dem West Beach. Es sind noch 4 weitere Boote hier und damit ist der Ankerplatz voll. Wir sind durch die Riffe ganz gut abgedeckt, weiter vorne sehen wir die Brandungswellen vom Atlantik.

21. Mai:

Beim Frühstück beschließen wir, nicht länger hierzubleiben und noch heute zum English Harbour zu segeln. Damit haben wir dann die Insel Antigua umsegelt. 

 

Um 10:30 Uhr holen wir den Anker auf und fahren aus der Bucht hinaus, die Riffe sind weiß mit Brechern sichtbar, der Wind aus Ost bläst mit +/- 23 Knoten. Im Atlantik draußen setzen wir das Groß mit dem 2. Reff und das Vorsegel. Die Fahrt entlang der felsigen Ostküste Richtung Süden ist wieder recht sportlich, der Wind ist in den hohen Zwanzigern, geht auf bis zu 30 Knoten hinauf, die Wellen von schräg-seitlich achtern kommend sind hoch, die Gischt geht immer wieder über uns drüber, es ist stark bewölkt. Die Bootsgeschwindigkeit ist zwischen 7,5 und 8,5 Knoten, einmal surfen wir eine Welle hinunter mit 10 Knoten. Wir hoffen, dass der Wind nicht noch mehr zulegt und sind froh, dass es bis zum English Harbour nur ungefähr 12 Seemeilen sind.

 

English Harbour

21. - 27. Mai:

 

Im English Harbour angekommen sind wir überrascht, dass die Freeman Bay ziemlich voll ist, wir suchen lange nach einem Ankerplatz und können letztlich in akzeptablen Abständen zu den anderen Booten ankern. Durch die drehenden Winde und die Strömungen nähern wir uns immer mehr der Fahrrinne. 

 

In der Nacht kommen wir der roten Markierungsboje zu nahe, sie tanzt um die Bordwand herum, wir hören sie leicht anstoßen, belassen es aber dabei. Sie ist zu groß, um zwischen die Rümpfe zu kommen und Probleme zu machen. 

Fort Berkeley

23. Mai:

Von unserem Ankerplatz in der Freeman Bay aus haben wir einen schönen Blick auf das Fort Berkeley, heute besichtigen wir es endlich. 

 

Vom Nelson's Dockyard führt ein Weg hinauf. 

Middle Ground Trail

24. Mai:

Heute haben wir uns den Middle Ground Trail vorgenommen. Er führt vom Fort Berkeley über mächtiges Vulkangestein zur Kapspitze hinauf und weiter zum Pigeon Beach hinunter. Wir verzichten auf den Strand. Auf der Atlantikseite beeindrucken steil abfallende Felsen und die tosende Brandung. Wir sind von dem Trail und von den Ausblicken auf den English Harbour mit Nelson's Dockyard und Fort Berkeley begeistert. 

Die Freeman Bay ist eine sehr attraktive Ankerbucht. Das Problem sind hier die plötzlich einfallenden Böen und die starken Strömungen. Man muss beim Ankern viel Raum lassen, was allgemein bekannt ist.

 

Trotz unserer Bedenken hat ein Katamaran zwischen uns und einem Einrumpfboot den Anker fallen lassen, obwohl etwas weiter dahinter genug freier Raum war. Immer wieder ist uns der Kat bedenklich nahegekommen. Erst die Kollision des Kats mit dem Einrumpfboot hat zur Einsicht des Kapitäns geführt, einen anderen Ankerplatz zu suchen. Die Kapitäne der Charterjachten haben im Allgemeinen zu wenig Erfahrung.

26. Mai:

Heute waren wir Einkaufen, haben die drei jungen Katzen, die vor dem Supermarkt auf Futter warten, mit einem Schälchen Katzenfutter versorgt und haben ausklariert. Die 23 Tage auf Antigua waren abwechslungsreich und haben uns ausnehmend gut gefallen.

 

Morgen in der Früh legen wir Richtung Süden nach Guadeloupe ab. Wir werden bis Deshaies im Norden der Insel segeln. Die Vorhersagen sind günstig.

von Antigua nach Guadeloupe

27. Mai:

Noch am Anker setzen wir das Groß mit dem 2. Reff, holen um 7:50 Uhr den Anker auf und segeln aus der gut geschützten Freeman Bay hinaus. Für die 40 Seemeilen lange Überfahrt von Antigua nach Guadeloupe rechnen wir mit etwa 8 Stunden. 

 

Draußen im Atlantik werden wir von 23 Knoten Wind aus Ost und hohen seitlichen Wellen mit Schaumkronen empfangen. Es ist bewölkt, manchmal auch sonnig. Der Windwinkel ist zeitweise optimal, wir machen Großteils gute Geschwindigkeit zwischen 5,80 und 6,50 Knoten, das Boot ist sehr unruhig und wir müssen uns auch bei kurzen Wegen ständig festhalten.  

 

Nach einer Stunde sind wir im tiefen Wasser und die See ist etwas weniger rau. Der Wind bleibt die ganze Zeit über 20 Knoten, die Vorhersagen waren deutlich unter 20 Knoten.  

 

Gegen 13 Uhr dreht der Wind etwas nach Norden (ENE), der Windwinkel ist nun +/- 90° und wir sind für kurze Zeit schneller, dann lässt der Wind auf weniger als 20 Knoten nach. Wir erreichen die windabgewandte Küste von Guadaloupe, die Wellen sind hier deutlich angenehmer und trotz des schwächeren Windes sind wir noch schnell unterwegs, weil die bremsenden Wellen jetzt fehlen.

 

Guadeloupe

Deshaies

27. - 30. Mai

 

Nach 7 Stunden segeln wir in die Bucht von Deshaies hinein. Erwin fasst die Überfahrt mit "nicht extra bequem, aber flott" zusammen. 

 

Es gibt einige freie Bojen und wir können uns an eine legen, an der der Internetempfang vor einem Monat gut war und wir hoffen, dass es wieder so sein wird. 

 

Wir haben Anfang April in Martinique bei Digicel zwei SIM-Karten für die gesamte Karibik gekauft, die beim Hinauffahren nach Norden auf Martinique und auf Guadeloupe funktioniert haben, in Antigua aber nicht mehr. Wir mussten in Antigua eine SIM-Karte kaufen, um nicht ohne Internet zu sein. 

 

Heute in Guadeloupe angekommen, funktionieren unsere beiden Handys mit den SIM-Karten von Digicel für die gesamte Karibik nicht, kein Netz. Sehr frustrierend.

 

28. Mai:

Wir sprechen in der Post mit zwei sehr freundlichen, hilfsbereiten Damen. Soweit wir auf Französisch mitbekommen, ist Digicel hier in Deshaies nicht mehr operativ tätig, sondern SFR. Wir hatten keine Information von Digicel erhalten, dass der Service eingestellt wurde. Ob das für ganz Guadeloupe gilt, kann uns nicht gesagt werden. 

 

Wir werden am 30. Mai zu den Inseln der Heiligen segeln und dann weiter nach Dominica, das zwischen Guadeloupe und Martinique liegt. Da wir kein Internet haben, können wir die aktuellen Wetterprognosen nicht herunterladen, entschließen uns aber trotzdem zu fahren.

 

30. Mai:

Kaum haben wir von der Boje abgelegt, beginnt es heftig zu regnen. Der Wind kommt aus Nord-Ost und ist schwach. Es ist bereits 11 Uhr und wir rechnen mit etwa 7 Stunden für die 30 Seemeilen nach Terre-de-Haut, eine der zwei bewohnten Inseln der Heiligen. Eine aktuelle Wettervorhersage haben wir nicht, in der letzten Vorschau, die wir noch in Antigua für 10 Tage erstellt haben, war das Wetter unauffällig. 

 

Wir segeln entlang der Leeseite, der Westküste von Guadeloupe, Richtung Süden. 

 

Außerhalb der Bucht setzen wir das Groß und das Vorsegel und hoffen, dass der Wind zunimmt, um noch bei Tageslicht anzukommen. Bis auf kurze Phasen haben wir einen Motor mitlaufen. 

 

Die ersten 4 Stunden haben wir Wind bis 15 Knoten aus allen Richtungen. Anfänglich kommt er achterlich, dreht von Nord-Ost auf Ost und weiter auf Ost-Süd-Ost. Die südliche Komponente nimmt weiter zu und der Windwinkel ab. Dann dreht der Wind auf Süd-West und über West auf West-Nord-West, was wieder deutlich günstiger ist. Erwin ist mit dem Anpassen der Segel voll ausgelastet. 

 

Zum Glück ist das Wasser komplett glatt, praktisch keine Welle, es scheint die Sonne und wir genießen die üppig-grünen hohen Berge, die an uns vorbeiziehen. Wir spüren die deutlich höhere Luftfeuchtigkeit im Vergleich zu Antigua. Am Wasser tut sich sehr wenig, nur hin und wieder sehen wir Fischerbojen.

 

Um 15 Uhr ist Windstille und wir bergen die Segel. Schwarze Regenwolken ziehen auf und dann prasselt eine halbe Stunde lang Regen auf uns nieder. Wir nehmen den zweiten Motor dazu. Wir kennen einige Ankerplätze entlang der Küste, fahren aber weiter. Es sind noch etwa 15 Seemeilen bis Terre-de-Haut.

 

Gegen 16 Uhr kommt der Wind mit 22 Knoten von vorne und die See wird immer rauer. Bis jetzt war das Wasser azurblau, jetzt haben wir riesige Sargassumfelder vor uns, die wie überdimensionale goldbraune Teppiche auf dem Wasser liegen. Ausweichen ist diesmal unmöglich, wir müssen durch. Bei beiden Motoren sinkt die Drehzahl rasch und sie sterben fast ab. Die Bootsgeschwindigkeit ist nur mehr zwischen zwei und drei Knoten. Nachdem wir durch sind, kann Erwin im klaren Wasser das Sargassum von den Propellern loswerden, indem er mehrmals kurz die Retourgänge einlegt. Der Steuerbordpropeller scheint nicht ganz befreit zu sein, der Motor erreicht danach nicht mehr dieselbe Drehzahl wie der Backbordmotor. 

 

Der Wind bleibt in den hohen Zwanzigern, maximal 29 Knoten, und kommt von vorne. Die Wellen mit Schaumkronen sind konfus oder kommen von vorne und heben den Bug unseres Kats kurz aus dem Wasser, es ist ein wilder Ritt. Wir kommen nur langsam voran, hoffen, dass wir nicht im Finstern eine Boje suchen und an ihr anlegen müssen. 

 

Die Inseln der Heiligen kommen näher. Es dauert lange, bis wir endlich in der Windabdeckung sind. 

Terre-de-Haut

30. Mai - 2. Juni

 

Um 18 Uhr legen wir, noch bei Tageslicht, nach 33 Seemeilen und 7 Stunden an einer Boje an. 

 

Der in Martinique gekaufte Internetzugang für die gesamte Karibik funktioniert auch hier nicht. Wir gehen den ganzen Ort ab und schlussendlich finden wir ein Internetcafé. Es ist beruhigend, dass wir für die Weiterfahrt eine aktuelle Wettervorhersage herunterladen können.

 

Morgen segeln wir weiter nach Dominica. Es sind etwas mehr als 20 Seemeilen im Atlantik zwischen Guadeloupe und Dominica. Die Wettervorhersagen sind günstig mit Wind unter 20 Knoten aus Ost. Wir sind schon gespannt, weil diese Insel aus dem üblichen karibischen Rahmen herausfallen soll und sehr viel Natur zu bieten hat.

 

2. Juni:

Wir sitzen im Cockpit beim Frühstück und beobachten Schwalben, die ständig in kurzen Abständen das hintere Ende des Großbaums ansteuern.

 

Sie haben Nistmaterial im Schnabel, wollen offensichtlich im gut geschützten Großbaum ein Nest bauen.

 

Das berührt uns sehr, denn wir sind praktisch schon auf dem Weg nach Dominica. Arme Schwalben.