Überfahrt von Tonga nach Neuseeland

Die Überfahrt nach Neuseeland hat die Besonderheit, dass man alle 6-7 Tage mit einem Tief von Australien kommend rechnen muss. Da die ca. 1200 Seemeilen im Allgemeinen nicht in 6 Tagen zu schaffen sind, ist entscheidend, wie ausgeprägt das Tief ist, auf das man unterwegs treffen und wie bösartig seine Front sein wird.  

Zwischen den Tiefs herrscht hoher Druck mit wenig Wind - d.h. einem Tief folgt ein Hoch, dem folgt ein Tief, dem wiederum ein Hoch folgt usw.. Dadurch gibt es keine stabilen Windverhältnisse wie z.B. in Passatgegenden. Die Tiefs, die ostwärts ziehen, drehen südlich des Äquators im Uhrzeigersinn und die Hochs gegen den Uhrzeigersinn. Die ständige Änderung der Windrichtung bewirkt, dass Wellen und Wind kaum jemals aus annähernd der selben Richtung kommen. Dadurch ist das Segeln in diesem Gebiet wenig komfortabel und anspruchsvoll. 

Die Daumenregel ist, westlich der Loxodrome in einem Bogen nach Neuseeland zu segeln. Das hat uns auch unser neuseeländische Wetter-Guru Bob empfohlen. Leider hatten wir dadurch sehr ungünstige Windverhältnisse. Boote, die einen Kurs östlich der Loxodrome gewählt hatten, fanden wesentlich bessere Bedingungen vor. Für uns bedeutete das schlechte Windwinkel (20-40 Grad) mit geringer Bootsgeschwindigkeit bei Windstärken um die 20 Knoten. Zudem hatten wir oft mit Gegenströmung und Wellen schräg von vorne oder von der Seite zu kämpfen. Um halbwegs den Kurs zu halten und um noch ungünstigere Bedingungen im nächsten Tief zu vermeiden, mussten wir häufig mit Motorunterstützung segeln.   

Zweimal wechselte der Wind innerhalb weniger Minuten seine Richtung um 180 Grad. Das ist bedingt durch den plötzlichen Übergang von einem Tief zu dem nachfolgenden Hoch. Beim zweiten Mal geschah das um 3 Uhr in der Früh bei heftigem Regen. Es war empfindlich kalt.  

Die Bootbewegungen waren zeitweise so arg, dass die Deckenpaneele heruntergefallen sind, zum Glück in der Gästekabine und nicht uns auf den Kopf. Es war fast nicht möglich, ohne auszuschütten etwas zu trinken. Felix ist die meiste Zeit auf dem Bett gelegen und hat geschlafen. Wenn es besonders unruhig war, hat er unsere Nähe gesucht, wollte gestreichelt und beschützt werden. Wie wir hatte auch er ziemliche Probleme bei der Fortbewegung auf dem stark schwankenden Boot. 

Neuseeland

10. November 2018 -  29. Mai 2019

Der Pazifikstaat Neuseeland liegt isoliert im südwestlichen Pazifischen Ozean. Neuseeland besteht aus einer Nord- und einer Südinsel, die sich über eine Länge von ca. 1600 km von Norden nach Süden erstrecken und sehr vielen kleineren Inseln. Neuseeland liegt an der Grenze der Australischen und der Pazifischen Platte und gehört zum Pazifischen Feuerring (auf der Nordinsel befinden sich einige der weltweit aktivsten Vulkane).  

Neuseeland ist mit knapp 5 Millionen Einwohnern dünn besiedelt, fast ein Drittel der Menschen lebt in Auckland. Die Hauptstadt ist allerdings Wellington mit rund 200.00 Einwohnern, die am südlichen Ende der Nordinsel liegt. Staatsoberhaupt ist Königin Elizabeth II, die Staatsform ist eine unabhängige parlamentarische Monarchie. Es wird auf der linken Straßenseite gefahren; 100 Neuseeland-Dollar sind rund 60 Euro. Gesprochen wird ein Englisch, das dem australischen Englisch sehr ähnlich ist. Maori ist zwar Amtssprache, wird aber nur von wenigen wirklich gut beherrscht, obwohl mehr als eine halbe Million (ca. 14%) zur indigenen Bevölkerungsgruppe der Maori zählen.    

Neuseeland wurde erst relativ spät besiedelt. Es wird angenommen, dass polynesische Siedler, die mit ihren Auslegerbooten über den Pazifik segelten, zwischen 800 und 1300 n.Chr. auf die Inseln kamen. Als erster Europäer entdeckte der niederländische Seefahrer Abel Tasman 1642 die Inseln, war aber nicht an Land (in einem Gefecht mit den Maori starben zwei seiner Seeleute). Das holte James Cook mehr als 100 Jahre später (1769), mit der Endeavour von Tahiti kommend, nach. Anfang des 19. Jahrhunderts kamen dann die ersten Europäer nach Neuseeland, um hier zu leben. 1840 wurde Neuseeland vom Britischen Weltreich offiziell annektiert. 

Bay of Islands

liegt an der Ostküste im Norden der Nordinsel. Bay of Islands hat eine Fläche von ca. 200 km2 mit 144 Inseln. Es ist - auch bei den Neuseeländern - ein sehr beliebtes Segelrevier. Aber auch an Land hat dieses Gebiet einiges an Attraktionen zu bieten.   

Während der Norden der Nordinsel mit subtropischem Klima begünstigt ist, herrscht im restlichen Teil der Nordinsel gemäßigtes und auf der Südinsel kühles Klima vor. 

Opua

Am 10. November um 12 Uhr mittags haben wir nach 1184 Seemeilen und 10 Tagen und Nächten auf See am Quarantäne-Dock vor der Bay of Islands Marina angelegt. Die Beamten von Customs und Ministry for Primary Industries haben uns bereits am Steg erwartet (man muss sich 48 Stunden vorher und dann im Gewässer von Neuseeland nochmals melden). Das Einklarieren wurde höflich und effizient abgewickelt. Das Unterwasserschiff wurde mit einer UW-Kamera gefilmt (muss sauber sein - wir haben es einen Tag vor der Überfahrt in Tonga reinigen lassen), jede Menge Formulare wurden ausgefüllt (zusätzlich zu denen, die wir von Bora Bora vorab geschickt hatten), das Boot wurde sorgfältig inspiziert. Die große Sorge ist, dass Ungeziefer und/oder -gelege eingeschleppt werden, die die endemische Flora und Fauna gefährden könnten. Felix muss - was zu erwarten war - für 10 Tage in Quarantäne. 

Nachdem die Formalitäten erledigt waren, haben wir in der großen Bucht  vor der Marina einen geeigneten Platz gefunden und geankert. 

Unser erster Eindruck von Neuseeland: ein wohlhabendes Land, alles sehr gepflegt, sehr freundliche Menschen, eine schöne, abwechslungsreiche Landschaft, europäische Kultur. Wir haben einen Klassiksender im Radio gefunden, auf dem wir die gleiche Musik wie zu Hause auf Ö1 hören können.

11. November: Die niedrige Temperatur in der Früh (15 Grad) - es ist hier jetzt Frühling - ist gewöhnungsbedürftig. Wir wollen gar nicht aus dem Bett heraus, Felix auch nicht, er liegt bei uns. 

Zu Mittag wird Felix abgeholt und nach Auckland (ca. 250 km) in die Quarantäne-Einrichtung gebracht. Wir leiden mit ihm.   

Wir vertreten uns am 'coastal walk', der ufernahe über Stock und Stein aufwändig angelegt ist die Füße, was nach 10 Tagen am Boot eine Wohltat ist. Es scheint zeitweise die Sonne und es ist angenehm warm. Die üppige und abwechslungsreiche Vegetation ist beeindruckend. 

21. November: Wir fahren nach Auckland, um Felix abzuholen, der für 10 Tage in Quarantäne war. Während der gesamten Fahrt regnet es. Die Highways entsprechen ungefähr unseren Bundesstraßen, kommen uns aber irgendwie schmäler vor. Vielleicht liegt das auch nur am für uns noch ungewohnten Linksverkehr und an den vielen Kurven und dass es recht hügelig dahingeht. Es gibt nur ein kurzes Stück Autobahn unmittelbar vor Auckland, sodass wir für die 250 km fast 4 Stunden benötigen. 

Den Nachmittag verbringen wir im Zentrum von Auckland. Es ist die größte polynesische Stadt mit ca. 1,3 Mill. Einwohnern, mit internationalem Flair und vielen Möglichkeiten, Geld auszugeben. In der Queen Street reihen sich die Designer-Geschäfte aneinander. Vor dem vollen Gucci-Store stehen ca. 20 Asiatinnen Schlange und warten geduldig, bis sie hineindürfen, um ihr Geld loszuwerden.   

Geografisch gesehen ist Auckland eine besonders attraktive Stadt. Sie liegt ungefähr in der Hälfte der Nordinsel, allseits umgeben von Wasser. Ein schmaler Isthmus trennt die Tasman See an der Westküste vom Pazifischen Ozean an der Ostküste. Auckland wurde auf Vulkanen unterschiedlichen Alters erbaut. Die zwei bekanntesten Vulkankegel sind der Mount Eden (196 m) und der One Tree Hill (182 m), die für die Maori eine besondere Bedeutung haben.

Vom 328 Meter hohen Sky Tower (etwas höher als der Eiffelturm) haben wir einen beeindruckenden Blick über die Stadt und auf einige der Inseln im Hauraki Golf (Pazifik).

Wir übernachten in Devonport, einem am Meer gelegenen charmanten Vorort von Auckland mit gut erhaltenen alten Häusern. Unser Hotel befindet sich im ältesten viktorianischen Gebäude von Devonport. Es ist ein echter Familienbetrieb (drei Generationen) mit wenigen Zimmern und einem ausgezeichneten Frühstück. Ein Glücksgriff aus dem Internet.

Mit der nahe gelegenen Fähre ist es nur ein Katzensprung ins Zentrum von Auckland (das Auto lassen wir am Hotel-Parkplatz).

22. November: Zu Mittag holen wir Felix von der Quarantäne-Einrichtung ab. Er hat nun die 'Biosecurity Clearance' und wir können mit ihm, da er jetzt sozusagen eine Kiwi-Katze ist, überall hinfahren und er muss auch nicht nur am Boot bleiben. 

Die Rückfahrt von Auckland nach Opua bei Sonnenschein ist weniger anstrengend und wir genießen die sattgrüne, hügelige Landschaft. Neuseeland ist ein großer Lieferant von Milch- und Milchprodukten - immer wieder sieht man große Rinderherden. 

Wir bleiben vorerst  auf dem Ankerplatz bei der Bay of Islands Marina in Opua und machen von hier aus Ausflüge mit dem Mietauto.

Kerikeri

Wir besuchen die rund 30 km von Opua entfernte historische Stätte bei Kerikeri, die oft als die Wiege der Nation bezeichnet wird. Hier errichtete Reverend Marsden im Jahre 1819 - mit dem Einverständnis und unter dem Schutz des mächtigen Maori Häuptlings Hongi Hika - die erste Missionsstation in Neuseeland, und zwar direkt unter dem Kororipo pa, der befestigten Siedlung von Hongi Hika. 

Das Kemp House ist das älteste Holzgebäude (1821) und Stone Store ist das älteste Steingebäude (1832) in Neuseeland. Auf dem Hügel oberhalb der Gebäude steht die St. James Church (1878), ein winziges Kirchlein aus Holz. Harmonisch fügen sich die Gebäude in die sie umgebende Landschaft.  

Von der Missionsstation führt ein 4,3 km langer Wanderweg durch den schattigen Wald zu den Rainbow Falls, einem 27 m hohen Wasserfall. Auf den Weg dorthin kommen wir noch bei einem kleinen Wasserfall, den Wharepuke Falls, vorbei.   

Eine wunderschöne Wanderung durch den dichten Urwald mit riesigen Bäumen und Farnen führt uns von Okiato nach Russell. Okiato oder "Old Russell" ist ca. 15 Minuten mit der Fähre von Opua entfernt. Obwohl wir nur ca. 100 Höhenmeter zurücklegen, kommen wir ziemlich ins Schwitzen, da es ständig bergauf- oder bergab geht, und das fast 4 Stunden lang. In diesem Wald soll es Kiwis (von den Neuseeländern geliebtes, gefährdetes Nationaltier) geben - ein brauner flugunfähiger Vogel von der Größe eines Huhns mit einem langem Schnabel und ohne Schwanzfedern - sind sehr scheu, nachtaktiv und werden sehr selten gesichtet.   

Russell

Anfang des 19. Jahrhunderts war Russell die erste europäische Ansiedlung in Neuseeland. Russell war damals Anziehungspunkt für geflohene Rechtsbrecher aus Australien, dem Alkohol verfallene Seeleute und Walfischer. Es galt als das Höllenloch des Pazifiks. Nach dem Vertrag von Waitangi 1840 war Russell für kurze Zeit die Hauptstadt von Neuseeland. 

Heute ist Russell ein etwas verschlafener, kleiner historischer Ort mit vielen sehr gut erhaltenen alten Häusern und der ältesten Kirche (Christ Church") Neuseelands. Zur Zeit blüht alles. Besonders attraktiv sind die leuchtend rot blühenden Pohutukawa Bäume ('Christmas Trees' -  blühen nur um die Weihnachtszeit). Die Bäume mit den lila Blüten haben zur Blütezeit keine Blätter - die ganze Energie steckt in den Blüten. 

Waitangi Treaty Grounds

9. Dezember: Wir verbringen den Tag an dem für die Maori und die Neuseeländer historisch bedeutsamen Ort. Auf einem weitläufigen Gelände werden einige der wichtigen geschichtlichen Ereignisse interessant und attraktiv präsentiert. 

An dieser Stelle wurde am 6. Februar 1840 der Vertrag von Waitangi zwischen den Maori und Vertretern der Englischen Krone unterzeichnet (Gründungsdokument Neuseelands). Der Vertrag regelt vor allem das Eigentum von Land- und Fischgründen für die Maori - als Entschädigung für die Ureinwohner - und ist sowohl in Maori als auch in Englisch verfasst. Mehr als 500 Stammeshäuptlinge haben den Vertrag unterschrieben. Unterschiedliche Interpretationen des zweisprachigen Vertrages führten zu Kontroversen. Das Waitangi Tribunal bot (und bietet immer noch) für die Maori die Möglichkeit, Rechtsansprüche geltend zu machen. 

 

Am Fahnenmast wehen die Flaggen der vereinten Maori-Stämme, die Englische und die Neuseeländische. 

 

Das Te Whare Runanga (Meeting House), das 1940 (100 Jahre nach dem Vertrag von Waitangi) eröffnet wurde,  steht gegenüber dem Treaty House (früher die britische Residenz) und soll die Partnerschaft zwischen den Maori und der Britischen Krone symbolisieren. 

Im Meeting House werden von den Maori kulturelle Vorführungen dargeboten. Es ist beeindruckend, mit welcher Begeisterung und Hingabe die Maori-Frauen und -Männer singen, Spiele mit Bällen und Stäben zeigen und für einen Feind einschüchternde Kampfrituale vorführen (das Zunge-hinausstrecken und Augen-weit-aufreißen ist typisch), obwohl es täglich (in der Hochsaison mehrmals täglich) Vorführungen gibt.

 

Dieses 35 Meter lange, aus drei Kauri Bäumen gehauene und für 120 Ruderer Platz bietende Kriegskanu wurde nach alten Plänen nachgebaut und 1940, 100 Jahre nach dem Vertrag von Waitangi, zum ersten Mal zu Wasser gelassen.

Für den Abend haben wir ein Maori Hangi (traditionelles Maori Essen) und eine Vorstellung gebucht, weshalb wir uns bis dahin etwas die Füße vertreten wollen. Wir gehen auf dem Wanderweg zu den Haruru Falls, der entlang eines Flusses und teilweise durch Mangroven führt. Wir kommen an Bäumen vorbei, die von Kormoranen bewohnt sind. Man kann mehrere Nester, brütende Vögel und Jungvögel sehen. Natur pur.   

Das Abendprogramm beginnt mit einer Performance, die uns (ca. 25 Gäste aus verschiedensten Ländern) ein kurzes Stück durch den Urwald führt, in dem Maori-Kämpfer wirkungsvoll inszeniert Kampfrituale zeigen.

Danach genießen wir eine begeisternde kulturelle Vorführung im Meeting House. Der Abend geht mit einem köstlichen Hangi Dinner (ähnlich dem Ma'a Tahiti in Huahine, aber mehr dem westlichen Geschmack angepasst) zu Ende. Es ist bisher unser schönster Tag in Neuseeland. Und auch unser sportlichster: Heute haben wir laut iPhone 14,9 km und 40 Stockwerke bewältigt.

Cape Reinga

10. Dezember: Nach einer langen, kurvenreichen Autofahrt - von Opua sind es ca. 220 km - zur Nordspitze der Nordinsel kommen wir nach drei Stunden endlich am Cape Reinga an. Wir werden mit einem überwältigenden Ausblick - der Wettergott ist uns gnädig und der Himmel ist wolkenlos - belohnt. Wir schauen auf die allseitigen schroffen Felsen und auf die riesigen Sanddünen an der Westküste hinunter. Hier treffen die Tasman See (Westküste) und der Südpazifik (Ostküste) aufeinander.

Der Ort hat in der Mythologie der Maori große Bedeutung. Hier verlässt die Seele den Körper des Verstorbenen und beginnt ihre lange Reise heim ins Land der Ahnen.

Secret Bay

Leider müssen wir wegen der langen Rückfahrt auf Wanderungen, die um die drei Stunden dauern und sehr lohnend sein sollen, verzichten, besuchen aber noch die Secret Bay, die uns von einem Neuseeländer sehr ans Herz gelegt wurde. Wir werden nicht enttäuscht. In der weitläufigen Bucht ist ein wunderschöner, mehrere Kilometer langer Sandstrand, der fast menschenleer (bis auf zwei Schwimmer im für uns eiskalten Wasser) und perfekt für einen ausgedehnten Strandspaziergang ist. Oberhalb der Bucht grasen friedliche Wildpferde.

Russell

Unser nächster Ankerplatz liegt nur 4 Seemeilen von Opua entfernt beim Boating Club Russell. Hier ist es angenehm ruhig und friedlich, weil der Ankerplatz etwas außerhalb vom Ort liegt und man nicht durch den regen Fährbetrieb zwischen Russell und Paihia gestört wird.

 

Russell hat neben den historischen Plätzen auch einige gute Restaurants zu bieten. Im Duke of Marlborough an der Waterfront, das es schon seit 1827 gibt, haben wir nach langer Zeit wieder einmal Steaks (von 'Gras gefütterten' Rindern) gegessen. Das Fleisch war besonders zart. 

Nachdem wir Silvester mit Feuerwerk und Donauwalzer gefeiert haben, sind wir am 1. Jänner 2019 von Russell weitergesegelt.  

Roberton Island

1. - 3. Jänner 2019

Bei herrlichem Sonnenschein (und wenig Wind) segeln wir am Neujahrstag zum 6 Seemeilen entfernten Roberton Island. Die unbewohnte Insel ist ein beliebter Tagesausflugsort. Dementsprechend viele Motorboote liegen vor Anker. Die Bucht ist von beeindruckenden Felsen umgeben und am Isthmus ist eine geschützte Lagune, die zum Schwimmen einlädt - sofern einem das Wasser nicht zu kalt ist. Die Neuseeländer scheinen ziemlich abgehärtet zu sein, denn hin und wieder sieht man jemanden, vor allem Kinder, im Wasser - es ist ja auch Sommer.

Am Strand beobachten wir ein bodenbrütendes Vogelpärchen. Hoffentlich können sie die zwei Eier vor den vielen Möwen schützen.

Ein Pfad führt auf die Spitze eines Hügels, von dem wir einen wunderschönen Ausblick auf die Bay of Islands haben. Hier oben hatten die Maori einen befestigten Ort (Maori Pa), der gut (vor allem gegen feindliche Stämme) zu verteidigen war.

James Cook landete 1769 mit seiner Endeavour auf der Insel, was bei den sehr kämpferischen Maori nicht ungefährlich war. Abel Tasman verlor 1642 bei einem Seegefecht mit den Maori in der Golden Bay (Südinsel)  zwei seiner Männer und ging nicht an Land. 

Moturua Island

3. - 4.Jänner 2019

Unser nächstes Ziel ist die nur 3,2 Seemeilen entfernte Mangahawea Bay auf Moturua Island. Gut, dass wir ziemlich früh losgefahren sind, denn nach kurzer Zeit ist die Bucht voll mit Ausflugsbooten. Ein attraktiver Rundwanderweg, vorwiegend durch schattigen Wald, führt uns um die Insel. Wir legen 4,3 km und 62 Stockwerke zurück (iPhone ist immer dabei), es geht also recht viel bergauf und bergab, werden aber immer wieder mit sehr schönen Ausblicken belohnt.

In einer der Buchten ankerte 1772 der französische Entdecker Marion Dufresne und richtete für seine kranke Crew ein Hospital ein. Noch innerhalb eines Monats wurden die Männer von den Maori im später so benannten Assassination Cove angegriffen, getötet und gegessen. 

Die Maori waren es in früheren Zeiten durchaus gewohnt, ihre Feinde inklusive deren Frauen und Kinder zu töten und entsprechend zubereitet zu essen. Es gibt Berichte, dass nach einem Kampf zwischen verfeindeten Stämmen bis zu 300 dieses schreckliche Schicksal erfahren haben. Der Kannibalismus wird heute kaum erwähnt.

Urupukapuka Island

4. - 6. Jänner 2019

Wir segeln weiter und nach nur drei Seemeilen lassen wir in der Otiao Bay auf Urupukapuka Island den Anker fallen. Nur drei Boote liegen in der großen Bucht. Wir sitzen im Cockpit und hören ein Schnaufen - es sind 4 Delphine, und zwar ziemlich große, die neben unserem Boot mehrmals auf- und abtauchen!  

Die Insel ist größer als die vorherigen und hat sehr schöne Rundwanderwege, die miteinander verbunden sind. Auch hier geht es wieder ziemlich viel bergauf und bergab (heute sind es 83 Stockwerke). Besonders gut gefällt uns ein Pfad, der entlang der hohen, fast senkrecht abfallenden Klippen angelegt ist. Er ist recht schmal und steil. Am höchsten Punkt des Hügels hatten die Maori einen Pa. Dieser war auf Grund seiner exponierten Lage gut zu verteidigen. 

Während unserer 4-stündigen Abwesenheit hat sich zu unserer Überraschung die Bucht richtiggehend angefüllt - vorwiegend mit Motorbooten. Derzeit sind Schulferien und viele Neuseeländer haben ein Boot und machen in der Bay of Islands Familienurlaub. Wir können nur hoffen, dass in der Nacht kein stärkerer Wind aufkommt und er die Richtung nicht ändert, denn dann hätten wir mit den zu nahe bei uns ankernden Booten ein Problem. 

Am nächsten Morgen 'flüchten' wir von der überfüllten Bucht und segeln zum 9,5 Seemeilen entfernten Cape Brett, um das berühmte Hole in the Rock zu besichtigen. 

Obwohl die Felsen vor dem Cape Brett recht beeindruckend aus dem Meer ragen, haben wir uns irgendwie mehr erwartet. Das Loch ist nicht sehr groß  bzw. hoch - von Fotos hatten wir den Eindruck, dass Boote durchfahren könnten, was nicht der Fall ist. 

Oke Bay

6. - 7. Jänner 2019

Am Rückweg vom Cape Brett haben wir das Bedürfnis nach einem ruhigeren Ankerplatz zum Übernachten und machen in der Oke Bay Halt. Die Bucht ist relativ tief und sehr gut geschützt - und nicht überfüllt. 

Der flache Sandstrand ist wunderschön - ein feiner, fast weißer Sand. Das Wasser kommt uns hier etwas wärmer vor (ist in Strandnähe nicht sehr tief).   

Auf einem Weg könnte man bis zum Cape Brett wandern (16,4 km), was wir aber nicht vorhaben, uns genügen drei Stunden. 

Whangaroa Harbour

22.-  29. Jänner 2019

Am 22. Jänner in der Früh, mit auslaufendem Strom, segelten wir Richtung Norden. Unser Ziel war der 37 Seemeilen entfernte Whangaroa Harbour, der uns von einem Neuseeländer sehr empfohlen wurde. Die Fahrt war wenig angenehm. Der Wind wechselte mehrmals zwischen 20 Knoten und fast Windstille, sodass wir drei Mal Groß und Vorsegel gesetzt und wieder geborgen haben.

Um 18:30 Uhr ließen wir endlich den Anker in der Waitepipi Bay fallen. Uns wurde nicht zu viel versprochen. Eine wildromantische Bucht mit beeindruckenden felsigen Erhebungen rundherum. 

Einen dieser Felsen, die Dukes Nose, haben wir (das letzte Stück nur Erwin) erklommen. Oben steht man auf einem Plateau und kann die wunderbare Aussicht genießen. 

Wir haben uns in die nächste Bucht, die Rere Bay, verlegt. Sie gefällt uns noch besser und hat zusätzlich den Vorteil, dass von hier die Wanderwege wegführen.

Unsere nächste Wanderung auf dem Wairakau Stream Track war lang (fast 13 km) und anstrengend. Der Pfad im Wald war streckenweise steil, mit vielen Wurzeln und schmal. An sich kein Problem, solange man nicht ausrutscht oder stolpert. Einige Male mussten wir die Schuhe ausziehen, um Bäche und einen Fluß zu überqueren. Es war ein lohnender Tagesausflug, allerdings hätten wir uns die letzten zwei Kilometer auf der Straße zu dem Ort Notara North sparen können. Das Essen (Fish and Chips) sowie das (wahrscheinlich einzige) Lokal waren nicht nach unserem Geschmack.

Von der Rere Bay aus kann man mit dem Dinghy - nur bei Flut - in einen felsigen Einschnitt (The Canyon) hineinfahren. Ein netter Ausflug. Viel Flora, leider keine Fauna.

Wir fahren 3 Seemeilen weiter in den natürlichen Hafen hinein und ankern vor der Whangaroa Marina. Hier besteigen wir den St. Paul Hügel und Felsen. 

Auckland

10. - 18. Februar

Nach einer sehr unruhigen Fahrt von Opua kommend legen wir am 10. Februar zu Mittag in der Bayswater Marina an. Von hier haben wir einen attraktiven Blick auf das Zentrum von Auckland und auf die Harbour Bridge. 

13. Februar: um 4:30 fahren wir zum Flughafen, um Inge und Gerhard abzuholen. Es ist noch stockfinster und wir sind froh, dass wir uns auf den 37 km, die vorwiegend über Stadtautobahnen führen, nicht verfahren - das rechtzeitige Einreihen für die vielen Abzweigungen ist trotz Navi nicht immer einfach.

Inge und Gerhard sind nach dem langen Flug (17 Stunden von Doha nach Auckland) erstaunlich fit und voller Tatendrang, sodass wir den Tag in Auckland City verbringen. Wir besuchen den Sky Tower und das Museum mit seiner umfangreichen Sammlung von kunstvoll ausgeführten Gebrauchsgegenständen und Waffen der Maori. 

Devonport

Wir verbringen einen Tag in Devonport, genießen den ruhigen Strand und gehen auf den North Head hinauf. Das ist ein kleiner Hügel, auf dem im 19. und 20. Jahrhundert Verteidigungsanlagen gebaut wurden - Kanonen, Bunker und Tunnel zeugen noch davon. Von oben haben wir einen schönen Ausblick auf den Hauraki Golf und auf das Zentrum von Auckland.    

Rotorua

Wir mieten ein Auto und fahren für zwei Tage nach Rotorua, einem 'Must see' auf der Nordinsel, 250 km von Auckland entfernt. Rotorua hat über 50.000 Einwohner mit einem sehr hohen Anteil an Maori und ist durch seine vielen Geysire, die sich in der Stadt und in der näheren Umgebung befinden, berühmt.   

In Whakarewarewa, einem Maori-Dorf in unmittelbarer Nähe von Rotorua, sieht man ständig irgendwo aus dem Schlamm oder Wasser heißen Dampf aufsteigen. Das ist beeindruckend und wohl einmalig. Ein Rundwanderweg führt durch das Geothermalfeld neben dem Dorf. So nahe an dem heißen Dampf wird uns ziemlich warm und es riecht intensiv nach Schwefel. Ein Geysir, der Pohutu Geysir, stößt sogar kochendes Wasser bis zu 30 Meter hoch in die Luft - und das 1 - 2 Mal in der Stunde.  

Zur Abkühlung besuchen wir anschließend den Whakarewarewa Forest, einen Wald mit riesigen Bäumen, die zum Teil mehr als 100 Jahre alt sind (Redwoods).  Redwood Bäume aus Kalifornien wurden hier 1901 gepflanzt, um den Nutzungsdruck auf die einheimischen Wälder zu verringern. Sie wachsen hier gut, das Holz ist aber weicher als das der kalifornischen Redwoods. Der Grund dafür ist, dass es in Neuseeland viel mehr regnet als in Kalifornien.

Hamilton

Auf der halben Strecke zurück nach Auckland machen wir in Hamilton Halt und besuchen die Hamilton Gardens. Die Anlage umfasst eine Fläche von ca. 50 Hektar. Hier wurden Gärten aus verschiedenen Epochen und Ländern angelegt, vom Küchengarten bis zum italienischen Renaissancegarten. Wir besichtigen sie alle - es ist eine Augenweide und ein Paradies für Gartenfreunde.  

Waiheke Island

18. - 21. Februar

Von Auckland segeln wir am Nachmittag des 18. Februars nach Waiheke, einer bei den Auckländern sehr beliebten Ferieninsel im Hauraki Golf. Es sind nur 15 Seemeilen, der Wind weht mit angenehmen 10-15 Knoten und die Sonne scheint - was will man mehr. Die Insel ist bekannt für ihre Weinberge und 'Wineries', sowie für gutes Essen und ihre schönen Sandstrände. 

In einer der 'Wineries' lernen wir ein sehr liebes junges Paar aus Wien kennen, genießen den exzellenten Riesling und die Zeit vergeht wie im Flug.

Kawau Island

21.-23. Februar

Es ist ein tropischer Sturm von Australien kommend für die nächsten Tage vorhergesagt, was für diese Jahreszeit sehr ungewöhnlich ist. Eigentlich sind wir ja nach Neuseeland gesegelt, um den Taifunen auszuweichen...

Wir werden zügig nach Norden segeln und den restlichen Urlaub von Inge und Gerhard in der Bay of Islands verbringen. Dort gibt es viele gut geschützte Buchten.  

Nach 25 Seemeilen - der Wind hat gedreht und kommt nun mit über 20 Knoten von vorne - lassen wir um 20:15 Uhr den Anker in der Stockyard Bay auf Kawau Island fallen. In der Bucht liegen überraschend viele Boote vor Anker. Die Nacht ist angenehm ruhig. 

Wir nützen den unvorhergesehenen Zwischenstopp für eine Besichtigung des Mansion House, in dem in der Mitte des 19. Jahrhunderts der wohlhabende Besitzer der Kupfermine der Insel mit seiner Familie (und den 9 Kindern) residierte und für einen Spaziergang auf der Insel. Es regnet immer wieder, aber nicht sehr stark.  

Von Kawau segeln wir ca. 100 Seemeilen Richtung Norden - mit bis zu 20 Knoten Wind und Gennaker - passieren im Morgengrauen das Hole in the Rock (Cape Brett) und segeln Richtung Bay of Islands weiter.

 

Aus dem tropischen Sturm ist Gottseidank nur eine Tropical Depression mit viel Regen und Wind (mit Böen bis zu 40 Knoten) geworden. 

 

Wir machen (über Nacht) Halt in der Oke Bay, einer sehr gut geschützten Bucht und dann beim Roberton Island. Am 25. Februar am Abend lassen wir vor dem Boating Club bei Russell den Anker fallen. Auch diese Bucht liegt für die vorherrschenden Winde günstig und wir haben es relativ ruhig am Boot. Zum Glück lässt der Regen nach und es zeigt sich sogar etwas die Sonne - bevor sie sehr stimmungsvoll untergeht. 

Bay of Islands

25. Februar - 15. März

26. Februar: Der heutige Tag ist Entspannung pur. Wir segeln von Russell zu einer nur zwei Seemeilen entfernten Bucht, wandern ein Stück durch den Wald und durch die Weinberge hinauf und verbringen einen wunderbaren Nachmittag in einer Winery, dem Omata Estate. Die Aussicht, das Essen und der Wein sind phantastisch.

Bei Sonnenschein und ausreichend Wind für den Gennaker segeln wir am 27. Februar zur Insel Urupukapuka, wo wir - wie schon vor einigen Wochen - rund um die Insel wandern. Inge und Gerhard sind von der wunderbaren und abwechslungsreichen Landschaft genauso begeistert wie wir.  

5. März:

Die Waitangi Treaty Grounds sowie eine Maori-Vorführung mit Hangi Dinner gehören einfach zu einem Neuseeland-Besuch dazu. Auch beim zweiten Mal für uns ein phantastisches Erlebnis.

6. März

Den letzten Tag von Inge und Gerhard in Neuseeland verbringen wir in Kerikeri und bei den Rainbow Falls. Es ist ein sonniger, warmer Spätsommertag - ein schöner und entspannter Abschluss für den Urlaub der beiden.  

15. März

Vor etwas mehr als 4 Monaten sind wir in Neuseeland angekommen und haben am Quarantäne-Dock in der Bay of Islands Marina in Opua angelegt.

 

Wir sind viel in der Bay of Islands, sowie weiter oben im Norden, aber auch im Hauraki Golf gesegelt. Vom Hauraki Golf sind wir dann wieder hinauf in die Bay auf Islands zurückgekehrt.

 

Heute nehmen wir Abschied von der Bay of Islands und genießen noch einmal ein exzellentes Abendessen im Duke of Marlborough in Russell. Morgen geht es - mit nächtlichen Stopps in Buchten entlang der Ostküste -  Richtung Süden nach Whangarei, wo unsere Crocodile aus dem Wasser geholt wird, während wir für ein Monat nach Wien fliegen. Somit neigt sich unser Neuseeland-Aufenthalt langsam dem Ende zu, denn wenn wir Anfang Mai - dann ist es hier schon ziemlich kalt - von Wien zurückkommen, geht es möglichst rasch nach Tonga.  

Tutukaka Harbour

18. - 24. März

22. März: Wir machen einen längeren Stopp im Tutukaka Harbour, 25 Seemeilen vor unserem Ziel Whangarei. Hier gibt es eine kleine Marina mit einigen Geschäften und Restaurants. Wir gehen gerne ins Schnappa Rock, das nicht nur ein charmantes Ambiente, sondern auch eine gute Küche hat und relativ preiswert ist. 

Von Tutukaka aus gibt eine überraschend schöne Wanderung zum Lighthouse. Dieses steht auf dem benachbarten Kukutauwhao Island, das nur bei Niedrigwasser zu Fuß erreichbar ist. Von hier haben wir einen phantastischen Rundumblick. Von oben sieht die Einfahrt zum Hafen (relativ schmal mit einigen Felsen) recht beeindruckend aus.  

Whangarei

24. März - 16. Mai

24. März: Drei Seemeilen vor der Marsden Cove Marina übernachten wir in der Urquharts Bay, um am 25. März stressfrei um 11 Uhr beim Haul Out in der Marina zu sein. Die Bucht wurde uns von Scott und Laurie empfohlen, kanadische Segler, die wir schon einige Male zufällig (in Tahiti, Tonga und Neuseeland) getroffen haben, zuletzt im Schnappa Rock in Tutukaka Harbour.  

Bevor die Sonne untergeht, machen wir noch eine längere Wanderung um die Urquharts Bay. Es ist wahrscheinlich unsere letzte Wanderung in Neuseeland. 

Marsden Cove Marina

25. März - 15. Mai

30. März: Wir sind seit 6 Tagen in der Marsden Cove Marina am Trockenen. Es gibt Service-, Verbesserungs- bzw. Pflegearbeiten am Boot zu tun. 

Felix ist jede Nacht unterwegs. Schon in der ersten Nacht ist er am Abend vom Boot die Leiter hinunter und erst um 6:15 in der Früh wieder zurückgekommen. Tagsüber schläft er. Wenn es dunkel und bei den Booten rundherum ruhig wird, ist er nicht mehr zu halten. Wir müssen auf seinen Orientierungssinn vertrauen.  

3. April: Heute fliegen wir von Auckland via Bangkok für ein Monat nach Wien.

Wieder zurück in Neuseeland: Am 3. Mai am Vormittag sind wir nach 30 Stunden (davon 24 Stunden in der Luft) in Auckland angekommen. Das bestellte Mietauto hatte kein Navigationsgerät. Ohne ist es fast unmöglich, sich zurechtzufinden. In einem Einkaufszentrum in Flughafennähe konnten wir ein Navi kaufen, dann holten wir Felix vom Pet-Service ab. Die Begrüßung war rührend. Während der mehrstündigen Fahrt von Auckland nach Whangarei ist er ruhig auf meinem Schoß gelegen und hat das Gestreicheltwerden genossen.     

In der Marina angekommen, war unser Boot weg. Wir erfuhren, dass es auf einen abgelegenen Hardstand für Langlieger verlegt worden ist, weil man Platz brauchte. Wir waren ziemlich sauer, hätten eine Information per Email erwartet. Am nächsten Tag in der Früh wurde die Crocodile wieder auf den alten Platz gebracht.

Noch ganz aufgekratzt von den Ereignissen erzählt Graham (er ist mit seiner Frau unterwegs), dass ihr Boot, ca. 50 Seemeilen vom East Cape entfernt, bei 30 Knoten Wind von einer Riesenwelle auf die Seite gelegt wurde und sich dann wieder langsam aufrichtete. Alles flog durcheinander, die Relingstützen wurden verbogen, aber zum Glück wurde niemand verletzt. 5 Minuten nach diesem Schock kollidierten sie mit einem Wal! Sie fragten sich "what's next?" Die Delle im Rumpf des Stahlbootes - ein über 30 Jahre alter holländischer Langkieler - die der Wal hinterlassen hat, ist beeindruckend. Der Wal muss erhebliche Kopfschmerzen gehabt haben, hat aber hoffentlich keinen weiteren Schaden genommen. Der Rumpf muss nun aufwändig repariert werden. Wir fragen uns, wie wir und vor allem unser Boot diese Ereignisse überstanden hätten.  

6. Mai: Felix hat eine neue Angewohnheit: Wenn wir am Hardstand unterwegs sind, begleitet er uns. Er läuft neben uns her. Es macht ihm offensichtlich Spaß. Wir sind darüber nicht so glücklich, weil er sich dadurch relativ weit vom Boot entfernt und auch Autos, wenn auch langsam, herumfahren. In der Nacht ist er regelmäßig unterwegs und tagsüber schläft er. Aber das kennen wir ja schon.   

11. Mai: Den heutigen Tag haben wir in Town Basin verbracht, das im Zentrum von Whangarei City am Hatea River gelegen ist. Friedensreich Hundertwasser ist eine Größe in Neuseeland und man baut hier ein Kulturzentrum nach seinen Plänen in bester Lage am Fluss neben der Marina.      

14. Mai: Morgen geht es endlich zurück ins Wasser. 

16.Mai: Seit gestern Nachmittag sind wir wieder im Wasser. Die Nacht sind wir noch in der Marina geblieben und haben in der Früh Richtung Norden mit dem Ziel Opua in der Bay of Islands abgelegt. Von Opua soll es dann nach Tonga gehen. Die Strecke entlang der Ostküste sind wir schon zweimal gesegelt und wir wollen wieder in Whangaruru Harbour über Nacht ankern.

von Whangarei nach Opua

Wir haben optimale Segelbedingungen (halber Wind aus SW, 15-20 Knoten, in den Böen bis 30 Knoten, kaum eine Welle, maximale Geschwindigkeit 8,6 Knoten) und die Sonne scheint. Mit dem frischen Antifouling am Rumpf und dem PropSpeed auf den Propellern gleitet unsere Crocodile so schnell wie schon lange nicht durchs Wasser. In Neuseeland hatten wir in kürzester Zeit einen unglaublich starken Bewuchs bekommen und wir wurden immer langsamer.

Es ist unser erster Segeltag nach 7 Wochen am Hardstand und es könnte nicht schöner sein. Gefühlt ist es bis jetzt das schönste Segeln in Neuseeland. Nach knapp 8 Stunden segeln wir bei untergehender Sonne in den Whangaruru Harbour hinein und lassen gegenüber der Puriri Bay den Anker fallen. Wir sind happy, freuen uns auf das Abendessen und auf ein kaltes Corona.

Es ist zwar erst kurz nach 18 Uhr, aber bereits finster, plötzlich fällt die gesamte Elektrizität am Boot aus! Zuerst haben wir die Induktionskochplatte als Ursache in Verdacht, doch die Sicherungen sind in Ordnung. Es sind sowohl die 220 als auch die 12 Volt Stromkreise tot. Die Batterien sind fast voll (Solarstrom) und die Ladung steigt an, als wir probeweise einen Bootsmotor laufen lassen. Es wird nur nichts an das 12V- und 220V-Netz abgegeben. Das bedeutet kein Licht, kein Wasser (die Tanks sind voll, aber die Pumpen funktionieren nicht), keine Kühlung (die Kühlschränke sind voll), keine Ladung der Geräte (iPad, PCs, etc.), kein Funk, keinerlei Anzeigen, keine elektrische (Anker)winsch, keine elektronische Karte, kein Autopilot. Nichts geht was Strom braucht. Zum Glück haben wir im Gästerumpf ein mechanisches WC. Das darf alles nicht wahr sein!  

Wir beschließen, morgen ohne elektronische Karte und ohne Autopilot die Küste entlang möglichst rasch nach Opua zu segeln, dort gibt es die entsprechenden Fachbetriebe. Den Anker werden wir schon irgendwie heraufbekommen (Anker hat 27 kg, 30 Meter Kette sind unten). Die Nacht ist sternenklar und es ist fast Vollmond, sodass unser Boot auch ohne Ankerlicht in der Bucht gut sichtbar sein müsste.

17. Mai: Es dauert fast zwei Stunden, bis Kette und Anker heroben sind. In der Bucht ist viel Platz und die Sonne scheint - schlimmer geht immer. 

Das Groß muss nun auch ohne elektrische Winsch gesetzt werden und es ist ungewohnt, nur nach dem Wind zu segeln - wie in alten Zeiten. Das Steuern verlangt ständige Aufmerksamkeit und einer von uns beiden muss immer am Steuerstand sein. 

Jetzt bewährt sich SEAIQ, ein Programm, das wir zusätzlich auf dem iPad haben und das unabhängig von der Bordelektronik funktioniert. Wir haben dadurch die GPS-Position auf einer elektronischen Karte und wissen, wo wir und die Untiefen und Felsen exakt sind, von denen es auf der Strecke einige gibt. Wir schalten das iPad nur jeweils kurz zur Orientierung ein, weil der Ladezustand immer niedriger wird. 

 

Da wir relativ nahe beim Festland segeln, haben wir eine gute Telefonverbindung und Erwin kann einen Platz in der Bay of Islands Marina in Opua reservieren und einen Termin mit einem Bootselektroniker für morgen Früh (Samstag) vereinbaren. 

Bis zum Cape Brett haben wir ähnlich gute Bedingungen wie gestern und kommen gut voran. Beim Kurswechsel in die Bay of Islands haben wir dann Gegenwind, sodass wir trotz Motorunterstützung und mehrmaligem Kreuzen nur mäßig vorankommen. In der Fahrrinne im Kanal nach Opua hilft uns die einströmende Flut und um 19 Uhr (zuletzt im Finstern ohne Positionslichter) sind wir dann endlich in der Marina. Müde und etwas unterkühlt, aber ohne Schaden an Mannschaft und Boot. 

Bay of Islands Marina, Opua

17. -    29. Mai 2019

18. Mai: Mit einer gewissen Anspannung warten wir auf den Bordelektroniker. Es gibt Entwarnung: Rob findet die Ursache: Der Schalter, der die Verbindung zwischen Batterie und Inverter herstellt bzw. unterbricht, ist kaputt. Rob schließt die Verbindung kurz und - hurra! - alles funktioniert wieder. Anfang nächster Woche sollte ein neuer Schalter kommen. Ein sehr großes Problem ist zu einem sehr kleinen geworden. 

Wir haben bereits die Ausklarierungsunterlagen an den Zoll geschickt und planen, bei günstigen Wetterbedingungen bald Richtung Tonga (rund 1200 Seemeilen) abzulegen.

Derzeit warten in der Marina mindestens 25 Yachten auf ein günstiges Wetterfenster für die Überfahrt nach Tonga, die meisten davon sind Teilnehmer der Pacific Circuit Rally. Sie haben die Abfahrt schon zum zweiten Mal um 8 Tage verschoben und wollen jetzt angeblich am 28. Mai nachmittags ablegen. 

 

Wir schauen uns täglich die Wetterprognosen von Predict Wind an, die für die nächsten Tage Wind vorwiegend aus Norden (wohin wir segeln) und teilweise Wellen mit durchschnittlich 6 Metern von vorne oder von der Seite vorhersagen. Zwischen den Tagen mit rund 25 Knoten gibt es dann wieder tagelang Zonen mit Wind um die 5 Knoten, viel zu wenig zum Segeln. Durch die Flauten muss man motoren - eine wenig verlockende Aussicht.

24. Mai: Wir haben einen anderen Wetterguru als die Pacific Circuit Rally engagiert. Er sagt voraus, dass es noch 7 bis 10 Tage dauern wird, bis sich die Wettersituation grundlegend für eine Überfahrt nach Tonga bessern wird, mit Wind aus SW und auch Wellen aus SW. Das ist wenig erfreulich, weil wir schon weg wollen. Wir haben uns aber damit abgefunden, dass wir noch etwa bis 2. Juni hier bleiben werden.   

25. Mai: Bevor wir Neuseeland verlassen, wollen wir noch unbedingt die riesigen Kauri-Bäume sehen. Wir fahren dafür rund 150 km von der Ost- zur Westküste quer durch die Nordinsel.

 

Unsere Fahrt führt uns durch den Ort Kawakawa, wo Friedensreich Hundertwasser die öffentliche Toilette gestaltet hat. Hundertwasser lebte mehr als 25 Jahre in Kawakawa und starb auch dort.

 

Die Fahrt ist teilweise landschaftlich reizvoll. Es gibt aber auch Abschnitte, in denen die Landschaft zugunsten von Weideland ziemlich ausgeräumt erscheint. Die europäischen Siedler sind bei der Urbarmachung nicht zimperlich vorgegangen. Aus einer zur Gänze bewaldeten Insel ist überwiegend Weideland geworden.  

 

Recht unvermittelt kommen wir nach zwei Stunden Fahrt durch die hügelige Landschaft nach Opononi, einem netten Ort an der Westküste (Tasman See) mit riesigen Sanddünen und einer "Scenic Reserve", wo wir uns etwas die Füße vertreten. 

 

Im Waipoua Forest sehen wir dann endlich diese Riesenbäume, für die wir die lange Fahrt gemacht haben. Es sind zwar nur zwei Giant Kauri (Tane Mahuta und Te Matua Ngahere), aber diese sind wirklich riesig und beeindruckend. 

 

Tane Mahuta (Gott des Waldes) ist mit seinen 51,5 m Höhe und 13,8 m Umfang der größte Baum Neuseelands und zählt zu den größten weltweit. Er ist um die 2000 Jahre alt und wächst immer noch. Im kosmischen Verständnis der Maori ist Tane der Sohn des Himmels (Vater) und der Erde (Mutter). Tane ist der Lebensspender: alle lebenden Kreaturen sind seine Kinder.

 

Die Kauris sind durch einen eingeschleppten pilzartigen Erreger bedroht, der zur Wurzelfäule führt. Deshalb sind bei den Ein- und Ausgängen der Wälder Waschstationen für die Schuhsohlen eingerichtet. Es gilt als bewiesen, dass sich der Erreger in den Profilen der Schuhsohlen befinden und sehr lange darin halten kann.

29. Mai: Überraschend haben wir gestern die Nachricht erhalten, dass wir am 29. Mai ablegen sollten, da die vorhergesagte Wetterbesserung um den 2. Juni möglicherweise nicht eintreten wird und weitere Tiefs im Anzug sind, sodass der heutige Tag noch am günstigsten erscheint und es danach noch schlechter werden könnte.

Von den gestern abgelegten Yachten der Pacific Circuit Rally sind 4 wieder in die Marina zurückgekommen. Wir kennen keine Details, nur dass die Wellen riesig gewesen sein sollen und dass bei einer Yacht das Groß zerrissen wurde.