2. Juni:
Um 9:30 Uhr legen wir von der Boje vor dem Ort Bourg auf der Insel Terre-de-Haut ab. Noch in der Bucht setzen wir das Groß mit dem 2. Reff und das Vorsegel. Es scheint die Sonne, der Wind kommt aus Ost oder Ost-Nord-Ost mit über 20 Knoten, die Wellen von der Seite mit eineinhalb bis zwei Metern, das Boot ist sehr unruhig. Der Windwinkel bleibt während der gesamten Fahrt mit maximal 60° ungünstig.
Die starke Abdrift, bedingt durch die Strömung zwischen den beiden Inseln Guadeloupe und Dominica und den Wind aus Ost mit über 20 Knoten, machen es notwendig, dass wir durchgehend einen Motor mitlaufen lassen müssen.
Um 13 Uhr kommen wir in die Windabdeckung der Insel Dominica und eine halbe Stunde später bergen wir vor der Prince Rupert Bay, die an der Westküste im Norden der Insel liegt, die Segel.
2. - 10. Juni 2026
Wir nehmen Kurs auf die Bucht, in der wir einige Segelboote an Bojen liegen sehen. Ein Motorboot kommt uns entgegen, Alexis heißt uns auf Dominica willkommen und fragt, ob wir eine Boje wollen, die wir gerne annehmen. Er fährt voraus und unterstützt uns beim Anlegen.
2. Juni - 7. Juni:
Nach 5 Stunden und 22,4 Seemeilen hängen wir an der Boje. Alexis bietet an, uns zum Zoll und zur Immigration zum Einklarieren zu fahren und uns wieder zu unserem Boot zurückzubringen, worüber wir sehr froh sind. Er fährt unterwegs an einer ATM-Maschine vorbei und zu Digicel, wo wir eine SIM-Karte für Dominica kaufen. Unsere Digicel SIM-Karten für die gesamte Karibik aus Martinique funktionieren, wenig überraschend, auch hier nicht.
Dass Yachties so freundlich und hilfsbereit empfangen werden, ist wohl einmalig. Alexis gehört zu PAYS, der Organisation, die die Moorings in der Prince Rupert Bay verwaltet und die Segler informiert und mit Rat und Tat unterstützt. Einige ihrer Mitarbeiter sind auch qualifizierte Tour-Guides. Wir buchen eine Tour durch den Regenwald und zu einem Wasserfall mit Alexis.
3. Juni:
Um 9 Uhr holt uns Alexis von der Crocodile ab. Wir fahren durch den Ort Portsmouth, in dem Alexis aufgewachsen ist und erfahren, dass hier die älteste Frau der Welt gelebt hat. Elizabeth Israel wurde 128 Jahre alt, Alexis hat sie persönlich gekannt.
Auf der Fahrt zu dem Abschnitt des über 200 km langen Waitukubuli National Trails, in dem sich der Wasserfall befindet, entwickelt sich ein interessantes Gespräch über Dominica. Die Chinesen investieren viel in Dominica, in Straßen, eine chinesische Schule und auch in den neuen internationalen Flughafen. Mit den geplanten Direktflügen von Miami und New York erhofft man einen Aufschwung im Tourismus. Auf die Frage, ob er die Chinesen mag, kommt ein klares Nein von Alexis. Sie vermeiden den Kontakt mit der ansässigen Bevölkerung.
Wir kommen an großen, verlassenen Gebäudekomplexen vorbei, in denen bis 2017 eine Medizinische Universität für etwa 2.000 internationale Studenten, Wohngebäude, Geschäfte und Lokale untergebracht waren, finanziert von Amerika und Kanada. Nach dem Hurrikan Maria im September 2017, bei dem ein Großteil der Gebäude zerstört wurde, übersiedelte die Ausbildungsstätte nach Barbados und ist dortgeblieben, ein großer Verlust für die regionale Wirtschaft. Unser Fahrer Alexis meint, dass 30'000 in der Folge von Dominica abgewandert sind.
Wir fahren über eine schmale, steile und kurvige Straße auf etwa 1.500 m im Regenwald hinauf. Oben ist es deutlich feuchter und kühler. Wir besuchen eine große Plantation, die einem topfitten 94-jährigen Mann gehört, mit dem wir gerne plaudern. Die Landarbeiter kommen aus Haiti, Dominicaner arbeiten nicht mehr auf dem Land.
Dominica hat bis in die 80er Jahre Bananen nach England exportiert. Nach einem Hurrikan haben sich die Bananenplantagen nicht mehr erholt und wurden von großen Konzernen vom Markt gedrängt. Ebene Anbauflächen gibt es nur wenige und das Bewirtschaften von den Hängen ist arbeitsintensiv und wurde aufgegeben. Der Export von Bananen und anderen Früchten findet nur mehr zu den naheliegenden karibischen Inseln statt.
Wir werden mit Kostproben von vielen gänzlich natürlich und ökologisch gewachsenen Früchten verwöhnt, die ausgezeichnet schmecken. Erwin genießt ein Coconut Water, das er seit seiner Denguefieber Erkrankung in Trinidad besonders gerne hat.
Wir verlassen die Plantation mit einer Menge Bananen und vier Ananas. Alexis bleibt stehen und pflückt Mangos von Bäumen am Straßenrand. An einer anderen Stelle gräbt er zwei Handvoll Gingerknollen aus und pflückt für mich Lemongras, das wunderbar frisch duftet. Der Regenwald ist unglaublich üppig und grün, der vulkanische Boden, zusammen mit dem reichlichen Regen von rund 5 Metern pro Jahr, schafft ein Paradies für Pflanzen. Wenn landwirtschaftlich genutzte Flächen nicht gepflegt werden, dauert es höchstens zwei Jahre, bis der angrenzende Dschungel alles überwuchert.
Dominica hat 9 aktive Vulkane auf 300 Quadratmeilen, es ist die höchste Vulkankonzentration weltweit.
Durch den dichten Regenwald führt der Pfad zum Wasserfall. Wenn es wolkenbruchartig regnet, kann der Pfad zum Wasserfall nicht begangen werden. Das vulkanische Gestein leitet das Wasser an der Oberfläche ab und der harmlose Bach wird dann sehr mächtig.
Von Alexis empfohlen gehen wir am Abend in das Restaurant Waterfront am Strand Lobster essen. Ein Lokal, in das wir sonst niemals hineingegangen wären. Wir sind die einzigen Gäste, der Besitzer bereitet am Grill den Lobster zu, und das ganz ausgezeichnet. Dazu gibt es sehr gut schmeckendes lokales Bier mit dem Namen KUBULI und angenehme Musik. Ein sehr junger und lieber schwarzer Hund saust schwanzwedelnd herum und lässt sich gerne streicheln, drei Katzen verhalten sich distanziert. Wir sind in bester karibischer Stimmung. Dominica ist ganz anders als die Karibikinseln, die wir schon kannten.
5. Juni:
Heute machen wir eine Tour in den Norden der Insel. Die Straßen sind steil und kurvig, es ist praktisch kein Verkehr, die Vegetation ist unglaublich üppig. Alexis hat viele interessante Informationen, die man nicht in Reiseführern findet und weiß viele Geschichten zu erzählen, die Fahrt ist dadurch recht kurzweilig.
Bei Calibishie, einem Ort direkt an der Atlantikküste, sehen wir Überreste eines Hauses aus dem Wasser herausschauen. Der Strand war hier wesentlich breiter und hat bis zur heutigen Linie der Brecher gereicht, der Klimawandel macht sich auch hier dramatisch bemerkbar.
Ein großes Problem for Dominica sind Hurrikans und auch extrem starke Regenfälle. Die Landschaft, die durch viele Berge und Täler geprägt ist, wird im Normalfall durch kleine Bäche zum Meer entwässert. Es soll 365 Bäche oder Flüsse auf Dominica geben. Ein Sprichwort sagt hier, das nächstgefährliche zum Menschen ist der Fluss. Unser Fahrer ist überzeugt, dass die Extrem-Wetterreignisse und auch der Niederschlag durch den Klimawandel zugenommen haben.
Die roten Felsen haben unsere Erwartungen übertroffen. Es sind ganz erstaunliche Felsformationen aus einem relativ weichen Gestein, aus denen die Erosion harmonisch-organische Formationen geschaffen hat. Der rote Felsen kann begangen werden, ist nicht rutschig. Die Ureinwohner haben auch Höhlen in diese Felsen gegraben.
Im Red Rock Cafe werden wir gefragt, woher wir kommen und "Austria" wird als völlig selbstverständlich zur Kenntnis genommen. Dann werden wir überrascht: Chiara, die hübsche junge Chefin kennt das Burgenland und spricht auch etwas Deutsch. Ihre Mutter ist Burgenländerin, ihr Vater ein Einheimischer und sie besucht jedes Jahr ihre Verwandten im Burgenland.
Anschließend besuchen wir die Chocolate Factory und die Sea Cliff Gin Distillery. Die Herstellung von Schokolade ist aufwändig und es werden einige Maschinen eingesetzt, bis die Schokoladetafeln gegossen werden. Auch hier alles rein ökologisch. Die Schokolade wird auf der ganzen Insel verkauft, aber nicht exportiert.
Der Eigentümer der Gin Distillery ist ein junger New Yorker, der mit seiner Frau und zwei schulpflichtigen Kindern hierher ausgewandert ist, er ist sehr sympathisch. Er hat sich dafür entschieden, Gin herzustellen, denn Rum aus Zuckerrohr gibt es zur Genüge auf der Insel. Nur die Wacholderbeeren müssen importiert werden, alle anderen Zutaten sind lokalen Ursprungs.
Mit dem Wechsel in eine völlig andere Welt ist er glücklich und zufrieden, mit den Einheimischen hat er guten und freundschaftlichen Kontakt. Wir probieren seine sehr ungewöhnlichen und interessanten Kreationen des 'Botanical Gins'. Eine mit blaulila Blüten und eine, die die Schalen der Schokoladenkerne verwendet, die bei der Erzeugung von Schokolade als Abfallprodukt anfallen. Alles wird rein ökologisch hergestellt und die Energie kommt von rund 10 Quadratmetern Solarkollektoren.
Danach fahren wir weiter zum Emerald Pool. Der Hurrikan Maria im September 2017 hat die Insel verwüstet, der Regenwald wurde völlig entlaubt und viele Bäume wurden entwurzelt. Heute sieht man davon nicht mehr viel.
Der Wasserfall befindet sich im UNESCO-Nationalpark Morne Trois Pitons. Man könnte hier ein erfrischendes Bad nehmen, für uns aber zu umständlich.
Wir fahren weiter Richtung Westen und nähern uns wieder dem Karibischen Meer. Endlich geht es auf der Küstenstraße wieder halbwegs eben Richtung Portsmouth dahin. Vor dem Mero Beach sehen wir einige Segelboote vor Anker liegen. Der schöne Sandstrand und das Rundherum vermitteln Urlaubs Feeling.
Am 6. Juni machen wir eine Bootsfahrt auf dem Indian River. Man muss dafür einen Guide nehmen, es darf nur gerudert werden. Wir gleiten auf dem ruhigen Wasser langsam dahin. Wir hören Vogelstimmen, bekommen aber keine zu sehen. Dafür Krabben und Iguanas auf den Bäumen.
Bei der Jungle Bar machen wir eine Pause. Kaffee gibt es keinen, auch kein Coconut Water, obwohl jede Menge Kokosnüsse aufgestapelt sind. Wir wandern auf einem Boardwalk durch das weitläufige, schattige Feuchtgebiet. Es ist recht beschaulich.
Domenica ist eine relativ kleine Insel mit einer Bevölkerung von etwa 70'000. Die Familiengrößen haben enorm abgenommen, waren früher 10 Kinder und mehr normal, sind es heute ein oder zwei Kinder. Die Jungen wandern auf andere karibische Inseln ab, weil es in Dominica kaum Beschäftigungsmöglichkeiten für sie gibt.
Zuwanderer gibt es von Haiti, Kuba und Venezuela, wo die Lebensbedingungen sehr schlecht sind und wohin die Menschen auch nicht zurückkehren können oder wollen. Es leben rund 3'000 Chinesen hier, die hauptsächlich in den großen Infrastrukturprojekten Chinas auf der Insel arbeiten und auch Geschäfte für die lokale Versorgung betreiben. Die kulturellen und sprachlichen Barrieren zur einheimischen Bevölkerung sind hoch. Eine Chinatown gibt es bereits in der Hauptstadt Roseau, eine zweite ist im Entstehen, die Chinesen kaufen viel Land.
Die Ureinwohner, die als Indianer bezeichnet werden, und die noch vor einigen Jahrzehnten eine eigene kulturelle Identität und ihr Stammesgebiet hatten, sind zu einem Großteil assimiliert. Unser Fahrer nimmt an, dass es noch etwa 1'000 Indians gibt, früher waren es rund 4'000.
Die Kinder sind, wenig überraschend, internetsüchtig. Die Regierung ist korrupt, auch wenig überraschend.
Die Böden sind auf der Westseite der Insel sehr fruchtbar und es regnet ergiebig. Die früher dominante Landwirtschaft wurde zum Großteil unter dem Druck des Preis- und Mengendiktats des Weltmarktes aufgegeben. Die noch bestehende agrarische Produktion, hauptsächlich Früchte, wird in andere karibische Inseln exportiert.
Eine Möglichkeit für Dominica ist der Ökotourismus. Die Natur ist noch weitgehend so, wie sie vor Jahrhunderten war, das ist schon sehr selten. Die Menschen sind freundlich und wir fühlten uns hier immer sicher. Kriminalität gibt es kaum. Wir sind auf keiner karibischen Insel so freundlich empfangen worden wie in Dominica.
7. Juni:
Um 11 Uhr legen wir von der Boje ab und segeln entlang der Westküste nach Roseau, der Hauptstadt der Insel. Die erste Hälfte der Fahrt ist der Wind sehr veränderlich, dreht von Ost-Nord-Ost bis Ost-Süd-Ost und die Geschwindigkeit wechselt von einer Minute auf die andere von fast Windstille auf über 20 Knoten. Danach ist der Wind von Ost-Nord-Ost kommend stabil bei +/-20 Knoten und wir machen mit Groß und Vorsegel bei relativ ruhiger See gute Geschwindigkeit bis maximal 7,2 Knoten.
7. - 10. Juni
Kurz vor Roseau nehmen wir mit Sea Cat, einem Guide, der die Bojen vermietet und Touren anbietet, Kontakt auf und nach 20,6 Seemeilen und 4:20 Stunden liegen wir in unmittelbarer Nähe zur Stadt an einer Boje.
8. Juni:
Um 9 Uhr früh holt uns Octavius alias Sea Cat von unserer Crocodile für die vereinbarte Tagestour ab. Unser erstes Ziel ist der Freshwater Lake im Morne Trois Pitons Nationalpark. Auf der Fahrt bleibt Octavius immer wieder stehen, pflückt Früchte zum Kosten und Blätter, an denen wir riechen und raten sollen, um welche Frucht oder Gewürz es sich handelt. Wir erkennen nur wenige. Er macht das mit Begeisterung. Die Straßen sind schlecht, kurvig und zeitweise so steil, wie wir es noch nie erlebt haben.
Wir haben Pech mit dem Wetter, düstere Regenwolken verleiden uns die Wanderung zum Frischwasser See. Der Weg ist matschig und rutschig, es macht keinen Spaß. Auf das Schwimmen im See verzichten wir.
Während wir Mittagessen, klart es auf und die Sonne zeigt sich etwas. Wir sind wieder guter Dinge. Unser nächster Stopp sind die Trafalgar Falls.
Octavius kann uns überreden, zum Wasserfall die Badesachen mitzunehmen. Es soll ein ganz besonderes Erlebnis sein, dort in einem Pool direkt unter dem Wasserfall zu schwimmen. Der erste Teil des Weges ist harmlos, aber dann müssen wir über große Felsblöcke hinaufklettern. Wir müssen sehr aufpassen, denn die nassen Felsen sind glitschig. Octavius kennt den Pfad neben dem Wasserfall ganz genau und lotst uns hinauf.
Der Pool ist nach der anstrengenden Kletterei eine sehr positive Überraschung. Der Wasserfall stürzt in einen Pool, an einer Seite gibt es eine heiße Quelle, das heiße Wasser vermischt sich mit dem kühlen Nass. Es gibt wärmere und kühlere Bereiche im Pool. Erwin und Octavius lassen das heiße Wasser auf sich niederprasseln, es ist eine heiße Dusche mit unglaublich viel Wasser. Mir ist es direkt darunter zu heiß. Wir bleiben lange im Wasser und genießen die wunderbare Umgebung. Es ist ein einmaliges Erlebnis, außer uns ist niemand hier.
9. Juni:
Von der gestrigen Kletterei haben wir einen ziemlichen Muskelkater, für heute wünschen wir uns von Octavius ein Programm, das 'easy and family friendly' ist.
Vom Botanischen Garten gelangen wir über den Jack's Walk hinauf zum Outlook am Morne Bruce.
Danach fahren wir die Küstenstraße Richtung Süden und auf den Scotts Head hinauf. Unter uns liegt die malerische Soufrière Bay, die bei Tauchern und Schnorchlern sehr beliebt ist.
Zu Mittag kehren wir in einem Strandlokal mit viel karibischem Flair ein. Es ist schön und entspannend, die Pelikane und die Fregattvögel zu beobachten.
Unser Fahrer Octavius ist ein spezieller Charakter. Er scheint alle und jeden zu kennen, sprudelt bei Begegnungen für uns unverständliche, aber stets mit Heiterkeit verbundene Wortsalven heraus. Er ist 64 Jahre alt und die Veränderungen seit seiner Kindheit auf der Insel sind gewaltig, hier vielleicht mehr noch als anderswo.
Wir sind froh, in Dominica angelegt zu haben. In dieser Woche haben wir viel erlebt und es hat unseren Blick auf die karibischen Inseln wesentlich erweitert.
Morgen in der Früh segeln wir nach Saint-Pierre im Norden von Martinique. Die Wetterprognosen sind ganz gut, aber wie wir in der Karibik aus Erfahrung gelernt haben, relativ wertlos.
10. Juni:
Um 9:30 Uhr legen wir von der Boje vor dem Haus von Octavius ab. Wir fahren ein paar Seemeilen die Küste entlang, bis wir an den Scotts Head vorbei sind. Diese Gegend ist wegen starker Fallböen aus den Bergen gefährlich. Es wird berichtet, dass ein Katamaran durch eine plötzlich einfallende Böe umgeworfen worden ist. Nach den Scotts Head setzen wir das Groß mit zweitem Reff und das Vorsegel.