Überfahrt von Neuseeland nach Fidschi

21. - 31. August 2022:

Auf ein optimales Wetterfenster für die Überfahrt in dieser Jahreszeit zu warten, ist ziemlich aussichtslos. Darin sind sich Neuseeländer, mit denen wir in der Marina gesprochen haben und die sich mit dem Wetter beschäftigen, einig. Das erreichbare Maximum ist, ein Sturmtief zu vermeiden, also eine sichere Überfahrt zu haben.

Um 12:45 Uhr legen wir bei Sonnenschein und wenig Wind vom Visitor-Dock in der Marsden Cove Marina ab. Laut den Vorhersagen sollten wir am ersten Tag wenig Wind von vorne haben, haben aber bis zu 20 Knoten direkt auf die Nase und eine unangenehme Welle von vorne seitlich. Wir müssen motoren, kommen nur sehr langsam voran. Erwin ist seit langem das erste Mal wieder seekrank, verbringt die Nacht sitzend im Salon, an ein Liegen in der Kabine unten ist nicht zu denken. Die vorbereiteten Fleischlaibchen bleiben vorerst im Kühlschrank.

 

Am 22. August in der Früh, ich bin gerade am Steuerstand, taucht plötzlich ein Wal ganz nahe neben der Bordwand auf und bläst eine hohe, beeindruckende Wasserfontäne aus. Ich stehe direkt daneben, bin überrascht und überwältigt, kann es im ersten Moment gar nicht fassen, rufe nach Erwin. Lautlos taucht der Wal wieder ab, seine schwarze, glatte Haut glänzt in der Morgensonne. Er taucht noch einmal neben dem Steuerstand auf, Erwin schätzt ihn auf etwa 10 Meter, dann ist er weg.  

 

Der Wind dreht von N auf WNW und am Vormittag können wir die Segel setzen. Die Ruhe an Bord, ohne Motorengeräusch, ist herrlich, die Sonne scheint und es ist angenehm warm. Erwin leidet noch immer und kann nichts essen. Am Nachmittag dreht der Wind auf W, dann auf WSW und legt zu. Mit dem 2. Reff im Groß haben wir die optimale Segelfläche, segeln mit bis zu 8,5 Knoten Geschwindigkeit.

 

23. August: Ein ausgedehntes Hoch mit wenig bis Null Wind ist vorhergesagt, aber wir segeln am Nachmittag immer noch mit WSW-Wind zügig dahin. Bei untergehender Sonne stoßen wir mit einem halben Achterl Chardonnay auf meinen Geburtstag an (eine Ausnahme, denn auf Überfahrten trinken wir keinen Alkohol), hören klassische Musik und genießen das entspannte Segeln. Erst am Abend schläft der Wind komplett ein und wir müssen die Segel bergen. In diesem Moment fällt die Steuerung aus! Erwin muss in den Motorraum, um die Steuerung zu reparieren, zum Glück bei relativ ruhiger See. Dann motoren wir durch die Nacht.

 

24. August: Der Wind kommt aus der richtigen Richtung, ist aber zu schwach um zu segeln. Nach fast 24 Stunden motoren können wir wenigstens unterstützend das Vorsegel setzen. Beim Wechsel vom Backbord- auf den Steuerbordmotor fällt uns auf, dass bei gleich hoher Drehzahl wir um ungefähr 1,5 Knoten langsamer sind als beim Backbordmotor, der Propeller hat offensichtlich einen Schaden. Wir müssen auf den Steuerbordmotor verzichten und nur mit dem Backbordmotor weiterfahren, den Diesel vom fast vollen Steuerbordtank in den backbordseitigen Tank transferieren. Der Backbordmotor ist hinter unserer Kabine, wir sind müde genug, um trotz des Motorenlärms zu schlafen.

 

Am 25. August dreht der Wind auf Norden, wohin wir segeln, legt auf 20+ Knoten zu, die Wellen werden zunehmend höher, wir haben noch mehr als 600 Seemeilen nach Fidschi. Innerhalb weniger Minuten tauchen auf unserem Monitor 6 Schiffe in einem Radius von 3 – 5 Seemeilen um uns herum auf. Über AIS sehen wir, dass es sich um chinesische Fischerboote handelt.

 

Erst ab 26. August in der Früh dreht der Wind beständig auf SSE und SE und einen weiteren Tag später setzen wir bei Windstärken zwischen 10 – 15 Knoten den Code Zero, eines unserer Vorwindsegel, und schalten den Motor aus. Wir haben den Code Zero schon einige Zeit nicht mehr oben gehabt und sind von der Performance sehr angetan, das Boot läuft sehr ruhig, trotz schwacher Winde erreichen wir um 6 Knoten Geschwindigkeit.

 

Am 28. August setzt starker Regen ein, der den ganzen Tag anhält. Die Wellen werden immer höher, der Wind legt auf 20+ Knoten zu, in den Böen um die 30+. Eigentlich schon zu viel Wind für den Code Zero. Leider haben wir den optimalen Zeitpunkt zum Bergen verpasst. Wir wollen deshalb zusätzlich das Vorsegel setzen, um Druck aus dem Code Zero herauszunehmen. Als sich das Vorsegel nicht ausrollen lässt, schalten wir die Deckscheinwerfer ein und bemerken, dass sich die steuerbordseitige Schot des Code Zero um das untere Ende des eingerollten Vorsegels gewickelt und einen großen Knäuel gebildet hat. Erwin muss nach vorne und es gelingt ihm relativ rasch, die Schot zu lösen. Dann bergen wir den Code Zero bei zu viel Wind. Es gelingt, auch wenn das Segel wie wild killt. Wenige Minuten danach ist Flaute - das Bergen hätten wir einfacher haben können. Gleich darauf setzt starker Regen ein. Nach dem Regen legt der Wind wieder zu uns wir entscheiden uns, die restliche Nacht nur mit dem Vorsegel weiterzufahren. Die Bootsbewegungen sind sehr unruhig und wir kommen nur mit etwa 4 Knoten voran. Wir haben, wie schon seit Anbeginn an, Gegenstrom zwischen 0,9 - 2 Knoten. 

 

Am 29. August in der Früh setzen wir das Groß. Durch den Winddruck im Segel sind die Bootsbewegungen nun angenehmer. Der Wind bleibt beständig auf SSE mit 20+ Knoten. Es regnet immer wieder, die Wellen sind um die 3 Meter. Wir messen maximale Geschwindigkeiten zwischen 9,4 und 10,6 Knoten. Erwin hat heute Geburtstag, wir genehmigen uns wieder einen kleinen Schluck Chardonnay. Fidschi kommt rasch näher!

Am 30. August um 22:50 Uhr passieren wir unter Segel das Außenriff durch die Malolo Passage. Danach ist die See ruhiger, der Wind lässt auf 10-15 Knoten nach. Wir sind bereits in der Abdeckung von Viti Levu.

 

Am 31. August um 0:45 Uhr bergen wir die Segel und fahren mit etwas über 1 Knoten Richtung Vuda Marina, die nur mehr 15 Seemeilen entfernt ist, damit die Zeit vergeht. Wir wollen vor der Marina nicht in der Dunkelheit ankommen, das wäre wegen der dort ankernden Yachten und der Bojen gefährlich. Wir haben unsere ETA mit 8 Uhr in der Früh angegeben, sind auf die Minute genau vor der Marina und melden uns über Funk. 

Wir sollen an einer Boje anlegen und warten. Einige Segelboote liegen ebenfalls vor der Marina an Bojen bzw. ankern. Wir frühstücken ausgiebig, die Sonne scheint und wir genießen es, in Fidschi angekommen zu sein.

 

Ein Boot vom Health Department kommt zu unserem Boot und wir müssen einen AG-Test machen, erst danach dürfen wir zum Zoll-Dock in die Marina hinein fahren.

Fidschi

31. August 2022 

Für die 1.157 Seemeilen von der Whangarei an der Ostküste der Nordinsel Neuseelands bis zur Vuda Marina an der Westküste von Viti Levu, der Hauptinsel von Fidschi, waren wir 9 Tage und 19 Stunden unterwegs. 

Als wir vor drei Jahren von Fidschi weggesegelt sind, waren wir etwas wehmütig und dachten, nie wieder hierher zurückzukommen. Wir sind sehr glücklich, wieder hier zu sein. 

Vuda Marina

Wie schon vor drei Jahren werden wir ganz herzlich mit einem Ständchen von den Marina-Angestellten begrüßt. Die Beamten von Biosecurity, Immigration und Zoll kommen zu uns an Bord und bis wir endlich einklariert und an unserem Liegeplatz angekommen sind, ist es bereits 3 Uhr nachmittags.

Nachdem das Boot gesichert ist, gehen wir in das Boatshed-Marinarestaurant, das etwas erhöht im Grünen liegt und eine exzellente Küche hat, essen. Kaum sitzen wir auf der Terrasse, steht plötzlich Bill vor uns! Er hat unsere 'Crocodile' kommen gesehen. Ihn haben wir zuletzt vor drei Jahren hier in Fidschi getroffen. 

In der Marina treffen wir auch ein holländisches Seglerpaar und eine Holländerin, mit denen wir 2017 die Weihnachtstage in einer Finca in Kolumbien verbracht hatten. Das Paar war gerade in Vietnam unterwegs, als die Corona-Pandemie ausbrach und sie mussten zwei Jahre in einem vietnamesischen Resort verbringen, zeitweise waren sie die einzigen Gäste, Platz war für ca. 600. Ihr Boot war hier in der Vuda Marina und war, als sie wieder zurückgekommen sind,  in einem schrecklichen Zustand. Ein wahrer Albtraum. Die Holländerin lebt inzwischen in Fidschi.   

 

Am 5. September fahren wir zum Musket Cove Resort & Marina auf dem Malolo Lailai Island, wo wir vor drei Jahren mit Stefan Urlaub gemacht hatten. 

 

Es ist kaum Wind, sodass wir motoren müssen, hin und wieder haben wir das Vorsegel ausgerollt. Es sind nur 20 Seemeilen.

Musket Cove Resort & Marina

5. - 22. September 2022

Wir liegen an einer Marina-Boje, die relativ nahe beim Resort und am Rand des Bojenfeldes liegt, was sehr angenehm ist, weil hier weniger Motorboote durchfahren. Die Bojen sind sehr begehrt und können nicht reserviert werden, es gilt first-come, first-served, wir hatten Glück. Derzeit liegen ca. 60 Boote in der Lagune vor der Musket Cove Marina und dem Resort. Nächste Woche werden es mehr sein, denn am 15. September beginnt die Musket Cove Regatta, die 5 Tage dauert. 

Jetzt ist einmal relaxen angesagt. Es ist traumhaft schön hier. Es scheint die Sonne, das Wasser hat 28°, die Nächte sind angenehm und nicht zu warm. Wir haben zum ersten Mal stand up paddle ausprobiert - schaut schwieriger aus als es ist, allerdings sind die Bedingungen sehr gutmütig. 

Der Double Chocolate Ice Cream mit Joghurt können wir einfach nicht widerstehen, es ist eine echte Kalorienbombe. Leider gibt es nur 2 Liter-Boxen. Inzwischen 'schaffen' wir schon mehr als die Hälfte einer Eisbox. 


Vuda Marina - Hardstand

22. September -  1. Oktober 2022

Am 22. September in der Früh segeln wir wieder zurück zur Vuda Marina. Wir müssen wegen der Propeller-Probleme auf den Hardstand, was in Fidschi für Katamarane nur in der Vuda Marina möglich ist.

Wie vereinbart, fahren wir bei maximaler Flut zur Rampe. Außer zwei uns zuwinkenden Personen, die dort stehen sowie einen kleinen Traktor und einen Caterpillar sehen wir nichts - keinen Travel Lift oder ähnliches Gerät zum Herausheben eines Bootes. Wir sind etwas irritiert, können uns nicht vorstellen, wie das gehen soll. Was wir vom Boot aus nicht sehen, ist eine fahrbare Bühne, die sich unter Wasser befindet, auf die wir eingewiesen werden. Dann bringen Taucher unter dem Boot den Rumpf unterstützende Holzkonstruktionen an, die Bühne wird angehoben und mittels des Doppelgespanns von Traktor und Caterpillar die Rampe hinauf aus dem Wasser gezogen. Der Haul out ist abenteuerlich, so etwas haben wir noch nie gesehen, aber die Burschen kriegen es wunderbar hin und holen die 'Crocodile' unbeschädigt aus dem Wasser, es ist unglaublich. Der Hardstand ist voll mit Katamaranen - auch sehr großen - daher hatten wir auch keine Bedenken.   

Wir haben einen sehr angenehmen Platz am Hardstand, der etwas erhöht über der Marina liegt. Wir stehen direkt beim Wasser und schauen auf die Marina hinunter. Das Cockpit ist von üppigen Palmen und Bäumen umgeben, auf denen bereits bei Tagesanbruch Vögel um die Wette zwitschern - sie sind in unserer Abwesenheit in das Cockpit gekommen und haben die Hälfte der Bananen im Obstkorb angepeckt. 

Das Service-Kit von EWOL aus Italien ist bereits eingetroffen und Erwin ist 5 Tage intensiv mit den Propellern beschäftigt. 

29. September: Heute haben wir zugeschaut, wie ein Katamaran ins Wasser gelassen wird. Es war für uns sehr lehrreich - in zwei Tagen ist es bei uns so weit.