Abfahrt von Wien

Am 22. Oktober 2016 um 14:11 Uhr geht es endlich los. Eigentlich wollten wir in der Früh schon wegfahren ... wir sind sehr bald aufgestanden, aber packen, packen, letzte Dinge erledigen ... um die Mittagszeit sind wir schon ziemlich geschafft ... dann müssen wir los, sonst wird das heute nichts mehr mit den rund 1000 km nach Verdun. Es war eine gute Entscheidung, 6 Schachteln mit DHL in das Hotel in La Rochelle voraus zu schicken, denn der VW-Bus ist komplett voll. Die Sachen hätten keinen Platz mehr gehabt.

 

Felix muss während der Fahrt in seinem Transportbehälter bleiben. Anfänglich protestiert er ziemlich lautstark, schläft aber bald friedlich ein.

 

In der Autobahnraststätte Aistersheim bei Wels treffen wir uns mit Anna und Franz. Zwei starke Kaffee wecken die Lebensgeister wieder und die noch rund 800 km nach Verdun empfinden wir dann als gar nicht mehr so arg. Um 3 Uhr früh sind wir endlich im Hotel Les Jardins du Mass in Verdun. Am nächsten Tag fahren wir die restlichen ca. 750 km und sind am späten Nachmittag in La Rochelle.    


La Rochelle

23. - 29. Oktober 2016

Gleich nach der Ankunft gehen wir zum Hafen und sehen zum ersten Mal unser neues Boot! Es ist ein schönes Gefühl.

 

Bis das Boot übernommen und der VW-Bus aus- und das Boot eingeräumt ist, wohnen wir im Hotel St. Nicolas in der Altstadt. Zu unserer Bestürzung sind nur 5 statt den 6 DHL-Schachteln im Hotel angekommen. Es ist praktisch unmöglich, den Verbleib der einen Schachtel herauszufinden. Nach endlosen Telefonaten geben wir auf. Wir können nur hoffen, dass die Schachtel, aus welchen Gründen auch immer, zumindest wieder retour nach Wien gegangen ist.

 

Für Felix ist das alles zu unruhig und er fühlt sich überhaupt nicht wohl im Hotelzimmer. Er wirkt sehr unglücklich, frisst fast nichts, schnurrt nicht mehr und dreht den Kopf weg, wenn wir ihn streicheln und trösten wollen. Wir leiden mit ihm. 

 

Es gibt am Boot einiges zu richten bzw. zu erledigen, sodass wir noch in La Rochelle bleiben müssen. 

Am 29. Oktober um die Mittagszeit legen mit dem Ziel Kanarische Inseln, Lanzarote ab.     


12 Tage Nordatlantik

Da wir unser Boot mehrwertsteuerfrei gekauft haben, müssen wir die EU-Gewässer unverzüglich verlassen. Wir können nicht in Spanien oder Portugal anlegen, weil wir das - wenn auch geringe - Risiko einer Überprüfung mit Nachzahlung der Mehrwertsteuer plus Strafzahlung nicht eingehen wollen.

 

Obwohl es schon Ende Oktober ist, ist die Biskaya total ruhig, die Sonne scheint und es ist warm. In der dritten Nacht haben wir Glück: die Schot hat sich vom Großbaum gelöst und der Großbaum pendelt frei. Wir bemerken es sofort und können die Schot provisorisch fixieren. Glücklicherweise ist der Wind schwach.

 

Mehrmals begleiten uns über längere Zeit rund 30 Delphine. Sie schwimmen vor, neben, hinter uns und zwischen den Rümpfen. Wir bewundern diese eleganten, intelligenten Tiere wie sie sich mühelos im Wasser bewegen. Wir können ihr Pfeifen auf dem Trampolin liegend hören. 

 

Es bleibt weiter sonnig und warm, Wellen (leider) und Wind (Gottseidank)  nehmen zu. Nachdem der Gennaker erst kurze Zeit gesetzt ist, bricht das Fall und das 70 m2 große Segel verfängt sich unter dem Boot und wirkt dort wie ein Treibanker. In einer dramatischen, über eine Stunde dauernden Bergung kann das Segel auf das Trampolin gezogen werden. So etwas passiert natürlich in der Nacht und wenn es regnet.

 

Nach einer Woche wird das Wasser langsam knapp. Wir wollen den Wassermacher zum ersten Mal in Betrieb nehmen. Das Manual gibt es nur auf französisch! Die technischen Details bleiben uns deshalb verschlossen, das Schulfranzösisch reicht nicht aus. Emails an den Hersteller, doch wenigstens die Kurzfassung der ersten Inbetriebnahme auf englisch zu mailen, werden nicht einmal ignoriert. Ab jetzt nur mehr Katzenwäsche.  

 

Nach ca. 1800 sm legen wir am 10. November um 8 Uhr Früh in der Marina Lanzarote an. Unsere erste längere Überfahrt ist geschafft, Schiff und Mannschaft sind wohlauf, aber ziemlich müde! 

 

Während der Überfahrt zieht sich Felix entweder auf den Kasten oder unter die Steppdecke zurück. Die Bootsbewegungen und die ungewohnten Geräusche irritieren ihn sehr. Nur langsam wird er etwas mutiger und kommt - vor allem in der Nacht - in den Salon oder ins Cockpit und leistet uns bei der Nachtwache Gesellschaft.