Überfahrt von Neukaledonien nach Australien

23. - 30. November 2022

Mit einsetzender Ebbe fahren wir um 5:15 Uhr in der Früh aus der Marina hinaus. Ich stehe vorne am Bug und sehe im Wasser etwas Rundes schwimmen. Beim Näherkommen entpuppt es sich als eine Schildkröte, die ihren Kopf aus dem Wasser herausstreckt. Sie taucht knapp neben unserem Boot wieder unter. Drei Stunden später, kurz nach 8 Uhr, verlassen wir die riesige Lagune, von der die Hauptinsel Grand Terre umgeben wird, durch den Pass De Duma. 

Chris Parker, unser Wetter-Router, empfiehlt uns, auf der direkten Linie nach Coffs Harbour zu segeln. Die ersten Tage variiert der Wind zwischen sehr schwach und mäßig, kommt aber aus der für uns günstigen Richtung. Wir können zweitweise den Code Zero setzen, zeitweise müssen wir einen Motor zur Unterstützung nehmen. 

Das Wetter in der Tasman See ist oft schwer vorherzusagen, weil es sich innerhalb kurzer Zeit ändern kann. Wettervorhersagen für mehrere Tage sind daher schwierig, Tiefs ändern ihre Richtung und ihre Zuggeschwindigkeit. 

26. November:

Für die nächsten Tage wird schweres Wetter auf unserem geplanten Kurs in Küstennähe von Coffs Harbour vorhergesagt und uns wird empfohlen, als Ausweichhafen Southport, das etwas nördlicher liegt, zu überlegen. 

Glücklicherweise entwickelt sich das Wetter weniger dramatisch als prognostiziert. Die letzten zwei Tage der Überfahrt sind aber eine Herausforderung. Die Windstärke geht zwar nicht über 32 Knoten, aber die sehr unregelmäßige und schwere See ist belastend. Wir segeln mit 6-7 Knoten und unser Boot setzt hart in die von schrägvorne kommenden Wellen ein. Oft bekommen wir eine komplette Bootsdusche durch die aufgeworfene Gischt. Wir können uns nur mit größter Vorsicht und ständig nach einem Halt greifend am Boot bewegen. Durch das harte Einsetzen in die Wellen fallen alle drei Deckenpaneele über unserem Bett herunter. Wir sind beide im Salon, an Schlaf ist sowieso nicht zu denken. Die Geräuschkulisse ist beängstigend, aber unser Boot muss das aushalten.   

Etwa 100 Seemeilen vor Coffs Harbour werden wir immer schneller und unsere ETA verschiebt sich von 10 Uhr vormittags auf 2 Uhr früh. Da wir nicht bei völliger Dunkelheit in eine uns unbekannte Bucht einlaufen wollen, schlagen wir vor Coffs Harbour noch einen Haken und 'warten' bis es hell wird. 

Australien

Coffs Harbour

Nach 904 Seemeilen und 6 Tagen und Nächten auf hoher See laufen wir am 30. November um 7 Uhr früh in die bis auf ein Boot völlig leere, recht rollige Bucht vor der Marina ein und ankern. Beim Einfahren des Ankers fällt ein Tau ins Wasser und wickelt sich um die Backbordschraube. Erwin darf nach dem Frühstück einen erfrischenden Tauchgang machen, kann das Tau wieder von der Schraube herunterwickeln. Es ist nichts passiert, all good. Wir sind so müde wie seit langem nicht. 

Coffs Harbour International Marina

30. November - 22. Dezember 2022:

Am frühen Nachmittag werden wir über Funk verständigt, dass wir zum Einklarieren in die Marina fahren können. Die Beamten sind freundlich, die Administration wird zügig abgewickelt. Eine Packung Emmentaler und eine Packung Parmesan aus Noumea dürfen wir nicht einführen und kommt in den gelben Bioabfallsack. 

Wir haben noch Kraft zum Beine vertreten im an den Hafen angrenzenden Stadtteil von Coffs Harbour und für Pizza und Bier.   

Die kleine Marina wird durch mächtige Wellenbrecherwälle vor der Brandung des Pazifiks geschützt. Wir sind froh, hier einklariert zu haben. Wir fühlen uns in der schon etwas in die Jahre gekommenen, aber charmanten Marina, in der wir wahrscheinlich die einzigen Nichtaustralier sind, sofort wohl. Die Marina ist über einen Wellenbrecherwall mit dem Naturschutzgebiet Muttonbird Island verbunden. 

Muttonbird Island

Muttonbird Island ist ein großer grüner Hügel mit einem attraktiv angelegten Weg. Von oben hat man einen herrlichen Rundumblick. Zum Schutz der Muttonbirds darf der Weg nicht verlassen werden. Die Vögel nisten in Erdlöchern, die vor Wind und Wetter Schutz bieten, die Insel ist voll davon. Tausende Muttonbirds, die tagsüber auf Futtersuche sind, kommen am Abend zu ihren Nestern zurück, wo die hungrigen brütenden Partner oder Küken auf sie warten. 

Von oben sieht man die relativ schmale Einfahrt in den natürlichen Hafen, wo wir am ersten Tag für mehrere Stunden geankert haben. Wegen der geringen Tiefe von 5 - 7 Metern haben sich in den letzten Tagen ziemliche Brecher aufgebaut. Wir sind einen Tag vor dem durchziehenden Tief gekommen.   

Neben der Marina sind wunderschöne, lange Badestrände mit imposanten Brandungswellen. Der Sand ist ganz fein, die Strände sauber. Der mächtige, ungefähr 500 Meter lange Jetty hat nur mehr historische Bedeutung, ihn gibt es seit 1892. Das Wasser in der Bucht ist für den heutigen Bedarf der Schifffahrt zu seicht. 

Seit wir hier sind, beobachten wir einen jungen Pelikan, der sich ausschließlich in der Marina aufhält, er schwimmt nicht einmal in die davor liegende Bucht. Er ist ganz alleine, ohne Artgenossen. Futter findet er genug, es gibt ausreichend Fische im Wasser. An Nachmittagen sehen wir ihn oft mit den Kormoranen gemeinsam auf einem aufgelassenen Steg ein Sonnenbad nehmen.  

Wir genießen die attraktive Umgebung der Marina mit den schönen Stränden und dem direkt angrenzenden Naturschutzgebiet. Wenn nicht gerade ein massives Tief durchzieht, scheint die Sonne und die Temperaturen sind sommerlich.

Der Ibis wirkt auf uns ziemlich exotisch. Er ist groß, hat keine Federn am Kopf und hat einen sehr langen, dünnen, gebogenen Schnabel.  

7. Dezember 2022: 

Leider gibt es immer wieder etwas zu reparieren oder zu erneuern. Dieses Mal ist es das elektrische WC, das ersetzt werden muss. Offensichtlich hat es durch die zwei Jahre pandemiebedingte Stehzeit doch Schaden genommen. Gestern ist das neue geliefert worden, der Einbau ist für Erwin alles andere als einfach.

Das Vorsegel, das am vorletzten Tag des Crossings gerissen ist, ist zur Reparatur beim Segelmacher und sollte in zwei Tagen fertig sein. 

Wir hoffen, dass wir am 10. oder 11. Dezember, gute Wetterbedingungen vorausgesetzt, weiter Richtung Süden segeln können. Von Coffs Harbour bis Sydney sind es rund 500 km. Wir wollen, wenn möglich, nur tagsüber segeln und sind dabei, geeignete Ankerplätze auf unserem Weg dorthin zu suchen. Den Start des traditionellen, jährlichen Sydney to Hobart Yacht Race am 26. Dezember und Silvester 22/23 wollen wir jedenfalls im Hafen von Sydney miterleben. 

18. Dezember:

Zum ersten Mal haben wir nicht auf unseren Hochzeitstag vergessen und feiern ihn im Latitude 30, einem exzellenten Restaurant nahe der Marina bei einem köstlichen Abendessen. 

19. Dezember:

Seit wir hier sind, hat ein konstanter Südwind ein Weitersegeln nach Süden verhindert. Heute pfeift er mit Spitzen bis zu 40 Knoten (ca. 75 km/h) durch die Marina. In der Bucht haben sich ziemliche Wellen aufgebaut. Laut Wettervorhersagen soll sich der Wind am 22. Dezember in der Früh abschwächen und auf Nord drehen. Allerdings nur für zwei Tage. Das würde genügen, um Sydney  ohne Zwischenstopp zu erreichen. 

22. Dezember: 

Die Wettervorhersagen sind unverändert günstig und um 6:30 Uhr legen wir Richtung Sydney ab. Wir haben uns bereits gestern in die Bucht außerhalb der Marina verlegt, um rechtzeitig starten zu können. Es ist, wie vorhergesagt, nahezu windstill. Noch am Anker setzen wir das Groß. Nach drei Stunden unter Motor setzt Nordwind ein und wir können den Code Zero und das Vorsegel zusätzlich zum Groß setzen.  

Viele Boote in Coffs Harbour haben wie wir lange auf das Wetterfenster gewartet, um Richtung  Sydney aufzubrechen. Das Feuerwerk zum Jahreswechsel ist für viele ein Highlight.

 

Entlang der Ostküste ist reger Schiffsverkehr. Nicht nur Segelyachten Richtung Süden, auch viele Cargoschiffe sind in beiden Richtungen unterwegs. 

Mit wenig Welle und günstigem Wind haben wir einen angenehmen Segeltag und kommen mit durchschnittlich 7 Knoten Geschwindigkeit gut voran. 

23. Dezember:

Wir sind überrascht, dass wir Internetempfang haben, obwohl wir 15 - 20 Seemeilen vom Festland entfernt die Küste entlang segeln.

 Wir sind jetzt rund 90 Seemeilen vor unserem Ziel. Auch heute wieder angenehme Verhältnisse in der Tasman See. Derzeit kaum Welle, aber auch kaum Wind. Wir motoren unter Segel mit rund 4,5 Knoten bei Sonnenschein ruhig dahin. Im Laufe des Tages soll der Wind zunehmen, hoffentlich.

24. Dezember:

Um 7 Uhr früh sind wir vor dem Hafen von Sydney, dem Jackson Harbour, es ist der größte natürliche Hafen weltweit. Von Coffs Harbour hierher haben wir 50 Stunden gebraucht und 267 Seemeilen zurückgelegt. 

Wir haben für einige Tage einen Platz in der Darling Harbour Marina bekommen, die in der Cockle Bay liegt. Die Cockle Bay befindet sich zwischen der Halbinsel Pyrmont und dem Zentrum von Sydney. Um in die Bucht zu kommen, müssen wir durch die 120 Jahre alte Pyrmont Bridge, die die beiden Stadtteile verbindet. Die historische Brücke ist für Segelboote zu niedrig. Sie wird  zu bestimmten Tageszeiten geöffnet. Heute können wir um 11 Uhr durch. Wir bergen die Segel und 'warten' etwa zwei Stunden vor der Hafeneinfahrt. Zu dieser Jahreszeit ist sehr viel Schiffsverkehr im Hafen, wir wollen drinnen nicht lange herumfahren. 

Sydney

24. Dezember 2022 - 12. Jänner 2023

Um 9 Uhr, gestärkt durch ein ausgiebiges Frühstück, fahren wir in den Hafen hinein. Bereits bei der Hafeneinfahrt sieht man die Wolkenkratzer des Zentrums von Sydney und bald darauf sind das Opernhaus mit seiner markanten Architektur und die Harbour Bridge zu sehen. Diese Sehenswürdigkeiten kennt man. Wir fahren langsam daran vorbei und genießen diese Augenblicke.   

Die Fahrt durch den Hafen bis zur Pyrmont Bridge dauert zwei Stunden. Um 11 Uhr schwenkt ein Teil der Brücke zur Seite und wir fahren in die Cockle Bay zur Darling Harbour Marina hinein. 

Darling Harbour

Die Darling Harbour Marina liegt parallel zur Uferpromenade, einer weitläufigen Fußgängerzone mit vielen Restaurants, Bars, Cafe's und Shops, alle sehr chic. Darling Harbour ist die gehobene Ausgehmeile von Sydney. Es sind sehr viele Leute unterwegs und uns gefällt das lässige urbane Ambiente. 

Wir haben Lust, im Darling Harbour in einem der sehr einladend aussehenden Restaurants Mittag zu essen und dann die Uferpromenade entlang Richtung Oper zu schlendern. Wir legen einige Kilometer zurück, es ist ziemlich heiß. Zurück nehmen wir vom Circular Quay die Fähre zum Darling Harbour.          

Am Heiligen Abend werden wir von einem tollen Feuerwerk in der Cockle Bay überrascht. Die Bucht ist recht klein, sodass das Feuerwerk sehr nah ist. So genießen wir es von unserer 'Crocodile' aus quasi erste Reihe fußfrei. Weihnachten wird hier anders gefeiert, alle Lokale sind geöffnet und es herrscht viel Betrieb. Dass Weihnachten ist, merken wir vor allem daran, dass wir oft und freundlich mit Merry Christmas gegrüßt werden.

Den 25. Dezember verbringen wir beim Opernhaus und im botanischen Garten. Das Opernhaus ist leider über die Feiertage bis Anfang Jänner geschlossen, sodass wir weder eine Aufführung besuchen, noch eine Führung im Inneren machen können. Es wurde nach den Plänen des dänischen Architekten Jorn Utzon erbaut und zählt zu den bekanntesten Bauten des 20.Jahrhunderts. Der Papagei hat sich offensichtlich vom nahegelegenen botanischen Garten zum Opernhaus verirrt.  

Manly

26. Dezember2022:

Den Start des traditionellen Sydney to Hobart Yacht Race, an dem heuer 109 Yachten teilnehmen, verfolgen wir auf dem Hügel von Manly, nahe der Hafeneinfahrt. Von oben überblicken wir die Strecke vom Start bis zur Ausfahrt in den offenen Pazifik. Hunderte Zuschauer haben es sich auf der Wiese auf dem Look out bequem gemacht. Es gibt Stände für Getränke und Fast food, es herrscht Picknickatmosphäre. 

Mit dem Startschuss um 13 Uhr aus einer historischen Kanone wird das Rennen eröffnet. Die großen Rennyachten zuerst, alle mit schwarzen Karbonsegel. Der Wind ist optimal, die Yachten sind vom Start weg sehr schnell. Dahinter starten die kleineren Yachten. Zuschauermotorboote begleiten die Yachten und ziehen eine Schaumkielwelle hinter sich her. Es ist ein Spektakel, insbesondere wenn man eine bestimmte Yacht favorisiert. Nach etwa einer Stunde haben die Rennyachten den Hafen verlassen und segeln Richtung Süden nach Tasmanien. Laut Wetterprognose soll der günstige Nordwind zumindest für zwei Tage anhalten.

Bevor wir mit der Fähre von Manly nach Darling Harbour zurückfahren, vergönnen wir uns einen  verspäteten Lunch in einem ausgezeichneten chinesischem Strandrestaurant. Der beliebte Strand und die Strandlokale sind überfüllt mit Badegästen. Die Bucht ist voll mit Motor- und Segelbooten. Hier jetzt einen Ankerlatz zu finden, wäre nicht einfach.

Rose Bay

Am 27. Dezember verlassen wir die Darling Harbour Marina und fahren zur Rose Bay, auch diese Bucht ist ziemlich voll. Die Bucht liegt etwa auf halbem Weg zwischen Hafeneinfahrt und der Harbour Bridge. Ein großer und mehrere kleine Sandstrände, schattige Wanderwege entlang des Ostufers und ein kleiner, lebendiger Ort mit Geschäften und Restaurants machen die Bucht zum Ankern attraktiv.

Von unserem Ankerplatz aus haben wir einen optimalen Blick auf die Harbour Bridge. Wir können nur hoffen, dass nicht ein großes Motorboot auf die Idee kommt, uns den Blick auf die  Brücke zu verstellen.  

31. Dezember 2022:

Den Jahreswechsel feiern wir bei Jana und Jan auf ihrer Fountaine Pajot 50, sie ankern neben uns. Mit dabei ist Laurie, eine kanadische Segelfreundin der beiden. Von der Flybridge aus haben wir den optimalen Blick auf die Harbour Bridge. Wir sind hoch genug, sodass uns niemand die Sicht verstellen kann. Das Feuerwerk ist phantastisch! Für uns wird es mit großer Wahrscheinlichkeit ein einmaliges Erlebnis bleiben. Wir sind sehr glücklich hier zu sein.

1. Jänner 2023:

Am Abend hören wir das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker aus dem goldenen Saal des Wiener Musikvereins per Lifestream. Wir können zwar die österreichischen Fernsehsender am Boot empfangen, das Neujahrskonzert ist aber aus rechtlichen Gründen blockiert, obwohl wir die Rundfunk- und Fernsehgebühren in unserer Abwesenheit weiter brav bezahlen 😊.

4. Jänner 2023:

Wir bleiben in der Rose Bay, verlegen uns aber tiefer in die Bucht hinein. Es wird Wind aus Süden mit bis zu 40 Knoten vorhergesagt.  Kaum liegen wir auf dem neuen Ankerplatz, kommt ein Katamaran und ankert neben uns. Es ist Scott mit seiner Muskoka, das ist eine Überraschung! Ihn treffen wir seit Jahren zufällig immer wieder. Die Seglerwelt ist auch klein. Wir erfahren, dass er und 4 weitere Boote ebenfalls nach Tasmanien segeln. Bei einem Sundowner lernen wir die kanadischen und amerikanischen Crews der anderen Boote kennen. 

Die folgenden zwei Tage haben wir Südwind mit 30 Knoten und mehr, dazu schüttet es wie aus Schaffeln. Wir bleiben am Boot.  

Das Tief zieht nur langsam durch. Der Wind bleibt auf Süd, der Intensivregen wird von täglich vereinzelten Regenschauern abgelöst. Das ist eine gute Gelegenheit für Museumsbesuche. Wir besuchen das Museum of Contemporary Art, wo eine hochinteressante Sonderausstellung des südkoreanischen Bildhauers und Installationskünstlers Do Ho Suh gezeigt wird und das Australian National Maritime Museum, wo wir unter anderem auf die originalgetreu nachgebaute Endeavour von James Cook hinaufgehen können. 

9. Jänner 2023:

Für heute haben wir eine Tagestour zu den Blue Mountains gebucht. Der Kleinbus fährt um 7:00 vom Four Seasons Hotel, das 10 Gehminuten vom Circular Quay entfernt ist, ab. Mit der ersten Fähre um 6:25 können wir von der Rose Bay zum Circular Quay fahren. Wir frühstücken früh und um 5:45 lässt Erwin das Dinghy vom Boot ins Wasser und versucht, den Außenborder zu starten, er springt nicht an. Der Außenborder war in Neuseeland beim Generalservice und ist bis jetzt immer problemlos angesprungen. Nach ungefähr 30 Versuchen bleibt nichts anderes übrig, wir - bzw. Erwin - muss rudern, die Zeit wird langsam knapp und die Fähre wartet nicht. Zum Glück ist das Wasser ziemlich glatt, es geht kaum Wind und von unserem neuen Ankerplatz ist es nicht allzu weit zum Ufer. Es geht sich aus. 

Blue Mountains Nationalpark

Die Blue Mountains sind ein riesiger Nationalpark, der zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Australiens zählt. Blue Mountains heißen sie deshalb, weil die Eukalyptusbäume Tröpfchen absondern, die dann verdunsten und mit Staubteilchen in der Luft einen leicht bläulichen Dunst erzeugen. In durch Felsformationen geschützten und schwer zugänglichen Bereichen besteht noch Jahrhunderte alter ursprünglicher Regenwald. 

Three Sisters

Um die markanten drei Felstürme, die drei Schwestern, rankt sich eine Legende. Drei schöne Schwestern wurden von ihrem Vater in Stein verwandelt, um sie einem Krieger eines verfeindeten Stammes zu entziehen, der sie heiraten wollte. Diesem Krieger widerfuhr das gleiche Schicksal, er steht auf der anderen Seite des Tals. Der Vater verlor in dieser Auseinandersetzung seinen Zauberstab und konnte seine Töchter nicht mehr zurück verwandeln.  

Wir sehen hier viele schneeweiße Kakadus, eine Papageienart, die im Papua-Australischen Raum verbreitet ist. Sie können sehr laut sein, ihr Gekreische ist weit hörbar. Von Seglern wissen wir, dass man sie füttern könnte. Leider haben wir vergessen, Nüsse für sie mitzunehmen. 

Endlich sehen wir einige Koalas in Natura, wenn auch nur in einem Wildlife Sanctuary. Ihr Fell ist ganz weich und kuschelig und ihr Temperament sehr schaumgebremst, sie schlafen um die 20 Stunden pro Tag.

Wir haben uns in der Rose Bay verproviantiert, sind unseren Müll losgeworden, haben vollgetankt und uns in eine kleine Bucht nahe der Ausfahrt aus dem Sydney Harbour verlegt.

Spring Cove

11. Jänner 2023:

 

 Die kleine Bucht ist idyllisch, gut geschützt und ruhig. Es tut uns fast leid, dass wir morgen in der Früh von hier wegsegeln.

 

Die günstigen Winde für die Fahrt nach Süden beginnen morgen und werden nur für zwei bis drei Tage andauern. Wir wollen sie nützen.

12. Jänner 2023:

Um 9:30 Uhr legen wir Richtung Eden ab. Der Ankerplatz liegt ziemlich am südlichen Ende der australischen Ostküste, etwas mehr als 200 Seemeilen von Sydney entfernt. 

Gegen Mittag kommen wir in den Südstrom, der mit 2-3 Knoten angezeigt wird. Wir segeln mit Groß, Vorsegel und Code Zero und machen bei nur 11-14 Knoten Wind 7,5 - 8 Knoten Geschwindigkeit, einmal hatten wir 9,5 Knoten. In der Nacht wird der Wind zunehmend schwächer und der Südstrom, wenn überhaupt noch vorhanden, ist für uns nur noch schwach wirksam, wir müssen einen Motor zur Unterstützung dazunehmen.  

Am nächsten Tag bleibt der Wind, leider wieder einmal entgegen allen Vorhersagen, schwach und wir müssen motorsegeln. Es könnte schlimmer sein. Der Wind kommt zumindest aus der richtigen Richtung, die Tasman See ist ruhig und es scheint die Sonne. Für einige Minuten begleitet uns eine kleine Gruppe von Delphinen, die verspielt vor unserem Boot immer wieder auf- und abtauchen.   

Erst um Mittagnacht, es ist stockfinster, der Mond ist durch eine dichte Wolkendecke verdeckt, erreichen wir nach 219 Seemeilen und 37 Stunden die sehr große, gut geschützte Bucht und lassen etwa in der Mitte, die Sicht ist praktisch Null, den Anker fallen.

Eden - Snug Cove

14. Jänner 2023:

Nach einer ruhigen Nacht verlegen wir uns näher zum Ufer in den mehr geschützten Snug Cove. Es war richtig, das in der Nacht nicht zu riskieren. Die hier ankernden Segelboote, ungefähr 15, hatten teilweise kein Ankerlicht, zudem gibt es schwarze Bojen für die Fischerei und einige Felsen, die wir ebenfalls nicht sehen konnten.  

16. Jänner 2023:

Gestern waren wir im Ort Eden, der erhöht über der Bucht liegt. Es gibt überraschend viele Geschäfte und Cafe's. Wir haben (wieder etwas zu viel) eingekauft und haben hervorragende Fish & Chips gegessen. Zum Sundowner haben wir Patrick, einen Franzosen und seine Freundin Anuhei, eine Tahitianerin, die wir in Coffs Harbour kennengelernt hatten und die neben uns ankern, eingeladen. Sie segeln mit einer klassischen S&S 34 . Es war ein interessanter und vor allem amüsanter Abend.

Überfahrt Festlandaustralien nach Tasmanien

16. - 18. Jänner 2023:

Um 7:00 früh verlassen wir den Ankerplatz in Snug Cove und nehmen Kurs Richtung Süden auf Tasmanien. Wir planen, bis zur Wineglass Bay an der Ostküste Tasmaniens, ungefähr 320 Seemeilen, zu segeln.

Am ersten Tag regnet es fast durchgehend. Die Tasman See macht ihrem Namen alle Ehre und ist sehr rau. Die Wellen scheinen aus allen Richtungen zu kommen und schütteln uns kräftig durch. Wir haben die ganze Zeit über 20 Knoten Wind, in den Böen um die 30 Knoten. Wir segeln mit Groß und Code Zero, machen in den ersten 24 Stunden 160 Seemeilen. 

17. Jänner:

Der Himmel ist wolkenlos, bleibt den ganzen Tag so. Der Wind ist etwas schwächer, die Richtung wechselt von ENE zu NNE.  

Am 18. Jänner dreht der Wind nach N und dann nach NNW, die See ist deutlich ruhiger. Bis zur Wineglass Bay sind es um 9 Uhr früh noch 20 Seemeilen. Alle Vorhersagen von heute früh kündigen starken Südwind um die 30 Knoten an, das heißt für uns Wind auf die Nase. Wir lassen beide Motoren zur Unterstützung laufen und hoffen, dass wir die geschützte Bucht noch vorher erreichen.  

Leider dreht der Wind schon zwei Stunden später auf SSE und wir haben den vorhergesagten Südwind mit bis zu 28 Knoten auf die Nase.  

Weinglass Bay

18. - 21. Jänner 2023:

Kurz nach 13 Uhr lassen wir nach 326 Seemeilen, zwei Nächten und zweieinhalb Tagen in der wunderschönen Weinglass Bay den Anker fallen. Die Bucht ist umgeben von imposanten Granitformationen. Wir sind in Tasmanien! 

Der in einem Bogen verlaufende Strand ist mehrere Kilometer lang, der Sand ist ganz fein, das Wasser kristallklar und türkisfarben. 

Freycinet Nationalpark

Vom Strand führt ein Track durch den naturbelassenen Buschwald über unzählige Steinstufen hinauf zu einem Lookout. Es ist windstill und wolkenlos, wir kommen ganz schön ins Schwitzen. Die Granitblöcke entlang des Weges sind unglaublich mächtig, wir sind begeistert. Für einen Wochentag sind erstaunlich viele Leute unterwegs. 

Vom Lookout haben wir einen wunderbaren Blick auf die Weinglass Bay. Der Ausblick ist überwältigend, rundherum, wohin man schaut, riesige, rötliche Granitfelsen. 

Vom Lookout gehen wir hinunter zur Coles Bay, die auf der gegenüberliegenden Seite der Weinglass Bay liegt. Unsere Hoffnung, dass es bei diesem Ausgang des Nationalparks (mit Parkplatz) ein Restaurant oder ähnliches gibt, erfüllt sich leider nicht. Hungrig und durstig machen wir uns auf den Rückweg, gehen wieder die Stufen hinauf zum Scheitel und dann hinunter zum Strand der Weinglass Bay. Wir legen 8,6 km zurück, immer nur hinauf und hinunter, sind fast 5 Stunden unterwegs, laut iPhone 56 Stockwerke. 

 

Auf dem Weg zu unserem Dinghy zurück bemerken wir einen kleinen Tintenfisch, den eine Brandungswelle auf den Strand gespült hat, er lebt. Erwin nimmt ihn auf die Hand und trägt ihn ins Wasser zurück. Der Tintenfisch umklammert Erwins Hand und lässt sie erst los, als er wieder das Wasser um sich herum spürt, dann schwimmt er weg. Rettung gelungen, wir freuen uns. 

21. Jänner 2023:

Kurz nach 7 Uhr früh verlassen wir die Weinglass Bay und segeln weiter Richtung Süden zur Prosser Bay. Wieder kommen wir an beeindruckenden Granitfelsen vorbei. Die Rotfärbung ist offensichtlich durch Eiseneinlagerungen entstanden.

 

Leider ist es kein Fisch, was da an der Angel hängt!

 

Das Seegras verfängt sich gerne in den Propellern. Das Problem hatten wir schon zweimal in Australien.

 

 

Der Wind ist, wie vorhergesagt, schwach. Mit Code Zero und Vorsegel in Butterfly-Stellung und etwas Motorunterstützung segeln wir angenehm dahin, es sind nur 38 Seemeilen. Mehrere Male begleiten uns Delphine. So viele hatten wir an einem Tag bisher noch nie gesehen.

Prosser Bay - Orford

21. - 22. Jänner 2023:

Um 16 Uhr lassen wir in der Prosser Bay, einer sehr großen Bucht mit vielen privaten Bojen, den Anker fallen. 

22. Jänner:

Wir wollen im Ort Orford einkaufen gehen. Wieder springt der Außenborder des Dinghys nicht an und Erwin muss rudern. Das Wasser ist zwar ruhig, aber bis zum Ufer ist es relativ weit. Wir machen das Dinghy bei einem Steg fest. Das Wasser ist noch ausreichend hoch, aber es wird in den nächsten Stunden sinken, der Höhepunkt der Flut ist schon vorbei, wir müssen uns mit dem Einkaufen beeilen. 

Mit drei Einkaufstaschen vollgepackt kommen wir zum Steg zurück. Unser Dinghy ist nicht mehr im Wasser, sondern thront auf zwei Felsen, die aus dem Wasser ragen! Wir müssen das Dinghy wieder ins Wasser bekommen, was nicht einfach ist. Das Ding ist ziemlich schwer, allein der Außenborder hat schon etwa 50 kg. Erwin muss ins kühle Nass, zieht vorsorglich nicht nur die Schuhe, sondern auch die Jeans aus. Das Dinghy ist rasch wieder im Wasser. 

Um 14 Uhr verlassen wir die Prosser Bay und segeln weiter zum nahegelegenen Maria Island.  

Maria Island

Darlington

22. - 23. Jänner 2023:

Am späten Nachmittag ankern wir in der kleinen Bucht vor dem historischen Ort Darlington. Bis vor ungefähr 100 Jahren war Darlington ein prosperierender Ort, heute erinnern nur mehr die relativ gut erhaltenen Ruinen daran. Alle damaligen Unternehmungen sind gescheitert. Von dem Versuch, die Insel als die Riviera Australiens mit einem Grand Hotel zu vermarkten, bis hin zur  Zementerzeugung. Mit Ausnahme der Park-Ranger und den hier übernachtenden Touristen, ihre Zahl hält sich in Grenzen, gibt es keine Aktivitäten mehr. Es ist ein sehr beschaulicher und stimmungsvoller Ort, wir sind auf dem riesigen Areal stundenlang unterwegs und zumeist völlig alleine. Anstelle der Menschen sind jetzt Kängurus, Wallabies und Wombats in der Überzahl. 

Das Grand Hotel wurde 1888 eröffnet und 1930 aufgegeben. Große Hoffnungen waren damit verbunden, es wurde trotz großem Engagement der Betreiber nie ein richtiger Erfolg, für uns nachvollziehbar. Die Temperaturen sind in Tasmanien, auch im Sommer, nur angenehm wenn die Sonne scheint. Sobald sie untergeht, ist es kühl, der Wind ist ziemlich frisch. Rivierafeeling kann da nicht allzu oft aufkommen, auch wenn die Lage selbst wunderschön ist. 

Wir sehen zum ersten Mal wild lebende Kängurus, Wallabies und Wombats, wir sind überrascht und können es zuerst gar nicht glauben, sind begeistert. Die Kängurus und  Wallabies sind eher scheu, sogar das leise Klicken des Auslösers irritiert sie. Die Wombats hingegen lassen sich beim Fressen nicht stören, wir können zum Fotografieren ganz nahe an sie heran.  

Chinamans Bay

23. - 24. Jänner 2023:

Nach dem Frühstück segeln wir die Westküste von Maria Island entlang zur übernächsten Bucht und lassen nach knapp 10 Seemeilen in der Chinamans Bay den Anker fallen. Am Nachmittag wandern wir durch den Buschwald zu den Ruinen der Convicts Cells. 

Fortescue Bay - Three Capes Track

24. - 25. Jänner 2023:

Am 24. Jänner in der Früh segeln wir weiter Richtung Süden. Der Wind kommt zwar aus der richtigen Richtung, ist aber so schwach, dass wir bis auf eine Stunde, in der wir den Code Zero ausgerollt haben, motoren müssen. Immer wieder begleiten uns über längere Strecken Delphine. Wir verbringen viel Zeit vorne am Trampolin und genießen es, ihnen zuzuschauen wie sie verspielt herumtauchen, auf dem Rücken schwimmen und uns ihre weißen Bäuche zeigen, oft zwei oder drei synchron auftauchen und in die Höhe springen oder in Seitenlage schwimmend zu uns auf das  Boot hinaufschauen. Nach 6 Stunden und 30,4 Seemeilen fahren wir in die von steilen Granitfelsen umgebene, nicht sehr große Bucht. Die Delphine begleiten uns bis in die Bucht hinein! Unvergessliche Erlebnisse.

Für eine größere Wanderung ist es schon zu spät, wir wollen uns aber etwas die Füße vertreten. Der Außenborder ist komplett tot, Erwin muss, wie die vergangenen Tage, zum Dinghy-Steg am Ufer rudern. Wir treffen Sarah und Mike, Texaner, die wir bei Scott und Kat kennengelernt hatten und die mit ihrem Katamaran auch in der Bucht liegen. Sie kommen gerade von den drei Capes zurück. Man muss 4 - 5 Stunden für die Tour einplanen. Unser Plan für morgen.  

25. Jänner: 

Um 8 Uhr sind wir bereits beim Beginn des Tracks, ein Wallaby sitzt da und schaut uns aufmerksam an. 

Der Track ist im Buschwald über gefühlt tausende Steinstufen, dazwischen Waldwege und Holzstege über Feuchtbereiche, angelegt. Die niedrigeren Pflanzen sind sehr grün, einige haben Blüten oder ähnliches, für uns ziemlich exotisch. Die hohen, mächtigen Bäume wirken trocken.

 

Es ist ein herrlicher, sonniger Tag, es ist noch nicht zu warm und wir genießen die Wanderung sehr. Es sind erst wenige Leute unterwegs, vorwiegend sehr junge, die einen Teil des Tracks hinauf- und hinunterlaufen.

 

Anfänglich führt der Track durch dichten Buschwald, dann werden die Steinstufen immer mehr. 

Nach etwas mehr als einer Stunde kommen wir zum ersten Lookout und sehen den langen Weg hinauf zum zweiten Cape. 

Bevor wir zum zweiten Cape kommen, geht es zuerst hunderte Steinstufen hinunter, bevor es wieder hinauf geht. Das Hinuntergehen ist zwar nicht so anstrengend, aber man muss sehr aufpassen, stolpern sollte man besser nicht. Der Ausblick ist traumhaft. Die Granitfelsen sehen unglaublich spektakulär aus.

Nach weiteren zweieinhalb Stunden Steinstufen hinunter und wieder hinauf sind wir am dritten Cape angelangt. 

Auf dem Weg zurück kommen uns viele Leute entgegen, auch einige geführte Touren. Wir sind froh, dass wir schon auf dem Weg zurück sind. Erwin entdeckt eine etwa 30 cm große Eidechse, die auf dem ersten Blick wie eine Schlange aussieht, erst auf dem zweiten Blick sieht man, dass es eine harmlose Eidechse ist.

Nach 5 Stunden sind wir wieder zurück am Ufer. Laut iPhone sind wir 10 km und 114 Stockwerke gegangen. Unsere Crocodile ist inzwischen das einzige Boot in der Bucht, in der Früh waren es noch 5, Wind und Schwell haben stark zugenommen. Wir verzichten vorerst auf das Mittagessen, holen den Anker auf und verlassen die Bucht, es ist 13:45 Uhr. 

Mit sehr wenig Wind von achtern motoren wir weiter Richtung Süden, unser Ziel ist Port Arthur. Wir sind überrascht, als neben unserem Boot plötzlich eine kleine Gruppe Seehunde auftaucht. Es ist das erste Mal, dass wir hier in Tasmanien Seehunde sehen.  

Bei der Umrundung des Tasman Islands kommt plötzlich starker NE-Wind mit bis zu 30 Knoten auf und bleibt die restlichen 9 Seemeilen bis Port Arthur um die 20 Knoten stark. Die kleine Insel ist völlig kahl. Beeindruckend sind ihre Doleritformationen, vulkanisches Gestein, das härter als Granit ist. 

Wir segeln in den großen natürlichen Hafen Port Arthur hinein und lassen um 18 Uhr zwischen der Muskoka von Scott und der S&S 34 von Patrick in der Carnarvon Bay den Anker fallen. 

Port Arthur

26. Jänner 2023:

Nach dem Frühstück kommt Scott zu uns herüber. Er kennt sich bei Motoren sehr gut aus und er ist überzeugt, dass er den Außenborder zum Laufen bringen kann. Er schließt eine mögliche Fehlerursache nach der anderen aus und schließlich kann es nur mehr der Vergaser sein. Der Vergaser ist tatsächlich völlig verschmutzt, Scott reinigt ihn so gut es geht mit reichlicher Verwendung eines Säuberungssprays. Alles wieder zusammenbauen, nach zwei Stunden lässt sich der Motor wieder starten. Wir sind sehr erleichtert, es ist gefährlich, mit dem Dinghy längere Strecken zu rudern. Wenn stärkerer Wind aufkommt, kann ein Schlauchboot nicht mehr gerudert werden. Einerseits hat es einen hohen Luftwiderstand, praktisch keine Richtungsstabilität, weil ein Kiel fehlt. Andererseits sind die Ruder viel zu klein und zu kurz, um damit ausreichend Kraft ins Wasser zu bringen. Der wichtigste Rat von Scott, immer nur Super tanken. Wahrscheinlich war die letzte Tankfüllung in Fidschi alles andere als optimal. Wir verwerfen den Fidschi-Benzin und befüllen bei einer Tankstelle den Tank mit Superbenzin.

27. Jänner :

Wir haben vor, den berühmten Ort Port Arthur mit seinen historischen Gebäuden, Gartenanlagen und Ruinen des Strafgefangenenlagers, das wie 10 weitere in Australien als UNESCO Weltkulturerbe aufgelistet ist, zu besuchen. Das weitläufige Areal befindet sich in der Bucht gegenüber von unserem Ankerplatz. In der Früh große Enttäuschung, der Außenborder lässt sich wieder nicht starten. Es ist fast windstill und Erwin beginnt, die riesige Bucht rudernd zu durchqueren. Plötzlich ist Scott da und schleppt uns mit seinem Dinghy hinüber. 

Das Areal wirkt wie ein riesiger gepflegter Park, die Ruinen sind aufwändig abgesichert und werden museumsartig präsentiert. Einzelschicksale der Gefangenen werden verniedlicht so dargestellt, dass sich daraus eine Berechtigung für das Straflager ergeben soll. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Port Arthur eines der grausamsten Gefängnisse war und die Engländer sogar Kinder ab 9 Jahren und Jugendliche für aus heutiger Sicht geringfügige Vergehen in australische Straflager verbrachten. Sehr wahrscheinlich hat man elternlose Straßenkinder und Jugendliche so 'entsorgt'. Zwischen 1803 und 1853 wurden etwa 75.000 Gefangene nach Tasmanien deportiert. 

Neuankömmlinge mussten 4 - 12 Monate in winzigen Zellen in Einzelhaft in kompletter Finsternis und Stille verbringen, anfänglich nur bei Brot und Wasser, später durften sie für eine Stunde pro Tag die Zelle verlassen. Dabei mussten sie eine Gesichtsmaske tragen, um jegliche Kommunikation zu verhindern. Diese psychische Folter sollte die Gefangen dazu bringen, über ihre Straftaten zu reflektieren. Nicht wenige sind irrsinnig geworden.

Das größte der Gebäude war ursprünglich als Getreidelager und Mühle konzipiert, in dem die Gefangenen in einer Tretmühle das riesige Mühlrad betreiben mussten und wurde später in ein Gefängnis umgewandelt. Die Sträflinge wurden über Jahrzehnte als billige Arbeitskräfte ausgebeutet.

Für die Frauen und Kinder der Offiziere und der Beamten wurde ein schöner Garten angelegt. Eine Familie hatte auch, entsprechen ihrer Größe, Anspruch auf einen Gemüsegarten. In einer Informationstafel wird bedauernd vermerkt, dass die Gefangenen manchmal aus diesen Gärten gestibitzt  haben.

Nach unserer Besichtigungstour springt der Außenborder wieder nicht an. Erwin beginnt zu rudern, es ist ziemlich weit zu unserem Boot. Der Kapitän einer Fähre, die auch gerade ablegt, bietet uns an, uns ins Schlepptau zu nehmen. Wir nehmen das sehr gerne an.

Den Nachmittag verbringt Erwin damit, den Außenborder erneut zu zerlegen. Er vermutet, dass wieder der Vergaser schuld ist und baut ihn aus. Der Vergaser schaut völlig sauber aus, Erwin spült ihn trotzdem mit reichlich Alkohol. Nach dem Zusammenbau, oh Wunder, der Motor lässt sich wieder starten. Das ist auch notwendig, Erwin hat schon Schwielen und Blasen an der Hand durch das oftmalige Ziehen des Startkabels.

28. Jänner:

Mit auslaufender Flut verlassen wir in der Früh Port Arthur. Unseren nächsten Ankerplatz haben wir in der Barilla Bay vor dem Ort Nubeena, die ungefähr 20 Seemeilen entfernt ist, geplant. 

Wir kommen am Cape Raoul vorbei, das für die Doleritformationen, die an Orgelpfeifen erinnern, bekannt ist. Hier gibt es einen Nationalpark mit einer als sehr attraktiv beschriebenen Klippenwanderung.

Nach der Umrundung des Cape Raouls haben wir schwachen Wind von vorne seitlich, segeln mit Vorsegel und Motorunterstützung. Der Wind legt innerhalb weniger Minuten von unter 10 auf Spitzen bis 43 Knoten ( = 80 km/h) zu. Das geschieht plötzlich und völlig überraschend und war auch aus den Wetterprognosen vor dem Ablegen nicht ablesbar. Wir erleben die Roaring Forties, eine neue Erfahrung, wir sind am 43. Breitengrad. Da vorher der Wind schwach war und ständig gedreht hat, haben wir glücklicherweise nur das Vorsegel zur Unterstützung des Motors gesetzt. Der Wind ist so stark, dass wir unseren Kurs nicht halten können und weiter hinaus gedrückt werden. Wir verkleinern das Vorsegel auf etwa ein Drittel und rollen es schließlich ganz ein. Wir müssen mit zwei Motoren gegen den Wind ziemlich von vorne und die steilen, giftigen Wellen ankämpfen, um überhaupt rund 3 bis 4 Knoten Fahrt zu machen. Die Gischt fliegt über das ganze Boot, wir werden richtig eingesalzen. Wir nehmen Kurs auf die Küste, um durch die Felsen etwas abgeschirmt zu sein, was auch in Maßen erfolgreich ist. Der Wind bleibt den Rest der Fahrt um die 30 Knoten, in den Böen um die 40. Die Bucht, die wir durchqueren, heißt 'Storm Bay'.

Barilla Bay - Nubeena

28. - 30. Jänner 2023:

Nach 22,4 Seemeilen fahren wir in die gut geschützte Bucht hinein, Wind und Wellen lassen deutlich nach. Auf einer Uferseite befinden sich große Fischfarmen mit den sie abgrenzenden schwarzen Bojen. Die Anlagen sind nur als einzelne Symbole und nicht in ihrer gesamten Ausdehnung in der elektronischen Karte vermerkt. Keine Bucht für eine Einfahrt in der Nacht. Wir ankern nahe dem Dinghy-Steg in einem großen Bojen- und Ankerfeld. Sehr erfreulich, der Außenborder springt wieder an und wir drehen eine kleine Runde mit Vollgas, bevor wir am Steg anlegen und in den kleinen Ort Nubeena einkaufen gehen.