Überfahrt von Neuseeland nach Tonga

29. Mai - 6. Juni 2019

Am 29. Mai um 14 Uhr legen wir mit vollen Dieseltanks und 100 l Reserve vom Fuel Dock in Opua ab. Wir sind etwas angespannt. 

Die Pacific Circuit Rally, die gestern abgelegt hat, hatte mit Nordwind in Sturmstärke, begleitet von Starkregen, zu kämpfen. 4 Boote mussten umkehren und kamen heute in der Früh in die Marina nach Opua zurück. 

In den Wettervorhersagen ist zu sehen, dass ein Tief über dem Norden von Neuseeland in den nächsten Tagen Richtung Nordosten ziehen wird. Unser Wetter-Guru Chris Parker empfiehlt uns deshalb, möglichst rasch und so weit wie möglich nach Norden zu segeln und dabei zu versuchen, Raum nach Westen zu gewinnen. Die Strategie ist, dass das Tief unter uns vorbeizieht. Der Beginn der Überfahrt ist schonend für unsere Nerven. Mit moderatem Wind, Sonnenschein und Strom zur See.   

Leider kommt der Wind aus NNW, weshalb wir mit Motorunterstützung segeln müssen, um möglichst weit nach Norden zu kommen. Die See wird zunehmend unruhiger und es schüttelt uns ordentlich durch. Plötzlich scheppert es und eine Antenne aus der Mastspitze fällt herunter - zum Glück auf das Trampolin. Wir nehmen an, dass es die UKW-Antenne ist und wir damit möglicher Weise keinerlei Funkverkehr, AIS und Rundfunkempfang mehr haben werden, auch keinen Notruf absetzen können - mitten im Pazifik ist das ohnehin nur von theoretischer Natur. 

Am dritten Tag dreht der Wind mehr nach Westen und nimmt an Stärke deutlich zu. Wir haben nun einen besseren Windwinkel und kommen gut und ohne Motorunterstützung nach Norden voran. Wenn wir Glück haben, können wir dem Tief ausweichen, das nach Nordosten zieht. 

Am Nachmittag des 1. Juni bekommen wir das Tief dann doch noch zu spüren. Der Wind wird stärker und die Wellen immer giftiger. Wir ändern nun unseren Kurs nach Nordosten, um mit einem raumen Kurs vor Wind und Welle das schwere Wetter durchzustehen.

Obwohl wir durch unseren nördlichen Kurs nur vom Rand des Tiefs erwischt werden, ist die Nacht vom 1. auf den 2. Juni herausfordernd. Wir segeln durch eine stockfinstere, stern- und mondlose Nacht über mehrere Stunden mit über 9 Knoten (max. Geschwindigkeit 9,8 Knoten) dahin. Wir haben ständig 30 Knoten Wind, in den Böen 40 und mehr. Der hohe Adrenalinspiegel lässt keine Müdigkeit aufkommen. In diesen 24 Stunden überbieten wir mit 187 Seemeilen unseren alten Rekord um drei Seemeilen.

Die nächsten Tage ist der Wind etwas moderater. Wir hoffen, dass er bis Tonga so bleibt. Leider ist das nicht der Fall und die letzten zwei Tage dreht der Wind - entgegen allen Vorhersagen - und kommt nun von vorne. Der Gegenwind mit bis zu 20 Knoten macht uns sehr zu schaffen und wir sind erleichtert, als wir endlich - nach 187 Stunden und 1083 Seemeilen - die östliche Passage von Tongatapu erreichen und am 6. Juni um 9:00 Uhr vor dem Pangaimotu Island den Anker fallen lassen können.

Tonga

6. - 24. Juni 2019 

Tongatapu

6. - 8. Juni

 

7. Juni: Wir liegen bei Big Mama's Yachtclub vor Anker und genießen einen herrlich warmen Sonnentag - ein ziemlicher Kontrast zu den frühwinterlichen Temperaturen in Neuseeland. 

 

Am Vormittag kommen Heidi und Hannes (aus Pottenstein in Niederösterreich) zu uns an Bord. Sie bereisen seit ca. drei Monaten Australien, Neuseeland und die Südsee. Wir wollen gemeinsam in Tonga segeln und vor allem den Vava'u Archipel, der aus ca. 60 Inseln besteht, erkunden.

Am 8. Juni legen wir vom Pangaimotu Island ab, machen am Nachmittag des 9. Juni einen mehrstündigen Aufenthalt im Haapai Archipel vor der Insel Foa, um am 10. Juni morgens nach 175 Seemeilen in Neiafu, dem Hauptort des Vava'u Archipels zum Einklarieren anzukommen. 

Vava'u Archipel

10. -  24. Juni 2019

Neiafu

 

Neiafu hat etwas mehr als 4000 Einwohner, einige Restaurants und recht bescheidene Möglichkeiten, einzukaufen. Alles ist sehr einfach, aber die Menschen sind ausnehmend freundlich.

 

Südsee-Feeling kommt leider noch nicht auf - es regnet ununterbrochen.  

Die Inseln des Archipels sind nicht sehr weit voneinander entfernt, sodass man innerhalb von ein bis drei Stunden von Insel zu Insel fahren kann. Das Wasser ist kristallklar und hat angenehme Temperaturen zum Schwimmen. 

 

Auf Kapa Island fahren wir mit dem Dinghy zum Swallows Cave. Wir sind überwältigt. So eine große und schöne Höhle haben wir nicht erwartet. Das bunte Gestein und seine Formationen sind phantastisch.    

15. Juni: Seit heute in der Früh haben wir einen Ausfall der gesamten Navigationselektronik. Auch der Autopilot ist tot. Unser erster Gedanke war, dass das mit dem extrem starken Dauerregen - so einen Regen hatten wir bisher auf unserer Reise noch nie - zusammenhängen könnte. In der Hoffnung, jemanden mit Yachtelektronik-Kenntnissen ausfindig zu machen, sind wir nach Neiafu zurück gesegelt. Was wir nicht bedachten: Es ist Wochenende und vor Montag tut sich hier gar nichts. Am Sonntag ist überhaupt alles geschlossen, sogar die wenigen Restaurants 

 

Am Sonntag besuchen wir die Messe in der St. Joseph Cathedral in Neiafu. Sie ist sehr gut besucht - auch viele Gäste wie wir sind anwesend. Die Tonganer sind sehr gläubig und die Kirche spielt in ihrem Leben eine große Rolle. Anders als wir es von Französisch Polynesien kennen, werden die Kirchenlieder hier von einem Chor und nicht von allen Anwesenden gesungen. 

16. Juni: Erwin und Hannes haben die Garmin-Elektronik (GPSmap 7408) vom Steuerstand auf der Steuerbordseite - von wo der Ausfall ausgegangen ist - ausgebaut. Aus ihr tropft Süßwasser (Regenwasser) und sie ist offensichtlich kaputt. Sie haben die baugleiche Garmin-Elektronik der Backbordseite aus- und auf der Steuerbordseite eingebaut. - Unser Boot hat sowohl auf der Steuerbord- als auch auf der Backbordseite einen Steuerstand mit Garmin-Elektronik. Da der Autopilot und die Motoren auf der Steuerbordseite bedient werden müssen, wird die Elektronik praktisch nur auf der Steuerbordseite verwendet.

Riesige Erleichterung nach einigen Stunden Aus- und Umbau der Garmin-Elektronik: Die theoretischen Überlegungen von Erwin haben sich bestätigt und am Steuerstand der Steuerbordseite sind wieder alle Parameter auf dem Monitor zu sehen, auch der Autopilot hat sich wieder gemeldet. Am Steuerstand auf der Backbordseite fehlt jetzt allerdings der Monitor.

17. und 18. Juni: Obwohl es nach wie vor immer wieder regnet, mieten wir uns für zwei Tage ein Auto und machen ausgedehnte Inselrundfahrten - einige der Inseln sind über befahrbare Dämme miteinander verbunden. Hannes fährt - oft über Stock und Stein - und Heidi, als Raumplanerin, ist die perfekte Beifahrerin und findet immer den richtigen Weg. 

Wir sehen in den Ortschaften immer wieder frei laufende Schweine, meist mit einer Schar von Frischlingen und am Meer sogar "fischende" Schweine. Wir fahren durch Dörfer, die fast alle liebevoll geschmückt sind. Der bunte  Dorfschmuck hat einen ernsten Hintergrund: Es geht offensichtlich um die Sensibilisierung der Dorfbewohner für das Problem des Mülls und seiner Vermeidung.  

Wir kommen an malerischen Buchten vorbei und wenn sich in den Regenpausen hin und wieder die Sonne zeigt, genießen wir das sehr. 

Wir besteigen über unangenehm steile Stufen den 131 Meter hohen Mt. Talau - die höchste Erhebung im Vava'u Archipel - von dem wir einen schönen Blick auf den Hafen von Neiafu und die umliegenden Inseln haben.

 

In den zwei Tagen ist unser Mietauto ziemlich schmutzig geworden und wir wollen es so nicht zurück geben. Hannes sieht im Vorbeifahren vor einer Kirche einen Mann mit einem Kärcher arbeiten. Spontan bleibt er stehen und bittet ihn, das Auto ein wenig abzuspritzen, was er gerne macht. Sofort kommen zwei weitere Männer hinzu und zu dritt reinigen sie mit Hingabe das Auto. Captain Cook nannte Tonga seinerzeit "Friendly Islands" - da ist etwas dran.   

19. Juni: Heute sind wir zum Taunga Island gesegelt. Es waren knapp drei Stunden mit moderatem Wind. Den Anker haben wir in einer wunderschönen Lagune vor der Insel fallen gelassen, auf der es auch einen kleinen Ort gibt. Eine schmale Sandstrandbrücke, die bei Flut überschwemmt wird, verbindet zwei Inseln. Endlich schein einmal den ganzen Tag die Sonne. Es ist traumhaft schön hier. Kristallklares Wasser, bunte Korallen und Fische, ein wunderschöner, einsamer, sauberer Sandstrand. Wir sind begeistert. Südsee-Feeling pur.

23. Juni: Wir haben uns an eine Boje vor dem Tongan Beach Resort gelegt und genießen mit Heidi und Hannes den Sonnenuntergang mit Pina Colada und frischem Fisch zum Dinner. Es ist unser letzter gemeinsamer Abend nach einem sehr schönen und erlebnisreichen Törn durch den Vava'u Archipel.

 

Morgen werden wir zum nahegelegenen Hafen von Neiafu fahren, ausklarieren, steuerfreien Diesel tanken und dann Richtung Westen weiter nach Fidschi segeln. 

24. Juni: Wir liegen im Hafen von Neiafu vor Anker. Erwin ist unterwegs zum Ausklarieren, Heidi und Hannes sind für uns Proviant einkaufen, ich versuche - inzwischen leicht verzweifelt - diverse Unterlagen (Advance Notification/Inward Report for Yachts) nach Fidschi an den Zoll zu Emailen, was nicht gelingt. Letzter Ausweg: Erwin geht ins Tropicana (Restaurant), von wo aus die Unterlagen endlich gesendet werden können (müssen 48 Stunden vor Ankunft in Fidschi beim Zoll einlangen, wenn nicht, droht laut Greg, dem Chef vom Tropicana, eine saftige Geldstrafe). 

Um 15 Uhr verabschieden wir uns an der Hafenmauer von Heidi und Hannes und legen Richtung Fidschi ab.